Forocredit: Bild: APA/Schlager

Anschober tritt zurück

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) tritt zurück: Das gab er am Dienstag in einer „persönlichen Erklärung“ bekannt. Anschober war in der Vorwoche wegen einer Krankheit ausgefallen. Es wurden da bereits Spekulationen über einen möglichen Rücktritt laut. Bezüglich seiner Nachfolge wird eine rasche Entscheidung erwartet. Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) kündigte ein Statement für die Mittagszeit an.

Quellen zu den Inhalten im obrigen Video:

Event201 Model Desc

Finance Fact Sheet 191009

 

Therockefellerfoundation Executivesummary 7 20

Rockefeller Foundation 1

 

Event 201 und die Verbindung zu Skull &Bones – Alles nur Verschwörungstheorie?

 

 

 

Er habe in den vergangenen 14 Monaten versucht, alles zu geben. Er durfte die Hauptverantwortung tragen. Ohne einen einzigen freien Tag habe er sich seit einigen Wochen „offensichtlich überarbeitet“ gefühlt: Er sei nicht „mehr vollfit“, habe zunehmend Kreislaufprobleme, steigenden Blutdruck und Zuckerwerte sowie beginnenden Tinnitus. Vor vier Wochen habe er einen ersten Kreislaufkollaps gehabt, vergangene Woche einen zweiten.

Nachdem er keine organischen Schäden davongetragen hatte, wollte er es nach dem ersten Kollaps noch einmal versuchen, schilderte Anschober. „Ich habe gemerkt, da muss ich jetzt für mich eine Notbremse ziehen.“ Ein Burn-out wie vor mehreren Jahren habe er diesmal nicht, betonte Anschober. „Ich bin überarbeitet und ausgepowert – das ist es.“

Persönliche Erklärung von Gesundheitsminister Anschober, 13.4.2021

Die Republik brauche in dieser Gesundheitskrise einen Gesundheitsminister, der zu 100 Prozent fit ist. Das sei er selbst nicht und werde es in den nächsten Wochen auch nicht werden. Die Pandemie mache keine Pause, deshalb könne auch der Gesundheitsminister keine Pause machen.

Verweis auf geleistete Arbeit

Anschober verwies zu Beginn seiner Pressekonferenz auf die zentralen Punkte seiner Arbeit abseits der Pandemiebekämpfung. Man habe vieles geplant, vieles in Angriff genommen. So sei eine große Pflegereform vorbereitet, neue Regeln für eine Lebensmittelkennzeichnung seien in Umsetzung, auch beim Tierschutz bringe man einiges auf den Weg.

Die größte Gesundheitskrise durch die Pandemie habe dann aber vielfach Belastung und Überlastung im Gesundheitsministerium gebracht. Das sei auch in vielen anderen Ländern der EU so, sagte Anschober und verwies darauf, dass etliche Gesundheitsminister bereits das Handtuch geworfen hätten.

„Niemand ist fehlerlos“

Man habe das Ministerium „krisenfit und zukunftssicher“ gemacht, mit Teamarbeit einen Krisenstab und eine Organisationsreform geschaffen. Das Ministerium sei das Steuerungszentrum zur Bekämpfung der Pandemie. Im „Neuland“ Pandemie „ist niemand fehlerlos“. Trotz Fehlern sei vieles richtig gemacht worden, zeigte sich der scheidende Minister überzeugt. Beim Testen sei man weltweit führend, auch das Impfen laufe besser, als das oft wahrgenommen werde.

Anschober sprach aber auch kritische Punkte seiner Arbeit an. Erfolge habe es dann gegeben, wenn man zusammengehalten habe. Das sei in der zweiten Welle nicht mehr immer so gewesen – und auch jetzt im Frühjahr nicht. Es habe auch einen „Schuss Populismus“ und einen „Schuss Parteitaktik“ gegeben. Er sei auch bedroht worden, seit November stehe er unter Polizeischutz. Auch das habe Energie gekostet.

