Ist Wirecard eine Geheimdienstaffäre? – ein Beitrag von Alexandra Bader

(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});
(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});
Werbung

 

Passend zu meinem letzten Video hat Alexandra Bader einen Artikel verfasst der in die ähnliche Kerbe schlägt.

Hier nochmals mein Artikel zur Geheimdienstspur des Jan Marsalek, sprich MI6, Mossad und vor allem der FSB:

 

Gastartikel von Alexandra Bader:
Quelle: https://alexandrabader.wordpress.com/2021/06/16/ist-wirecard-eine-geheimdienstaffare/

Ist Wirecard eine Front des russischen Geheimdiensts oder dockten Jan Marsalek und Markus Braun in Österreich bei diesem an? Beides schliesst sich nicht aus, sondern ergänzt sich durchaus. Die Szene hierzulande bietet ausserdem wegen der Durchdringung mit Handlangern und Agenten Russlands ein ideales Biotop, um respektabel zu erscheinen. Gerade macht Furore, dass Marsalek dem BND zufolge über die Österreichisch-russische Freundschaftsgesellschaft Kontakt zu russischen Geheimdiensten aufnahm. Er sei in einem Komplex in einem Moskauer Vorort untergebracht, in dem Putin 1998 als Chef des FSB ein Trainingscenter für Special Operations einrichtete. Marsalek stehe unter dem Schutz des Militärgeheimdienstes GRU, der das Ende der Sowjetunion unbeschadet überstand und sich auch im Schlepptau des Oligarchen Oleg Deripaska befindet.

In Österreich hatte es nicht überraschend so gut wie keine Konsequenzen, was bei Wirecard so alles enthüllt wurde, obwohl/weil kürzlich auch die Doku „Die Milliardenlüge“ zeigte, was Whistleblower erkannten und mit welchen (Russen?) Mafia-Methoden sie bekämpft wurden. Die ORFG wählte ein neues Präsidium und ist nicht mehr so politisch besetzt; man versucht wohl, nach dem Wirecard-Rampenlicht unter dem Radar zu fliegen. Man kann daher auch ihrer Webseite weniger Infos entnehmen als bis zum letzten Sommer, als ich diesen Artikel verfasst habe. Es ist mehr als ein Zufall, dass zwei der Proponenten eines neuen Volksbegehrens „gegen“ Korruption, der Verfassungsjurist Heinz Mayer und der Abgeordnete Michael Ikrath, für den Anwalt Gabriel Lansky arbeiten, den man im ORFG-Vorstand fand.

Medienbericht 2020

Österreichs Medien steigen nicht gerade enthusiastisch auf Meldungen zu Wirecard ein, sondern geben diese bloss wieder. Dabei ist es an Brisanz kaum zu überbieten, dass zumindest die ORFG ein Tool des russischen Geheimdienstes ist, wenn dies nicht auch auf Sponsoren wie Wirecard, Magna, Strabag, Signa, Novomatic zutrifft und natürlich auf all jene, die – manchmal vielleicht wirklich unbedarft – in der ORFG aktiv sind. Anhand der deutschen Debatte z.B. auf Twitter erkennt man, dass die Probleme ähnlich gelagert sind: Politik, Justiz, Finanzaufsicht und vielfach auch Medien versagen – nicht ohne Grund vermuten einige, dass die Organisierte Kriminalität längst ganz oben angekommen ist. Immerhin werden auch in Österreich Wirecard-Verfahren stattfinden, da Markus Braun hierzulande Immobilienbesitz hat und zivilrechtliche Schadenersatzansprüche angemeldet werden.

