HISTORY: Der Mord an Olof Palme und das Gladio Netzwerk?

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HISTORY: Der Mord an Olof Palme und das Gladio Netzwerk?

Die schwedische Stay-behind-Truppe wurde vom Botschaftsattaché, CIA-Offizier und späteren CIA-Chef William Colby organisiert.

Ihm gelang es, anfang der fünfziger Jahre eine Untergrundorganisation zu etablieren, die aus der rechtsextremen Waffenbrüderschaft “Sveaborg”, die ihrerseits eine Unterorganisation der faschistischen Vereinigung “Schwedens Sozialistische Sammlung” (SSS) war, hervorging. Die 1941 von Otto Hallberg gegründete Brüderschaft bestand mehrheitlich aus Veteranen eines schwedischen Freiwilligenbataillons, das im finnisch-sowjetischen Krieg gekämpft hatte. Aus dieser Vereinigung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die schwedische Stay-behind-Truppe gebildet. Etwa 1200 Kontaktpersonen, von denen viele Armeeangehörige gewesen sein sollen, hätten im Notfall ihre Guerillatruppen selbständig führen können. Ihre Aufgabe war es, als Guerillas eine etwaige sowjetische Invasion zu bekämpfen und mutmaßliche Unterstützer der Invasion auszuschalten. 1953 deckte die schwedische Polizei die Organisation auf. Hallberg wurde in einem Geheimverfahren freigesprochen. Er starb 1968, die Akten wurden bis 2004 gesperrt. Seine Organisation soll aber noch 1989 intakt gewesen sein. Fragen im Zusammenhang mit dem Mord am schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme drängen sich auf.

So soll der zweite Mann der CIA in Europa und Chef des Intelligence Tactical Assessment Center (ITAC), ein gewisser Oswald LeWinter, Papiere vorgelegt haben, die beweisen sollen, daß Palme im Zuge einer “Operation Tree” ermordet werden sollte. Ausgangspunkt dieser angeblichen vom Allied Clandestine Committee/ Special Operations Planning Staff (ACC/SOPS), dem Koordinierungszentrum der Stay-behind-Netzwerke, herrührenden Überlegungen waren Pläne Palmes über einen kernwaffenfreien Norden und etwaige Verhandlungen darüber mit Moskau. An solchen SOPS-Treffen sollen der Chef der Operativen Abteilung (B) des schwedischen Sicherheitsdienstes (SÄK) P. G. Näss und der ehemalige Stay-behind-Chef und frühere Scandia-Versicherungs-Direktor Alvar Lindencrona teilgenommen haben. Das Scandia-Haus in Stockholm – früher Thule-Haus – soll die Zentrale der Stay-behind-Netze gewesen sein. Vor diesem Haus wurde Olof Palme am 28.2.1986 mit einem Smith & Wesson erschossen.

Eine andere Spur führt zur “World Anticommunist League” (WACL), deren früherer Generalsekretär der Europa-Sektion Anders Larsson behauptete, über eine Ermordung Palmes im Zusammenhang mit dessen bevorstehender Moskaureise informiert worden zu sein. Außerdem hätte das WACL-Mitglied Michael Townly den Namen Palme auf einer Todesliste stehen gehabt. Das WACL- und Ustaschamitglied Miro Baresic soll wiederum an einem Waffengeschäft mit einem kurdischen Heroinhändler mit PKK-Verbindungen beteiligt gewesen sein, bei dem es um einen Revolver der Marke Smith & Wesson ging (die sogenannte “Kurdenspur”). Larsson behauptete außerdem, daß das “Covert Action Department” der CIA, das den WACL durch dessen internationalen Leiter General John Singlaub kontrollierte, den Entschluß zu diesem Mord gefaßt hätte. Die WACL vereinigt weltweit alle möglichen rechtsextremen Gruppierungen, Vertreter der freien Marktwirtschaft und radikale Antikommunisten. Auch im Umfeld der Stay-behind-Mitglieder trifft man immer wieder auf die WACL.

Eine weitere Spur weist den Weg zu rechtsextremen Elementen in der Polizei, die Mitglieder eines privaten Kampfschützenvereins waren. In deren Umkreis bewegte sich ein namentlich nicht genannter Psychologielehrer an der Polizeischule, der Anführer der “Sturmabteilung Sveaborg” gewesen sein soll. Diese war ja Rekrutierungsstelle für die Stay-behind-Netze des damaligen CIA-Residenten William Colby. Und da gab es noch die aus Polizisten gebildete, 1983 wegen eines ungeklärten Todesfalles aufgelöste rechtsextreme Baseball-Liga des Hans Holmér, Mitglied der schwedischen Sozialdemokraten und zu der Zeit Polizeichef von Stockholm. Er führte lange Zeit die Mordkommission im Fall Palme, die jetzt Hans Olebrö leitet. Dann gab es noch den Polizeiwagen 1520. Und jede Menge Walkie-Talkie-Männer in der Mordnacht rings um die Route Olof Palmes zwischen dem von ihm und seiner Frau besuchten Kino und ihrer Wohnung. Und einen Waffenhändler Sege Östling. Und die schwedischen Sozialisten Ebbe Carlsson und Carl Lidbom. Und die Beobachtung zweier AugenzeugInnen: Sie sahen kurz vor der Tat einen Finnen, den eine von ihnen aus einem Sportverein, in dem auch Polizisten verkehrten, kannte. Er stand in einem Hauseingang in der Nähe des Kinos.