Gesundheitliche Probleme

Die gegenwärtige Druck-Situation erfordere, dass Anschober 100 Prozent gebe – was ihm derzeit gesundheitlich nicht möglich sei, hatte der „Kurier“ Vertraute des Ministers schon in der Früh zitiert. Denn Anschober hatte zuletzt erneut mit Kreislaufproblemen zu kämpfen, wie Vizekanzler Kogler, der Anschober in der letzten Woche vertreten hatte, bestätigte.

Im Interview mit Oe24.tv hatte der Grünen-Chef am Donnerstagabend gesagt: „Er (Anschober, Anm.) hat nochmals eine Untersuchung im Krankenhaus gemacht. Er hatte Kreislaufprobleme – mehr will ich aber nicht dazu sagen“, so Kogler. „Ich habe gerade gesmst und ich bin auch telefonisch mit ihm in Kontakt, er wird in den nächsten Tagen wieder da sein.“

Schon im März im Krankenstand

Anschober befand sich seit letzter Woche im Krankenstand. Am Freitag hatte es aus Anschobers Büro geheißen, dass der Gesundheitsminister diese Woche wieder seinen Dienst aufnehmen werde. Auch Rücktrittsspekulationen war das Büro entgegengetreten.

Die Erkrankung des Ministers sorgte deswegen für Gesprächsstoff, weil Anschober bereits Anfang März rund eine Woche krankheitsbedingt ausgefallen war und sich auch damals wegen einer Kreislaufschwäche für eine Woche zu einem Check in Spitalsbeobachtung begeben hatte. Anschobers Gesundheitszustand war auch deshalb ein Thema, weil er vor acht Jahren eine Burn-out-Erkrankung mit monatelanger Auszeit überstehen musste.

Spekulation über Nachfolge

Schon in der Früh machten Spekulationen die Runde, wer Anschober nachfolgen könnte. Als wahrscheinlichster Kandidat gilt der Mediziner und Ärztekammer-Funktionär Wolfgang Mückstein, wie die APA aus Regierungskreisen erfuhr. Er ist einer der Leiter des Primärversorgungszentrums im sechsten Wiener Gemeindebezirk. In der Wiener Ärztekammer fungiert der Mitvierziger als Referent für Gruppenpraxen und neue Organisationsformen.

Häufig als Nachfolgekandidatin genannt, unter anderem vom „Standard“, wurde zuvor Sigrid Pilz, Patientenanwältin der Stadt Wien und ehemalige grüne Gemeinderatsabgeordnete. Mit dem ehemaligen Grünen Peter Pilz ist sie nicht verwandt. Laut ORF sagte sie aber schon ab.

Auch über Stefan Wallner, Ex-Bundesgeschäftsführer der Grünen und nunmehr Generalsekretär im Sozialministerium von Anschober, sei diskutiert worden. Martina Berthold, grüne Stadträtin in Salzburg, wurde ebenfalls genannt.

Er habe seit 14 Monaten praktisch durchgearbeitet, und „ich hab mich dabei ganz offensichtlich überarbeitet“, erklärte Anschober mit brüchiger Stimme in einer rund halbstündigen Pressekonferenz Dienstagvormittag im Ministerium. Zunehmend sei ihm die Kraft ausgegangen, als Folgen seiner Überlastung habe er mit Kreislaufproblemen, steigendem Blutdruck, Probleme mit dem Blutzuckerspiegel und einem beginnenden Tinnitus zu kämpfen gehabt. Vor einem Monat hatte Anschober den ersten Kreislaufkollaps, über den er auch offen gesprochen habe, denn „für Erkrankungen braucht sich niemand schämen“.

Notbremse gezogen

Nachdem er keine organischen Schäden davongetragen hatte, wollte er es noch einmal versuchen, schilderte Anschober. Der zweite Kollaps folgte jedoch vergangenen Dienstagmorgen. „Ich hab gemerkt, da muss ich jetzt für mich eine Notbremse ziehen.“ Ein Burnout wie vor mehreren Jahren habe er diesmal nicht, betonte Anschober. „Ich bin überarbeitet und ausgepowert – das ist es.“

Pause nicht möglich

Die Ärzte hätten ihm zur Schonung und einer Auszeit geraten, und er sei auch der Meinung, dass dies grundsätzlich in jedem Beruf möglich sein müsste – aber in der Corona-Pandemie sei man eben nicht in einer normalen Situation. Die Pandemie mache keine Pause, deshalb könne auch der Minister keine Pause machen. Da er sich selbst kenne, wisse er auch, dass er stets 100 Prozent Leistung bringen wolle, auch wenn er nur zur Hälfte fit sei.