Aus einem russischen Bericht

Bei den internationalen Wirecard-Schlagzeilen, die Österreich macht, gibt es viel zu sagen. Denn es ist ein auch in die Politik geknüpftes Netzwerk im Spiel, das mit Oligarchen, Mafia und Geheimdiensten zu tun hat. Mehr zu einzelnen Knotenpunkten hier; jedenfalls können einige Menschen gut nachvollziehen, wie es Aufdeckern innerhalb von Wirecard erging, die auch bloss Missstände abstellen wollten. Der Screenshot unten zeigt das Präsidium der ORFG vor einem Jahr: Richard Schenz war OMV-Chef und ist Präsident der Österreichisch-kasachischen Gesellschaft, in der wir auch Lansky und Karlheinz Kopf finden. Christoph Matznetter ist wie Schenz mit Lansky verbunden und Abgeordneter der SPÖ; er gehört dem Ibiza-U-Ausschuss und der Austrian Chinese Business Association an. Gerhard Gritzner von der Strabag ist nicht mehr dabei, weil offenbar das Sponsoring des Konzerns und Mitarbeiter als ORFG-Funktionäre keine so günstige Publicity waren. Johannes Hübner war einer von mehreren FPÖ-Vertretern; über ihn wurde eingefädelt, dass das SPÖ-geführte Verteidigungsministerium gemeinsam mit der Novomatic den Blauen ein sicherheitspolitisches Institut finanziert. Auch die ILAG mit Ex-Vizekanzler Michael Spindelegger im Aufsichtsrat zeigte sich spendabel; bei Spindelegger muss man an den Oligarchen Dmytro Firtash denken, der über Marsalek ein Konto bei Wirecard bekam und mit dessen von Raiffeisen geleasten und von der Avcon Jet betreuten Flugzeug Marsalek nach Russland floh.

Screenshot von der alten ORFG-Webseite

Gustav Gustenau gehörte zu Marsaleks Kontaktpersonen; er bereitete in der Direktion für Sicherheitspolitik im Verteidigungsministerium den Nationalen Sicherheitsrat vor. D.h. er entschied, welche Dokumente der Nachrichtendienste Mitglieder des Gremiums zu sehen bekommen. Ausserdem gehörte Gustenau wie Wolfgang Schüssel zu jenen Personen, die sich 2017 mit Marsalek in München trafen, wo dieser auch eine Villa verwendete. Gustenau betrachtet sich als ethischen Menschen und betreibt mit seiner Frau die Firma Greifnet. Eine Anfrage der Grünen mit zahlreichen Punkten fragte auch nach einer Sicherheitsüberprüfung Gustenaus, dem wiederholt Unbedenklichkeit bescheinigt wurde. Das will jedoch nichts heissen, weil man den Kabinettschef von 2007 bis 2016 Stefan Kammerhofer auch nicht überprüft hatte, der immerhin illegal Minister spielte, was auf fremde Interessen hinweist. Der Screenshot aus der Anfragebeantwortung macht auch deutlich, dass Gustenau schon sehr lange vor Ort ist, also auch die Regierungen Schüssel aktiv erlebt hat, die im Rückblick auch nach russischem Einfluss aussehen. 2018 wurde der pensionierte Offizier Martin Möller festgenommen, weil er viele Jahre für die GRU tätig gewesen sein soll; er war bedeutender, als man in Österreich wahrhaben wollte.

Aus der Anfragebeantwortung des BMLV

Nach der Hausdurchsuchung beim Verfassungsschutz im Februar 2018, welche die Korruptionsstaatsanwaltschaft vornehmen liess, ging es bald auch um die Einschätzung Österreichs im Berner Club. Einem Gerücht zufolge bestand das Problem weniger aus Innenminister Herbert Kickl bzw. den Ermittlungen als vielmehr aus Heinz Christian Strache, Johann Gudenus, Gustav Gustenau und Ewald Iby, dem im November 2019 plötzlich verstorbenem Vizechef des Abwehramtes. Über Gustenau haben wir schon einiges erfahren; Strache und Gudenus waren sehr Russland-affin (Gudenus auch via ORFG) und Iby war teilweise auch interimistischer Chef des Abwehramtes. Er wurde puncto Eurofighter für laxe Überprüfungen kritisiert, die doch NATO-Standard haben müssten und dafür verantwortlich, dass das Abwehramt den Befehlshaber des Heeres Minister Norbert Darabos nicht schützte. Iby sprach kryptisch von Kräften, gegen die man keine Chance habe (GRU? SWR? Russenmafia?) und wies darauf hin, dass auch Landeshauptmann Hans Niessl Darabos im Stich liess, dem er seinen ersten Wahlsieg verdankte. Freilich gibt es auch bei Niessl und dessen Nachfolger Hans Peter Doskozil eine Oligarchen-Connection, weil sie an das gesamte Netzwerk angebunden sind.