Apropos Finnland: In Stockholm hätte für den Fall einer sowjetischen Invasion in Finnland eine finnische Exilregierung installiert werden sollen. Dafür standen Infrastruktur, Geld und Kommunikationseinrichtungen zur Verfügung, mit denen die finnische Stay-behind-Gruppe hätte geführt werden sollen. Wäre auch Schweden überrannt worden, hätten beide Regierungen nach London ausweichen sollen. Der ehemalige schwedische Geheimdienstmann Birger Elmér, der als Kontaktperson zu Helsinki genannt wurde, verweigerte allerdings jede Aussage dazu.

Daneben soll es noch einen “geheimen” Geheimdienst “IB” in Schweden gegeben haben, der mit der CIA und den NATO-Geheimdiensten in Osteuropa zusammengearbeitet haben soll. Ob dieser identisch war und ist mit dem ukrainischen Geheimdienst IB der rechtsextremen OUN, die vom Dritten Reich (bis 1945) und von der CIA (nach 1947) unterstützte ukrainische Exilorganisation, kann derzeit nicht ausgeschlossen werden.

John Foster LeMay

Quellen:

Taz, 15. & 17.11.1990, 17.8.1991;

Die Presse, 2.7.1996;

Leo A. Müller: Gladio – das Erbe des Kalten Krieges. Der NATO-Geheimbund und sein deutscher Vorläufer. Mit einem Beitrag von Werner Raith. Verlag Rowohlt Taschenbuch, Reinbeck bei Hamburg 1991;

Ola Tuander: Der vielfache Palme-Mord, in: Karl Markus Michel und Tilman Spengler (Hg.): Kursbuch 124, Verschwörungstheorien. Juni 1996. Verlag Rowohlt, Berlin 1996;

Burkhard Nagel und Klaus D. Knapp: “Mord in Stockholm”. Fernsehdokumentation in Zusammenarbeit von N3 und Arte, August 1996.

 

 

 

Anmerkung: Der oben erwähnte CIA-Offizier Oberst Dr. Oswald LeWinter – übrigens ein jüdisches Findelkind – hat vor geraumer Zeit dem CIA den Rücken gekehrt und in Portugal um politisches Asyl nachgesucht. Vor dem portugiesischen Parlament hat LeWinter unter Eid Einzelheiten über die Verwicklung der CIA in die Ermordung des schwedischen Ministerpräsidenten preisgegeben. Auf das von Oswald LeWinter verfaßte Buch “Desmantelar a América” (Publicacoes Europa-América LDA, P-2726-901-MEM-Martins, 2001) wird hingewiesen.

Dass dies alles keine Hirngespinste sind, belegt auch ein geheimes Besprechungsprotokoll der NATO vom 15. Dezember 1985. Das Papier stammt aus den Leitungsgremien der NATO-Geheimarmee Stay-behind, dem Allied Clandestine Committee (ACC)/ Special Operations Planning Staff (SOPS) und ist gekennzeichnet als “Cosmic – Top Secret”, der höchsten NATO-Sicherheitsstufe. Es zeigt, dass die CIA und der britische MI6 gemeinsame Geheimoperationen durchgeführt haben.

Dies entsprach durchaus der Funktion der Geheimorganisation Stay-behind, die im Falle einer sowjetischen Invasion einen Guerillakrieg anzetteln sollte. Außerdem war ihr Auftrag, im Inneren im Falle eines “nationalen Notstandes” einzugreifen – was immer das heißen mag. Im ACC stimmten sich die nationalen Vertreter der NATO-Geheimdienste und der Dienste “befreundeter” Länder unter Führung der CIA ab. Dabei informierten sie sich gegenseitig über verdeckte Operationen, Personal und Ausrüstung.

 

 

Über das ACC leitete der US-Geheimdienst den SOPS, der diese verdeckten Operationen ausführte. Die geheimdienstlichen Treffen finden monatlich statt. Die Existenz des SOPS ist belegt durch Dokumente aus dem norwegischen Verteidigungsministerium. Schweden gehört zwar als neutrales Land der NATO nicht an, war aber in das Stay-behind-Netzwerk eingebunden und in den Lenkungsorganen ACC und SOPS vertreten.

Der wichtigste Punkt in diesem SOPS-Abstimmungsprotokoll ist aber die sogenannte Operation Tree – nach übereinstimmender Auffassung des Dokumentarfilmers Allan Francovich, des Journalisten Göran Beckerus und des früheren CIA-Agenten Oswald LeWinter der Code für den Mord an Olof Palme. Das Dokument nennt als Decknamen des Auftragsmörders “Nass Beirut” und geht darauf ein, dass der Anschlag beim “nächsten Yggdrasil-Treffen, das im Januar 1986 in einem Landhaus” in “Wiltshire, Großbritannien stattfindet”, besprochen werden soll.

Wir erinnern uns: Bei Yggdrasil handelt es sich dem britischen Journalisten Duncan Campbell sowie dem ehemaligen CIA-Agenten Trowbridge Ford zufolge um einen Unterausschuss von SOPS, nämlich um ein internationales Kartell von Rüstungsunternehmen, die verdeckte Waffentransporte im Rahmen des Iran-Contra-Deals durchführten. Auf Nass Beirut sind wir bereits im Palme-Kapitel eingegangen.

Das geheime SOPS-Dokument geht auf den Fall Barschel nicht ein. Aber es verweist auf zwei Schauplätze von Barschels Doppelleben: Kiel und die Stasi-Firma IMES, die in Kavelstorf ihr Waffenlager hatte. In dem Papier geht es auch um eine illegale schwedische Lieferung von waffenfähigem Uran “WG 235 nach Neu Delhi”. Diese Unterstützung des indischen Atomprogramms war ein schwedischer Alleingang und insbesondere den USA ein Dorn im Auge.

Das Protokoll hält fest, “dass die Verschiffung über Kiel (BRD) läuft, damit die Ladung veränderte C/O-Zertifikate erhält und die schwedische Herkunft vor der IAEC und der örtlichen Presse geheimgehalten wird”. Der BRD-Vertreter bittet um “Einzelheiten der Transaktion, speziell was die Rolle des IMES-Chefs und der bundesdeutschen Polizei bei der Beförderung der Ladung” betrifft. Der bundesdeutsche Repräsentant “unterstrich die Notwendigkeit absoluter Geheimhaltung der Re-Involvierung von Kiel”.

1986 erschütterte der Mord am schwedischen Premier Olof Palme die Welt. CIA und PKK standen im Verdacht, selbst die Polizei. Nun gibt es einen mutmaßlichen Täter – und die Ermittlungen werden eingestellt.

Es war eine Ermittlung der Superlative. 10.000 Zeugen wurden vernommen, 8.000 Spuren untersucht, rund 250 Meter Akten angelegt. Alles, um den Mörder des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme zu ermitteln, der am 28. Februar 1986 in Stockholm von einem Unbekannten erschossen worden ist. Seit 32 Jahren rätselten die Schweden, wer die Tat begangen hat.

Nun hat die Polizei nach eigenen Angaben den mutmaßlichen Täter ausgemacht. Es sei erwiesen, dass der Grafik-Designer Stig Engström im Jahr 1986 Palme erschossen habe, sagte Staatsanwalt Krister Petersson am Mittwoch. Viele Schweden dürfte das nicht überraschen. Engström ist ein der dortigen Öffentlichkeit wohl bekannter Mann. Er war 1986 der erste Zeuge am Tatort. Mehr Infos zur Mitteilung der Polizei finden Sie hier.

Foto-Serie mit 8 Bildern

Neue Erkenntnisse über Engström

Der Tatablauf gestaltete sich wie folgt: Am Abend des 28. Februar 1986 hatte Palme zusammen mit seiner Frau Lisbet im Kino einen Film angeschaut, nach 23 Uhr verließen sie das Lichtspielhaus. Auf ihrem Weg nach Hause lag das Ausstattungsgeschäft Dekorima. Vor dessen Schaufenster soll, so Zeugen später, ein Mann gewartet haben. Er holte das Paar ein und schoss Palme aus 30 Zentimeter Entfernung in den Rücken. Die Kugel zerfetzte die Aorta des Premiers.

Stig Engström meldete sich nach dem Mord als Zeuge. Landesweit wurde er als der “Skandia-Mann” bekannt, einfach weil er in dem nahe liegenden “Skandia”-Gebäude bis spät in die Nacht Überstunden gemacht hatte. Viermal vernahmen Polizeibeamte Engström, später trat er mit seiner Schilderung der verhängnisvollen Nacht immer wieder im Fernsehen auf.

Nach langen Recherchen des Journalisten Thomas Pettersson und offenbar gefüttert mit neuesten Erkenntnissen der Sonderkommission zum Mord an Palme berichtete das Magazin “Filter” im Mai 2018 aufsehenerregende neue Erkenntnisse über Engström. Er hatte durch einen Freund nicht nur Zugang zu einem Exemplar der mutmaßlichen Tatwaffe, sondern war ein trainierter Schütze. Vor allem aber: Engström hatte laut “Filter” ein Motiv. Und zwar einen ausgeprägten Hass auf Palme und dessen sozialdemokratische Politik. Er soll dies auch immer wieder offen erklärt haben.

Erbitterte Gegner

Die Ermittlungen zum Mord an Olof Palme waren von Anfang an verworren: Mehr als 100 Personen galten im Laufe der Jahre als tatverdächtig. Mal stand die kurdische Partei PKK im Fokus, die der Sozialdemokrat Palme als Terrorgruppe eingestuft hatte. Oder das südafrikanische Regime, weil Palme das Apartheid-System ächten wollte. Auch über rechte Kreise in Skandinavien wurde spekuliert, die amerikanische CIA, den israelischen Mossad oder gar die Palästinenser von der PLO. Und nicht zuletzt: Die schwedischen Sicherheitsbehörden selbst, die sich gegen den 59-jährigen Politiker verschworen haben könnten.

Ermittler: Der Mord an Olof Palme ist aufgeklärt

Fast dreieinhalb Jahrzehnte nach dem Mord an Schwedens Regierungschef Olof Palme sind sich die Ermittler sicher, den Täter zu kennen. Doch der ist seit Jahren tot. Der zuständige Staatsanwalt fasst deshalb einen historischen Beschluss.

Mehr als 34 Jahre nach dem Mord am schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme haben die Ermittler einen mittlerweile gestorbenen Mann als mutmaßlichen Täter ausgemacht. Weil der häufiger als “Skandia-Mann” bezeichnete Stig Engström bereits im Jahr 2000 starb, kann jedoch keine Anklage mehr erhoben werden. Die Ermittlungen werden deshalb nun eingestellt, wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Stockholm bekanntgab.

Die Tat traumatisierte ein Land: Ministerpräsident Olof Palme wurde im Februar 1986  auf offener Straße erschossen

© Tobbe Gustavsson/ / Picture Alliance

Palme war am 28. Februar 1986 kurz vor Mitternacht gemeinsam mit seiner Frau auf dem Heimweg aus einem Stockholmer Kino, als ihn ein Mann auf offener Straße von hinten mit einem Schuss niederstreckte. Der weit über Schweden hinaus bekannte Sozialdemokrat wurde kurz darauf in einem Krankenhaus für tot erklärt. Palme war damals seit dreieinhalb Jahren wieder Ministerpräsident. Er hatte das Amt bereits von 1969 bis 1976 inne. Seine Frau Lisbet erlitt einen Streifschuss.

Ermittlungen kamen nur schleppend in Gang

Der zuständige Staatsanwalt Krister Petersson sagte zum Ende der Ermittlungen: “Ich bin der Ansicht, dass wir so weit gekommen sind, wie man es von der Untersuchung verlangen kann.” Weil Engström tot ist, sei eine Anklage oder ein Verhör des Mannes unmöglich. Der Fall gilt als Schwedens größter Kriminalfall des vergangenen Jahrhunderts. Auch international war das Interesse enorm.

Die Ermittlungen waren nach dem Mord zunächst nur schleppend in Gang gekommen. Die immer wieder wechselnden Ermittler hatten im Laufe der Jahre unzählige Spuren und Hinweise verfolgt, die zu einzelnen Tatverdächtigen geführt hatten, unter anderem aber auch zur kurdischen PKK und zum südafrikanischen Geheimdienst.

Stig Engström, der “Skandia-Mann” steht auf einem Gehweg. Mehr als 34 Jahre nach dem Mord an Olof Palme haben die Ermittler nach eigenen Angaben ihn den mutmaßlichen Täter ausgemacht

© Goran Arnback / DPA

Engström geriet nach einem größeren Personalwechsel 2016/17 ins Visier der Ermittlungen, wie Fahndungsleiter Hans Melander sagte. Die Ermittler seien das Material zum Tatort und den dort befindlichen Personen neu durchgegangen. “Es gab dabei eine Person, die nicht ins übrige Bild hineinpasste. Seine Angaben konnte man nicht mit denjenigen anderer Zeugen verbinden.” Der Spur Engströms sei man immer weiter gefolgt, obwohl der Mann bereits 2000 im Alter von 66 Jahren starb. Er soll Suizid begangen haben.

Täter präsentierte sich als Zeuge im TV

In Medienberichten wurde Engström – benannt nach seinem Arbeitgeber, einem schwedischen Versicherungsunternehmen – oft als “Skandia-Mann” bezeichnet. Er hatte sich nach dem Mord in einem TV-Interview als Zeuge präsentiert. Er soll durch einen Bekannten Zugang zu Schusswaffen gehabt und zudem Palmes Politik gehasst haben.

Petersson sagte, Engströms Kleidung stimme mit der überein, die der Täter nach Aussagen mehrerer Zeugen getragen hatte. Er habe Geld- und Alkoholprobleme gehabt. Am Mordabend habe er sich noch spät an seinem Arbeitsplatz in unmittelbarer Nähe zum Tatort befunden. Um 23.19 Uhr habe er sich ausgestempelt – um etwa 23.21 Uhr und 30 Sekunden sei dann auf Palme geschossen worden. Die Mordwaffe wurde bis heute nicht gefunden.

 

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Attentat-Ablauf?

Am 28. Februar 1986 um 23:23 Uhr wurde Olof Palme im Alter von 59 Jahren an der Ecke Sveavägen/Tunnelgatan in der Innenstadt von Stockholm ermordet. Er war mit seiner Frau Lisbet ohne Polizeischutz nach einem Besuch im Kino „Grand“ („Bröderna Mozart“ Die Gebrüder Mozart von Suzanne Osten) auf dem Heimweg, als vor dem Scandia-Haus ein Mann hinter den beiden Auftauchte und aus nächster Nähe mit einem Smith-&-Wesson-Magnumrevolver Kaliber .357 zweimal schoss auf Lisbet und Olof Palme. Obwohl er sehr schnell in ein Krankenhaus gebracht wurde, wurde Palme dort kurz vor Mitternacht für tot erklärt. Seine Frau erlitt leichte Verletzungen.

Einem Passanten gelang es zunächst, den Attentäter zu verfolgen, er verlor ihn jedoch.

Untersuchungen

Der nun folgende Polizeieinsatz startete schleppend. Die Suche nach dem Täter kam auch deshalb nur äußerst zögerlich in Gang, da sich die Stockholmer Stadtpolizei und die schwedische Sicherheitspolizei Säpo zunächst lange um die Zuständigkeit stritten.

Wenige Stunden nach dem Attentat wurde ein Phantombild des Täters verbreitet das laut Aussage der Staatsanwaltschaft der Auffindung des Täters eher hinderlich war.

Vieles deutet auf Schlampereien bei der Ermittlung hin, so wurden etwa die beiden Patronen nicht von der Polizei, sondern erst von Passanten 1 bzw. 2 Tage nach der Tat gefunden.

Ein angebliches RAF-Bekenntnis wurde von der Polizei als unglaubwürdig eingestuft.

Zunächst wurde auch die PKK verdächtigt.

Eine Spur führte überdies nach Südafrika. Das dortige Apartheid-Regime, gegen das sich Palme wiederholt und engagiert ausgesprochen hatte, wurde verdächtigt, den Mord an Palme in Auftrag gegeben zu haben. Auch Palmes entschiedene Gegnerschaft zum Vietnamkrieg der Amerikaner wurde als möglicher Hintergrund in Erwägung gezogen. In diesem Zusammenhang hatte der Ministerpräsident für Schlagzeilen gesorgt, indem er die US-Angriffe auf Nordvietnam mit den NS-Verbrechen verglich.

Es vergingen fast drei Jahre, ohne dass die Polizei bei der Suche nach Palmes Mörder entscheidende Fortschritte machte. Erst Ende 1988 konnte man der Öffentlichkeit einen Tatverdächtigen präsentieren, der gut ins Bild zu passen schien. Es handelte sich hierbei um den einschlägig vorbestraften und drogenabhängigen Christer Pettersson. Er war bereits kurz nach dem Attentat vernommen worden. Jetzt aber hatte sich sein Alibi für die Tatnacht als falsch erwiesen.

Der ungeklärte Mord geriet im September 2003 im Zusammenhang mit dem Attentat auf Anna Lindh wieder in die öffentliche Diskussion: Auch bei diesem zweiten Mord an einer prominenten Persönlichkeit der schwedischen Politik binnen weniger Jahre konnte der Täter zunächst nicht zweifelsfrei festgestellt werden, was zu massiver Kritik an der Arbeit der schwedischen Polizei führte und bei vielen Menschen die Erinnerung an den Mordfall Palme wieder wachrief. Jedoch gelang es den Behörden hier verhältnismäßig schnell, einen Täter zu fassen.

Im Jahr 2011 wird der Mord an Palme nach schwedischem Recht verjährt sein.

Hans Holmer

Auch der damalige Stockholmer Polizeichef Hans Holmér verwickelte sich in Widersprüche. Er gab beispielsweise an, zum Zeitpunkt des Attentats in einem Hotel in Borlänge genächtigt zu haben, obwohl er dort nie gewesen war. Tatsächlich nahm er am Tattag am Wasalauf teil, weshalb er erst am 1. März die Ermittlungen aufnehmen konnte. Er richtete seine Ermittlungen vor allem in Richtung PKK.

Im Februar 1987 wurde er von der Leitung der Ermittlungen entbunden und reichte im März 1987 sein Entlassungsgesuch aus dem Polizeidienst ein.

Holmérs Buch “Tod in Stockholm – Der Mordfall Olof Palme” wurde vom Autor nach heftigen Anfeindungen zurückgezogen; unter anderem kam die Vermutung auf, die schwedische Sicherheitspolizei Säpo sei von Rechtsextremen unterwandert, habe die Ermittlungen verschleppt oder sei sogar selbst in das Attentat verwickelt. Auf letztere Vermutung weisen unter anderem Mitschnitte des Funkverkehrs in der Nacht des 28. Februar 1986 hin.

Gespräch mit Ole Dammegard zu Olof Palme, JFK, 9/11 und weiteren Verschwörungs-Fakten!

Light on Conspiracies – Conspiracy Facts ++ Manuel C. Mittas im Gespräch mit Ole Dammegard

 

Theorien

Christer Pettersson

Pettersson bei Gegenüberstellung

Christer Pettersson wurde 1989 für den Mord schuldig gesprochen musste aber in zweiter Instanz Freigesprochen werden nachdem bekannt wurde das die Ermittler Lisbet Palme bei der Identifizierung des Mörders einen Tipp gegeben hatten.

Bis heute hält die Palme-Witwe und einzige Zeugin des Attentats Lisbet Palme daran fest das Pettersson der Mann war, der auf sie geschossen hat, wodurch eine erfolgreiche Verhandlung gegen einen anderen Täter unmöglich ist.

Pettersson gilt bis heute als Hauptverdächtiger, doch sein Tod 2005 hat jede nachträgliche Verurteilung unmöglich gemacht.

Tod Petterssons

Vielfach wird auf die Merkwürdigen Todesumstände Petterssons verwiesen. Pettersson starb am 29. September 2004 im Karolinska Sjukhuset in Solna bei Stockholm an schweren Kopfverletzungen, mit denen er 13 Tage zuvor eingeliefert wurde.

Laut offizieller Darstellung erlitt Pettersson diese Verletzungen als er alkoholisiert auf Pflastersteine stürzte. Infolge haben sich Komplikationen wie etwa Hirnblutungen ergeben, die zum Tode Petterssons führten.

Lars Tingström

Lars Tingström, der in Schweden wegen des Versendens von Briefbomben schlicht als der “Bombenmann” bekannt ist, belastete Pettersson 1993 in seinem Testament.

Tingström gibt darin an den Staat zu hassen und die Ermordung des Königs und Palmes geplant zu haben, für letzteres habe er Pettersson ausgewählt, der den Mord ausgeführte.

Sigge Cedergren

Sigge Cedergren (24. 2. 1931 – 5. 3. 1996) sagte auf dem Sterbebett aus, dass er Pettersson den nichtregistrierten Revolver, den er für den Mord verwendete, geliehen hatte.

TV-Geständnis

Aufsehen erregte der Film Jag såg mordet på Palme, der am 26. Februar 2006 im schwedischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Dort gesteht Pettersson den Mord und beschreibt, dass es sich um eine tragische Verwechslung handelte, weil er jemanden anderen töten sollte, den Drogenhändler Sigge Cedergreen.

Kritiker dieses Geständnisses verweisen darauf das Pettersson schon mehrmals Mord-Geständnisse an die Presse verkauft hat, nur um sie im Nachhinein zu widerrufen.

Aussage von Petterssons Freundin

Am 2. Februar 2007 berichtete die langjährige Freundin Petterssons gegenüber einem Journalisten der Zeitung Aftonbladet, dass Pettersson ihr gegenüber den Mord an Palme gestanden habe. Das Motiv wäre Hilfe für einen Bekannten der wegen Steuerschulden Rache an Palme nehmen wollte. Dabei legte sie 40 Briefe von Pettersson vor.

Die Polizei-Theorie

Die Verwirrungen, die es nach dem Attentat gab, haben viele beeindruckt. Erst der dritte Polizeianruf schien überhaupt eine Wirkung erzielt zu haben und auch danach ging die Kommunikation denkbar schleppend voran. Die Schwedische Presse erfuhr z.B. erst eine Stunde nach den Kollegen in anderen europäischen Ländern von den Vorgängen.

Viele vermuten deswegen eine Involvierung der Polizei, im Speziellen einer rechtsextremistisch geprägten Unterabteilung, für deren Auflösung Palme plädierte. Ob es sich hierbei um eine Verschwörung zwischen Polizei und Geheimdiensten, der Polizei in Kooperation mit weiteren rechtsextremen Gruppen oder einer kleinen Gruppe innerhalb der Polizei handelt, oder die Polizei nur für die Vertuschung zuständig war, ist umstritten.

Rechtsextremistische Motive zur Ermordung gab es allemal, Palme war Sozialdemokrat, der gegen die Apartheid in Südafrika war.

In der entsprechenden Nacht sollen beachtlich viele Menschen mit Funkgeräten unterwegs gewesen sein, unter anderem auch ein einzelner Polizist in einem Polizeiwagen (obwohl doch üblicherweise immer zwei auf Streife gehen) den man unter den Gläubigen der Verschwörung für den wahren Täter hält.

Bestätigt ist das sich während des Attentats mehrere aktenkundige Mitglieder einer rechten Polizeikameradschaft in der Nähe aufhielten.

PKK

Vor seinem Tod wurde Palme von der Partiya Karkerên Kurdistan (PKK, Arbeiterpartei Kurdistans) beschuldigt, einseitig in der Kurdenfrage auf der Seite der Türkei zu stehen. Kurz vor dem Attentat wurde in Stockholm ein Symphatisant der PKK verurteilt, der einen Verräter ermordet hatte. Genügend Motivation für einen Mord.

Der ehemalige PKK-Chef Abdullah Öcalan sagte 1999 hierzu aus, dass er nichts von dem Mord wisse, aber auch eine Beteiligung von PKK-Ausbrechergruppen nicht ausschließe.

Apartheids-Regime

Laut dem ehemaligen Geheimpolizisten des südafrikanischen Apartheids-Regims Eugene de Kock und seinem Vorgänger Dirk Coetzee ging das Attentat von der Geheimpolizei aus. Oberst De Kock und Coetzee leiteten eine berüchtigte Spezialeinheit, die Gegner des Apartheids-Regims mit allen Mitteln ausschalten sollte. Laut Coetzee waren 80 bis 90 Agenten an der Mordplanung beteiligt.

Motivation gab es scheinbar genug: Schweden unterstütze die African National Congress (ANC) mit finanziellen Mitteln. Palme setzte sich vor der UNO für eine scharfe Sanktionierung gegen das südafrikanische Regim ein. Gelder die über die Sozialistische Internationale von Schweden für den Widerstand gegen das Regim geschleust wurden, dienten auch zur Beschaffung von Waffen.

Nur eine Woche vor seiner Ermordung griff Palme die Apartheid massiv an indem er sie mit Hitler und dem Massenmord in den deutschen Konzentrationslagern verglich und weitere Sanktionen forderte.

Ein Söldner namens Anthony White soll letztendlich den Mord begangen haben. Dratzieher war der Spion Craig Williamson, der sich zum Zeitpunkt des Mordes in einem 200m vom Tatort entfernten Gästehaus der Polizei in Schweden befand. Williamson bestreitet eine Beteiligung an dem Attentat, gibt aber zu mehrmals in Schweden gewesen zu sein und sagt über Anthony White “Er war einer meiner besten Soldaten.”[1]

Desweiteren sollen zahlreiche Ultra-Rechte in Schweden von Südafrika aus gefördert worden sein. Der schwedische Rechtsextremist Bertil Wedin nahm an einem Terrorkurs des Apartheids-Regims teil und gibt an für Williamson als Assistent gearbeitet zu haben. Desweiteren sollen sich mehrer schwedische Polizisten, denen Rechtsextremismus nachgesagt wird, vor und nach dem Attentat, natürlich rein privat, in Südafrika aufgehalten haben.

Kritiker bezweifeln den Wahrheitsgehalt der Aussagen. Der sechsfache Mörder de Kock und Coetzee, der einst für das Burenregime Todesschwadronen aufbaute und heute angeblicher Anhänger der Befreiungsbewegung African National Congress (ANC) ist, würden lediglich versuchen sich in dem neuen System zu Rehabilitieren und erhofften sich eine Amnestie von der südafrikanischen Wahrheitskommission.

Finnenspur

Die Polizei tat folgenden Hinweis einer Zeugin, die sich erst 1993 meldete als erfunden ab.

Sie will wenige Minuten vor den Schüssen auf den schwedischen Ministerpräsidenten einen Verdächtigen im Eingang eines Geschäfts am Sveavägen erkannt haben. Sie war mit einer Freundin aus dem Kino gekommen, wollte sich nach der Uhrzeit erkundigen, erkannte in dem Mann ein Mitglied jenes Fitness-Studios , in dem sie selbst trainierte, (andere Quellen sprechen von einem finnischen Schulkameraden) und sprach ihn – weil sie wusste, dass er Finnisch sprach – auch auf Finnisch an. Daraufhin drehte sich der bewaffnete Mann nach Angaben der späteren Zeugin um, verdeckte sein Gesicht, während aus einem Walkie-Talkie, das er mit sich führte, auf finnisch die Anweisung zu vernehmen war, er solle sich unauffällig verhalten.

RAF-Bekenntnis?

Angebliche RAF-Mitglieder bekannten sich zu der Tat, die aus Rache am schwedischen Verhalten bei der Besetzung der deutschen Botschaft in Schweden verübt worden sei. Die Polizei hielt diese Aussagen für unglaubwürdig.

Victor Gunnarsson und die EAP

Gunnarsson soll sich zum Zeitpunkt des Attentats in Stockholmer Café befunden haben, wo er sich gegenüber 3 Frauen als Amerikaner (mit akzentfreiem Schwedisch) ausgab und über Politik sprach, wobei er “Rückenschüsse für Palme” erwähnte.

Victor Gunnarsson wurde zwölf Tage später verhaftet und für eine Woche in Untersuchungshaft gesteckt, musste aber mangels Indizien wieder freigelassen werden. Gunnarsson war ein Rechtsextremist und Mitglied der Europäischen Arbeiterpartei (EAP) (welche von manchen als “LaRoucheSekte” betrachtet wird).

Olof Palme entstammte einer großbürgerlichen und konservativen Familie. Sein Großvater war der Generaldirektor Sven Palme, sein Großonkel der Bankvorstand Henrik Palme. Die Familie seines Vaters, des Generaldirektors Gunnar Palme, stammte aus den Niederlanden; seine Mutter war die deutsch-baltische Elisabeth von Knieriem. Der Historiker Sven Ulric Palme war sein Cousin. In den Jahren 1949 bis 1952 war er mit Jelena Rennerova aus der Tschechoslowakei verheiratet. Am 9. Juni 1956 heiratete Palme die Psychologin Lisbet Beck-Friis; sie hatten drei Söhne.

Während seiner Studienjahre in Stockholm trat er dem Sozialdemokratischen Studentenverein bei, 1952/53 war er Vorsitzender der Schwedischen Hochschülerschaft.

Politische Karriere

1953 wurde er Sekretär des 25 Jahre älteren Ministerpräsidenten Tage Erlander, mit dem sich rasch eine enge Zusammenarbeit entwickelte. 1963 wurde Palme Staatsrat, 1965 Verkehrs- sowie 1967 Bildungsminister und im Oktober 1969 – nach dem Rücktritt Tage Erlanders – Parteivorsitzender und Ministerpräsident.

Palme wirkte an der Umsetzung der Idee von der „starken Gesellschaft“ mit, die Erlanders Reformpolitik der 1950er und 1960er Jahre prägte. Er brachte maßgebliche familienpolitische Reformen auf den Weg, darunter zur Gleichstellung im Berufsleben, zur Kinderbetreuung und zur steuerlichen Gleichstellung der Ehepartner. Nach seinem Amtsantritt als Regierungschef 1969 versuchte Palme, die Politik Erlanders fortzuführen, begegnete aber Problemen. Zum einen erschwerten die Verfassungsreform und die neue parlamentarische Situation nach der Wahl von 1973 eine stabile Zusammenarbeit über die Blockgrenzen hinweg; zum anderen überschatteten wirtschaftliche Probleme, vor allem nach der Ölkrise 1973, die soziale Reformarbeit. Die gewerkschaftliche Forderung nach Einführung von Arbeitnehmerfonds verschärfte die Gegensätze zu den bürgerlichen Parteien.

Die Atomkraftdebatte, in der Palme 1973 den Bau von 24 Atomkraftwerken bis 1990 forderte,[1] entzweite die eigene Partei und brachte neue politische Faktoren ins Spiel (die Umweltpolitik und die grüne Bewegung). Palme trug dazu bei, dass sein alter Schulfreund und Tennispartner Bert Bolin, der ihm bis dahin als Mittelsmann zwischen Politik und Wissenschaft gedient hatte, zum ersten Vorsitzenden des UN-Weltklimarates IPCC wurde. Kritiker sind der Auffassung, dass Palme mit der Förderung von Bolin und dessen These von der Globalen Erwärmung durch Treibhausgase wie z. B. CO2 die Nutzung der Atomkraft populär machen wollte.[2]

Wie kein anderer prägte Palme das Bild Schwedens im Ausland durch seine engagierte Außenpolitik: durch seine harte Kritik am Vietnamkrieg, als UNO-Vermittler im Iran-Irak-Krieg und durch seine internationalen Abrüstungsinitiativen, wie zum Beispiel im Rahmen der Palme-Kommission. Er hatte enge persönliche Beziehungen zu europäischen Politikern wie Willy Brandt und Bruno Kreisky.

Bei der Wahl zum Schwedischen Reichstag 1976 erzielte seine Sozialdemokratische Partei 42,7 Prozent der Stimmen, das schlechteste Ergebnis seit der Wahl 1932. Die bürgerlichen Parteien erreichten gemeinsam eine Mehrheit und regierten das Land zwei Legislaturperioden lang, bis Palme nach der Wahl 1982, bei der die Sozialdemokraten 45,6 Prozent der Stimmen erzielten, an die Macht zurückkehrte. Er blieb Regierungschef bis zu seinem Tod.

Das Attentat

Am Abend des 28. Februar 1986 wurde Palme (damals 59 Jahre alt) in der Innenstadt von Stockholm ermordet (an der Ecke Sveavägen/Tunnelgatan). Er war mit seiner Frau Lisbet ohne Polizeischutz auf dem Heimweg von einem Kinobesuch (im Kino Grand, wo er sich die schwedische Filmkomödie Bröderna Mozart [dt. „Die Gebrüder Mozart“] von Suzanne Osten angesehen hatte), als er aus nächster Nähe angeschossen wurde. Obwohl er sehr schnell in ein Krankenhaus gebracht wurde, starb Palme dort und wurde kurz nach Mitternacht für tot erklärt. Seine Frau erlitt leichte Verletzungen. Am Tatort erinnert eine Gedenktafel an den Mord.

Einem Passanten gelang es zunächst, den Attentäter zu verfolgen, er verlor ihn jedoch. Der nun folgende Polizeieinsatz startete schleppend. Der damalige Stockholmer Polizeichef Hans Holmér verwickelte sich in Widersprüche. Er gab beispielsweise an, zum Zeitpunkt des Attentats in einem Hotel in Borlänge genächtigt zu haben, obwohl er dort nie gewesen war. Holmérs Buch „Tod in Stockholm – Der Mordfall Olof Palme“ wurde vom Autor nach heftigen Anfeindungen zurückgezogen; unter anderem kam die Vermutung auf, der schwedische Geheimdienst Säpo sei von Rechtsextremisten unterwandert, habe die Ermittlungen verschleppt oder sei sogar selbst in das Attentat verwickelt. Auf letztere Vermutung weisen unter anderem Mitschnitte des Funkverkehrs in der Nacht des 28. Februar 1986 hin.

Die Suche nach dem Täter kam auch deshalb nur äußerst zögerlich in Gang, weil die Stockholmer Stadtpolizei und der Säpo sich zunächst lange um die Zuständigkeit stritten. Überdies ging die Polizei Hinweisen einer Zeugin nicht nach, die wenige Minuten vor den Schüssen auf den schwedischen Ministerpräsidenten einen Verdächtigen im Eingang eines Geschäfts am Sveavägen erkannt haben wollte. Sie war mit einer Freundin unterwegs, wollte sich nach der Uhrzeit erkundigen, erkannte in dem Mann ein Mitglied jenes Fitness-Studios, in dem sie selbst trainierte, und sprach ihn – weil sie wusste, dass er Finnisch sprach – auch auf Finnisch an. Daraufhin drehte sich der Mann nach Angaben der Zeugin um, verdeckte sein Gesicht, während aus einem Walkie-Talkie, das er mit sich führte, auf Finnisch die Anweisung zu vernehmen war, er solle sich unauffällig verhalten.[3] Laut dem schwedischen Journalisten Sven Anér handelt es sich dabei um den damaligen Polizeibeamten und späteren schwedischen Abgeordneten Anti Avsan. Avsan ist allerdings estnischer und nicht finnischer Herkunft.[4]

Auf Nachlässigkeiten bei den Ermittlungen deutet auch hin, dass die beiden Patronenhülsen nicht von der Polizei, sondern von Passanten gefunden wurden. Angebliche RAF-Mitglieder bekannten sich zu der Tat; sie sei aus Rache für das schwedische Verhalten bei der Geiselnahme von Stockholm (24. April 1975) verübt worden. Die Polizei hielt diese Aussagen für unglaubwürdig.

Zunächst wurde auch die PKK verdächtigt. Eine Spur führte nach Südafrika. Das dortige Apartheid-Regime, gegen das sich Palme wiederholt und engagiert ausgesprochen hatte, wurde verdächtigt, die Ermordung Palmes in Auftrag gegeben zu haben. Genährt wurde diese These durch Geständnisse ehemaliger südafrikanischer Geheimagenten in den 1990er Jahren. Darüber hinaus gab die schwedische Polizei zu, dass sich zum Zeitpunkt des Attentats tatsächlich ein südafrikanischer Geheimagent in Stockholm aufhielt[5]. Auch Palmes entschiedene Gegnerschaft zum Vietnamkrieg der USA wurde als möglicher Hintergrund in Erwägung gezogen. In diesem Zusammenhang hatte der Ministerpräsident für Schlagzeilen gesorgt, indem er die US-Angriffe auf Nordvietnam mit NS-Verbrechen verglich.

Fast drei Jahre machte die Polizei bei der Suche nach Palmes Mörder keine entscheidenden Fortschritte. Ende 1988 präsentierten die Fahndungsbehörden der Öffentlichkeit einen Tatverdächtigen, der gut ins Bild zu passen schien: den vorbestraften und drogenabhängigen Christer Pettersson. Er war kurz nach dem Attentat vernommen worden. Jetzt aber hatte sich sein Alibi für die Tatnacht als falsch erwiesen. 1989 wurde Pettersson in zweiter Instanz mangels Beweisen wieder freigesprochen.

 

 

 

 

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