»Ich habe mich da sehr oft sehr alleine gefühlt«

Zunahme der Aggressivität als besondere Belastung

Als besonders belastend wertete Anschober, der seit November unter Polizeischutz steht, die „Zunahme der Aggressivität“ eines kleinen Teils der Bevölkerung ab der zweiten Infektionswelle im vorigen Herbst. Damals habe man „gerade noch rechtzeitig die Notbremse gezogen“. In der dritten Welle hätten die Interessenskonflikte dann immer stärker zugenommen, beklagte Anschober und zeigte sich froh, dass ihm noch gelungen sei, die Öffnung der Gastgärten „mit aller Kraft“ zu verhindern. „Ich habe mich da sehr oft sehr alleine gefühlt“, so der Minister, der an dieser Stelle explizit dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) dankte, die ÖVP aber mit keinem Wort erwähnte.

Montag kommt NachfolgerIn

Er habe sich deshalb entschlossen, seine Funktion als Minister niederzulegen und Bundespräsident Alexander Van der Bellen gebeten, ihn mit kommendem Montag zu entbinden und einen Nachfolger anzugeloben. Bis dahin werde er von Kogler vertreten. Er wolle nun eine gute Übergabe sicherstellen, betonte Anschober.

Keine Pläne – aber politischer Roman als Traum

Für die Zeit nach seiner Erholung habe er „noch keine konkreten Pläne“. Er werde sein Wissen und seine Kompetenz aus jahrelanger Regierungstätigkeit – Anschober war früher Landesrat in Oberösterreich – weitergeben. Auch wolle er „irgendwann“ seinen Traum erfüllen und einen politischen Roman schreiben. Dafür habe er in seiner Zeit als Minister wohl „die eine oder andere Inspirationsquelle“ gefunden.

Danksagungen mit Tränen

Am Ende seines emotionalen Statements bedankte sich Anschober mit den Tränen kämpfend bei seiner Partnerin, seinen Mitarbeitern, dem grünen Regierungsteam und dem grünen Klub sowie Werner Kogler, „meinem Freund“. Dank sprach Anschober auch all jenen Menschen aus, die ihm Mails, Briefe, Blumen und Mehlspeisen geschickt haben. „Und Ihnen sag‘ ich Auf Wiedersehen“, verabschiedete sich Anschober bei den Journalisten und verließ unter Applaus seiner Mitarbeiter den Saal. Fragen waren nicht zugelassen.

Bilanz gezogen

In seiner Rücktrittsrede zog er Bilanz und lobte stets die gute Teamarbeit im Gesundheitsministerium. Man habe das Ministerium zu einem Steuerungszentrum gemacht.
Auch auf die Weisungen und Verordnungen ging er ein. Einvernehmlich hätte er es stets gestalten wollen zwischen Bund und Ländern. Das sei in diesen Zeiten, seiner Meinung nach, sehr wichtig.

Anschober 2
© APA/SchlagerRudolf Anschober tritt als Gesundheitsminister zurück

Um diesen Konsens zu schaffen, seien aber natürlich auch erhebliche Mühen entstanden. Auch Parteitaktik und Populismus haben eine Rolle gespielt. Trotz Fehler glaube Anschober aber, dass auch vieles in Österreich in Sachen Pandemiebekämpfung richtig gemacht wurde, wobei er vor allem das Testen, aber auch das Impfen hervorhob.

Anschober sieht vier Problemfelder für die Zukunft

Er appelliert an alle, die in Zukunft Verantwortung tragen werden, die Pandemie nicht zu unterschätzen. Als Problemfelder nannte er die Mutationen, Menschen, die nach wie vor nicht testen gehen würden, die nicht impfen wollen und das Phänomen von Long-Covid, das seiner Meinung nach in Österreich noch viel zu wenig beleuchtet würde.