Martin Müller ist enttarnt

Wir sehen oben einen klassischen Limited Hangout, da erst aufgrund britischer Hinweise Oberst Martin Möller festgenommen werden musste; beim Abwehramt war man darum bemüht, seinen Kopf wieder aus der Schlinge zu ziehen. Während die Affäre in Österreich heruntergespielt wurde, ergaben internationale Recherchen, dass Möller keineswegs unwichtig war. Als sich die Justiz in einem Prozess unter strengen Sicherheitsvorkehrungen seine Zeit im BMLV ansah, wollte sie nicht wahrhaben, dass in den letzten sechs Jahren ein Minister (Darabos) abgeschottet, überwacht, bedroht wurde, die Befehlskette also gekapert wurde. Wenn es um den Innenminister von Dezember 2017 bis Mai 2019 Herbert Kickl geht, so wollte auch er mit Wirecard kooperieren. Und warum brachte er die Tochter von Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer beim Verfassungsschutz unter, die ja bei dem Vater kaum eine wirkliche Sicherheitsüberprüfung bestehen kann? Und er engagierte den Wirecard-Lobbyisten und früheren deutschen Geheimdienstkoordinator Klaus Dieter Fritsche für Reformpläne beim BVT. Es ist interessant, dass man bei der CIA offenbar weitgehend dem medialen Narrativ folgt, das bei Wirecard-Connections die Rolle der FPÖ betont.

Fabio De Masi zu Wirecard

Der in den USA wegen Bankenbetrugs Angeklagte Ray Akhavan behauptet, er sollte für Wirecard Kontakt zu ehemaligen CIA-Agenten gesucht haben. Für uns ist von Interesse, dass Martin W., der Marsalek dann auch bei seiner Flucht half, 2017 als eine Art Sicherheitschef von Wirecard angeheuert wurde. Dies erinnert an den ehemaligen Polizisten Franz Schnabl als Sicherheitschef von Magna, der auch daran mitwirkte, den Putin-Berater Walentin Jumaschew einzubürgern. Damit sind wir wieder beim FSB, Putin und dem Jahr 1998, als Jumaschew die Präsidentschaftskanzlei von Boris Jelzin leitete. Er half Putin, zu Jelzins Nachfolger zu werden und wurde sowohl Jelzins Schwiegersohn als auch Oleg Deripaskas Schwiegervater. Sieht man sich die Berichterstattung an, so scheinen alle auf den schillernden Marsalek fixiert und blenden Markus Braun aus. Deshalb sei an dieser Stelle wieder einmal auf Zusammenhänge verwiesen. Es ist bekannt, dass Braun zuerst die NEOS und dann die ÖVP unterstützte; er gehörte auch dem Think Tank; von Sebastian Kurz an. Braun ist Nachbar von Alexander Schütz, einem ÖVP-Unterstützer, der als Vermieter von Dmytro Firtash fungiert. Im Jahr 2016 diskutierte Braun u.a. mit dem damaligen ÖBB-Chef Christian Kern; das dabei entstandene Foto ist geradezu prophetisch.

Kern, Bierwirth, Braun, Zadrazil

Kern wurde bekanntlich im Mai 2016 Bundeskanzler und hatte da einen Vertrag als CEO von RHI dank Martin Schlaff in der Tasche. Bei den ÖBB brachte er die Zusammenarbeit mit Wirecard auf Schiene, an der auch Marsalek beteiligt war. Andreas Bierwirth ist CEO von T-Mobile und Aufsichtsrat der Avcon Jet, mit der Marsalek im Juni 2020 geflohen ist. Robert Zadrazil ist Aufsichtsratsvorsitzender der Kontrollbank, von der Marsalek 20 Millionen an Steuergeld für sein gescheitertes Libyen-Abenteuer erhielt. Rene Benko kommunizierte mit Braun, dessen Signa der grösste Kunde von TPA ist, dem Prüfer von Wirecard CEE in Graz und sowohl der Pleite gegangenen Commerzialbank als auch von deren Mehrheitseigentümern. Der Ibiza-Detektiv Julian H. hatte nicht nur ein Konto bei Wirecard, er traf auch Jan Marsalek. Aufsichtsratsvorsitzender bei Wirecard ist Thomas Eichelmann, der diese Position zuvor bei Hochtief innehatte; an Hochtief ist Oligarch Deripaska beteiligt. Sein Stellvertreter Stefan Klestil ist der Stiefsohn der ehemaligen österreichischen Botschafterin in Russland, Margot Klestil-Löffler. Eichelmann arbeitete einmal für Roland Berger, mit dem ihn eine Vergangenheit bei der Boston Consulting Group verbindet; auch Klestil war für Berger tätig, der wiederum bei Benko investierte. Wenn wir noch einmal zum BVT zurückkehren, wurde bisher dessen Entstehungsgeschichte ausgeblendet mit Innenminister Ernst Strasser als Gründer, der Präsident der ORFG war und Geschäfte mit Russland machte.

Eine falsche Spur?

Die per Tweet verlinkte Podcast-Serie der „Süddeutschen Zeitung“ ist spannend gemacht, doch nicht alles erscheint plausibel. Wenn man Wirecard von jenem Umfeld her angeht, in dem sich Marsalek und Braun in Österreich bewegte (und auch an TPA und Klestil denkt), ist die CIA kein allzu wahrscheinlicher Kandidat. Im Podcast wird auch gerätselt, ob es Wirtschaftskriminalität oder Spionageaffäre ist; doch man kann z.B. bei Oligarchen ökonomische und geheimdienstliche Motive nicht so klar trennen. Nicht von ungefähr haben einige der in den Fincen Files genannten Personen Verbindungen zu Österreich; nicht ohne Grund wird Putin seinem Berater Jumaschew die Staatsbürgerschaft beschafft haben. Bei der SZ fällt auf, dass Marsalek zwar geheimdienst-affin beschrieben wird, zugleich die Anbindung von Markus Braun an das Bundeskanzleramt und indirekt an Dmytro Firtash ignoriert wird. Auch der direkte Bezug von Marsalek zu Firtash spielt keine Rolle, ebenso wenig wie Brauns Andocken bei Novomatic und Signa über persönliche Kontakte. Schon vor einem Jahr wurde berichtet, dass Marsalek in Chats mit Geheimdienstkontakten geprahlt habe, es um Mossad und CIA ging (kein sehr konspiratives Verhalten). Die Wirklichkeit ist oft komplex: ein vermeintlicher Aufdecker wurde in den 1980er Jahren der Stasi zugeordnet, ihn schützten einflussreiche Männer, die vom KGB angeworben wurden; später soll er für die CIA tätig gewesen sein. Oder: via Österreich wurde Airbus attackiert, man wandte sich auch an die US-Justiz, vielleicht wegen der Konkurrenz zu Boeing. Tatsächlich diente dies russisch-chinesischen Interessen, weil ein eigener Passagierjet auf den von Airbus und Boeing dominierten Markt gebracht wird.

PS: Weil ich mich seit Jahren mit solchen Hintergründen befasse, wird mir sehr zugesetzt. Ich freue mich daher über eure Unterstützung und den Austausch mit euch und bin unter 066499809540 erreichbar. Weil „Zusetzen“ auch bedeutet, mich zu treffen, bedanke ich mich auch für eure finanzielle Unterstützung unter Alexandra Bader, Erste Bank, AT 592011100032875894 BIC GIBAATWWXXX vielen Dank!

 

Bitte unterstützen Sie unsere Freie- und unabhängige Medienarbeit
https://outoftheboxmedia.tv/unterstuetzung/