Dritter Rücktritt unter Türkis-Grün

Mit dem Rücktritt von Anschober verliert die im Jänner des Vorjahres angelobte Regierung bereits ihr drittes Mitglied. Davor waren bereit Kultur-Staatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) sowie Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) abgetreten. Allein schon aufgrund seiner Funktion als Gesundheitsminister in einer Pandemie ist der Rückzug Anschobers das bisher bedeutendste Ausscheiden.

Van der Bellen dankt für „unermüdliche Arbeit“

Die „unermüdliche Arbeit“ des scheidenden Gesundheitsministers „in dieser so unendlich schwierigen und belastenden Zeit der Pandemie“ würdigte Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Van der Bellen dankte Anschober via Twitter „im Namen der Republik und auch ganz persönlich“ für seinen Einsatz. Er wünschte dem Minister rasche Erholung und alles Gute für die Zukunft.

»Er hat sich in den vergangenen 16 Monaten für unser Land aufgeopfert «

Kurz wünscht schnelle Erholung

„Er hat sich in den vergangenen 16 Monaten für unser Land aufgeopfert sowie als Gesundheitsminister seine gesamte Energie in die Bekämpfung der Corona-Pandemie gesteckt“, anerkannte Kanzler Sebastian Kurz – unter Hinweis auf nächtelange Sitzungen und „teils auch schwierige Verhandlungen“ mit Anschober, „mit wie viel Engagement er seine Aufgabe“ wahrgenommen habe. Von Beginn an habe er seine zentrale Funktion im Corona-Management „mit sehr großer Verantwortung ausgeübt“. Anschobers Rücktritt zeige, „dass die Pandemie nicht nur für jeden Einzelnen in der Bevölkerung eine Belastung ist, sondern auch für einen politisch Verantwortlichen, der Tag und Nacht im Einsatz ist und Entscheidungen treffen muss“, dankte Kurz dem scheidenden Minister „im Namen der Bundesregierung, aber auch ganz persönlich“ – und wünschte schnelle gesundheitliche Erholung.

Rendi-Wagner: Respekt für „schwierige Entscheidung“

Dies tat auch SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Sie zollte Anschober „großen Respekt“ für seine „schwierige Entscheidung“ – und dankte ihm für seinen Einsatz in den „sehr herausfordernden 14 Monaten“. Außerdem wünschte sie ihm – per Twitter – „von Herzen gute Besserung und persönlich alles Gute für Deine Zukunft“.

Hofer nutzt Gelegenheit für Kritik

FPÖ-Parteichef Norbert Hofer wünschte Anschober zwar „für seine Zukunft privat und gesundheitlich alles Gute“ – nützte die Gelegenheit aber, um noch einmal scharfe Kritik anzubringen. Anschober sei „nicht die richtige Besetzung“ für das Gesundheitsministerium gewesen und sein Rücktritt „die logische Konsequenz“ aus „erheblichen Fehlentscheidungen“, „vielen Pannen“ (z.B. vom VfGH aufgehobene Corona-Verordnungen) und Überforderung bei der Impfstoffbeschaffung. Und Hofer hielte, wie er in einer Aussendung anmerkte, den Rücktritt der gesamten Regierung für angebracht.

Entscheidung für Meinl-Reisinger „Mahnung für Achtsamkeit gegenüber einem selbst“

„Großen Respekt vor der Entscheidung von Rudolf Anschober“, bekundete NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger und wünschte „ihm persönlich alles Gute“. Seine Entscheidung sei „eine Mahnung für Achtsamkeit gegenüber einem selbst aber auch einander gegenüber“ – und auch eine „gute Entscheidung für Österreich“. Denn es brauche „Handlungsfähigkeit und Entscheidungsstärke und einen dringenden Neustart im Pandemie-Management“. Als „große Leserin“ freute sich Meinl-Reisinger, wie sie in einer Pressekonferenz sagte, auch auf den angekündigten Roman.

 

Bitte unterstützen Sie unsere Freie- und unabhängige Medienarbeit
(sofern Sie können) 

https://outoftheboxmedia.tv/unterstuetzung/

Von Manuel Cornelius Mittas

Freier Journalist, Video-Reporter, Mediengestalter, DJ & Musiker,

%d Bloggern gefällt das: