Können einzelne Banken Geld aus dem Nichts schaffen? –
Die Theorien und der empirische Beweis
von Richard A. Werner
freie Übersetzung – englisches Original erschienen im International Review of Financial Analysis 36 (2014)

Online: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1057521914001070
Vorbemerkung der Übersetzer
Die ehrenamtlichen Übersetzer weisen darauf hin, dass sich die Übersetzung aufgrund der speziellen Fachbegriffe zum Teil
schwierig gestaltete. Auf jeden Fall haben die Übersetzer nach bestem Wissen und Gewissen versucht, die Aussagen der
Studie von Prof. Richard Werner korrekt wiederzugeben. Sollten sich Satzkonstruktionen auf Deutsch teilweise holprig
lesen, so ist das dem Umstand geschuldet, dass man sich um eine wortgetreue Übersetzung bemüht hat, wo immer das
möglich war.
Von einer Übersetzung der Fußnoten wurde abgesehen. Für die Fußnoten ebenso wie bei Zweifeln an der Korrektheit der
verwendeten deutschen Begrifflichkeiten sei auf die englische Originalfassung verwiesen.
Zusammenfassung
Diese Studie präsentiert den ersten empirischen Beweis in der Geschichte zur Frage, ob Banken Geld aus
dem Nichts schaffen können. Die Bankenkrise hat das Interesse an diesem Thema wieder neu aufleben
lassen, aber die Frage blieb ungeklärt. Die Fachliteratur kennt drei Hypothesen. Nach der
Finanzintermediär-Theorie sind Banken lediglich Vermittler wie andere Finanzinstitutionen, die keine
Banken sind; demnach sammeln sie Einlagen, welche dann verliehen werden. Nach der TeilreserveTheorie sind Banken bloße Finanzvermittler, die individuell betrachtet nicht Geld schöpfen, während sie
das im systemischen Zusammenspiel letztendlich doch tun. Eine dritte Theorie behauptet, dass jede
einzelne Bank Geld „aus dem Nichts“ schaffen kann und zwar indem sie Kredit vergibt (die
Kreditschöpfungstheorie). Die Frage, welche der Theorien richtig ist, hat weitreichende Implikationen für
Forschung und Politik. Überraschenderweise gibt es trotz des langjährigen Streits bis jetzt keine
empirische Studie, welche die Theorien überprüft hat. Diesen Beitrag liefert die vorliegende Studie. Ein
empirischer Test wird durchgeführt, in dem das Geld von einer kooperationsbereiten Bank geliehen
wurde, während durch Überwachung der internen Aufzeichnungen festgestellt wird, ob im Prozess der
Kreditvergabe von anderen Konten innerhalb oder außerhalb der Bank Mittel transferiert wurden oder ob
diese neu erschaffen wurden. Diese Studie stellt zum ersten Mal empirisch eindeutig fest, dass einzelne
Banken Geld aus dem Nichts schaffen. Die Geldmenge wird „wie durch Zauberei“ von einzelnen Banken
„aus dem Nichts“ geschaffen.
»Die Wahl des Wertmaßstabes, des Geldsystemes, der Geld- und Kreditgesetzgebung liegt in der Hand
der Gesellschaft selber, und die Naturverhältnisse … haben eine vergleichsweise untergeordnete
Bedeutung. Hier erhalten also die in der Gesellschaft maßgebenden Gelegenheit, das Resultat ihrer
nationalökonomischen Weisheit – oder Torheit – direkt zu zeigen und zu erproben. Daß die letztere
Eigenschaft dabei oft die Oberhand gehabt hat, das zeigt uns die Geschichte des Geldwesens, die voller
großer, verhängnisvoller Irrtümer ist.«{1}
Wicksell (1928, S. 2 ff)

  1. Einleitung
    Seit der amerikanischen und europäischen Bankenkrise von 2007/08 hat sich das Interesse an der Rolle
    der Banken in der Wirtschaft innerhalb und außerhalb der Fachkreise von Wirtschaft, Bank- und
    Finanzwesen erhöht. Dieses Interesse ist gut begründet: Durch die Krise ist das Bewusstsein dafür
    gestiegen, dass in den am häufigsten verwendeten makroökonomischen Modelle und Theorien
    angemessenen Beschreibungen entscheidender Merkmale unserer Volkswirtschaften und Finanzsysteme
    fehlen und vor allem: dass sie keine angemessenen Beschreibungen von Banken beinhalten.{2} Es liegt
    nahe, dass diese vorherrschenden, quasi banklosen Theorien Bankenaufsichten beeinflusst und zu
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    suboptimaler Bankenregulierung beigetragen haben: Systemische Probleme aus dem Bankensektor
    können nicht erkannt werden, wenn in den ökonomischen Modellen keine Banken enthalten sind oder
    wenn Modelle des Finanzsystems nur einzelne, repräsentative Finanzinstitutionen betrachten, ohne diese
    entsprechend in makroökonomischen Modelle einzubetten.{3}
    Folglich haben sich viele Forscher seitdem bemüht, Banken bzw. den Bankensektor in ihre ökonomischen
    Modelle einzubeziehen.{4} Dies ist eine positive Entwicklung und die europäischen Konferenzen über
    Banken und Wirtschaft (ECOBATE) leisten dazu einen Beitrag. Gezeigt hat sich das speziell beim
    zweiten Mal, auf der ECOBATE 2013, die am 6. März 2013 in Winchester Guildhall stattfand und vom
    Zentrum für Banken, Finanzen und nachhaltige Entwicklung der Universität von Southampton organisiert
    wurde. Da die Arbeit in diesem Bereich sehr vielfältig ist, zielt dieser Artikel darauf ab, zu einem
    besseren Verständnis der entscheidenden Merkmale von Banken beizutragen, was eine Einarbeitung in
    ökonomische Modelle erleichtern kann. Die Forscher müssen wissen, welche Aspekte der Banktätigkeit
    essentiell sind – vor allem die wichtigsten Eigenschaften, die Banken von anderen Finanzinstitutionen,
    die keine Banken sind, unterscheidet. Mit anderen Worten: Die Forscher müssen wissen, ob Banken in
    entscheidenden Aspekten einzigartig sind, und wenn ja, warum.
    In dieser Studie wird die Frage der potentiellen Fähigkeit der Banken, Geld zu schaffen, untersucht,
    welche ein Kandidat für ein zentrales Unterscheidungsmerkmal ist. Eine Überprüfung der Literatur
    identifiziert drei verschiedene, sich gegenseitig ausschließende Ansichten zu diesem Thema, jede von
    ihnen war etwa ein Drittel des 20. Jahrhunderts die vorherrschende Sichtweise. Die aktuell
    vorherrschende Ansicht ist, dass die Banken reine Finanzintermediäre sind, die Einlagen sammeln und
    weitergeben, genau wie andere Finanzinstitutionen, die keine Banken sind – ohne besondere
    Eigenschaften. Unterschiede zwischen Banken und Finanzinstitutionen, die keine Banken sind, werden
    als Feinheiten gesehen, die effektiv so minimal sind, dass sie bei Modellierungen oder für politische
    Entscheidungsträger irrelevant sind. So gedacht ist es zulässig, Wirtschaft ohne Banken zu modellieren.
    Diese Ansicht wird die Finanzintermediär-Theorie genannt. Sie ist die vorherrschende Sichtweise seit
    dem Ende der 1960er Jahre.
    Etwa zwischen den 1930er und den späten 1960er Jahren war die vorherrschende Sichtweise, dass das
    Bankensystem „einzigartig“ sei, da die Banken im Gegensatz zu Finanzintermediären, im Kollektiv Geld
    schaffen können und zwar auf der Grundlage des Teilreserve- oder „Multiplikatormodells“. Trotz ihrer
    kollektiven Fähigkeit zur Geldschöpfung ist jede einzelne Bank nach dieser Sichtweise nur ein reiner
    Finanzvermittler, der Einlagen sammelt und weiterverleiht – ohne die Fähigkeit, selbst Geld zu schöpfen.
    Diese Ansicht wird Teilreserve-Theorie genannt.
    Es gibt eine dritte Theorie über die Funktionsweise des Bankensektors, welche in den ersten beiden
    Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts aufgekommen ist. Anders als bei der Finanzintermedär-Theorie und im
    Einklang mit der Teilreserve-Theorie behauptet diese, dass das Bankensystem neues Geld schafft. Jedoch
    geht sie weiter als letztgenannte und unterscheidet sich in einer Reihe von Punkten. Bei dieser Theorie
    wird argumentiert, dass jede einzelne Bank kein Finanzvermittler ist, der bei der Kreditvergabe
    Spareinlagen oder Reserven der Zentralbank weiterreicht, sondern den gesamten Kreditbetrag aus dem
    Nichts schafft. Diese Ansicht wird Kreditschöpfungstheorie genannt.
    Die drei Theorien basieren auf verschiedenen Beschreibungen, wie Geld und Banken funktionieren und
    führen zu unterschiedlichen Regelwerken (für Banken). Interessanterweise wurde die Kontroverse über
    die Theorien nie beigelegt. Dadurch herrscht Verwirrung: Heute finden wir Zentralbanken – manchmal
    dieselben Zentralbanken, die verschiedenen Theorien anhängen; im Fall der Bank of England sind deren
    Bedienstete gleichzeitig Anhänger jeder der drei sich gegenseitig ausschließenden Theorien, was
    nachfolgend gezeigt werden wird.
    Es spielt eine Rolle, welche der drei Theorien richtig ist – nicht nur für das richtige Verständnis und die
    korrekte Modellierung der Rolle von Banken in der Wirtschaft, sondern auch um überhaupt geeignete
    Bankenregulierungen gestalten zu können, die auf ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum ohne Krisen
    abzielen. Der moderne Ansatz zur Regulierung von Banken, so wie er spätestens seit Basel I (1988)
    umgesetzt ist, basiert auf der Annahme, dass die Finanzintermediär-Theorie richtig ist.{5}
    Bankenregulierungen, die auf adequates Eigenkapital von Banken setzen, selbst in antizyklischer Art und
    Weise, sind ungeeignet finanzielle Stabilität zu garantieren, wenn eine der beiden anderen Theorien
    richtig ist.{6} Die eigenmittelbasierten Ansätze für die Bankenregulierungen, wie sie vom Basler
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    Ausschuss für Bankenaufsicht in Form von Basel I und II umgesetzt wurden, hat uns bisher nicht vor
    großen Bankenkrisen geschützt. Wenn die Finanzintermediär-Theorie keine genaue Beschreibung der
    Wirklichkeit ist, darf bezweifelt werden, dass Basel III und ähnliche nationale Ansätze zur
    Bankenregulierung (wie bspw. in Großbritannien) zweckmäßig sein werden.{7}
    Es ist daher von wesentlicher Bedeutung für die Forschung und für Bankenregulierer zu bestimmen,
    welche der drei Theorien eine genaue Beschreibung der Wirklichkeit ist. Empirische Beweise können
    verwendet werden, um die Qualität der Theorien zu überprüfen. Überraschenderweise ist eine solche
    Überprüfung bisher noch nie durchgeführt worden. Die vorliegende Studie leistet diesen Beitrag.
    Der nachfolgende Teil der Studie ist wie folgt aufgebaut: Abschnitt 2 gibt einen Überblick über die
    relevante Literatur, bei dem die Autoren danach klassifiziert werden, welcher der drei Theorien sie
    anhängen. Es wird ersichtlich sein, dass führende Ökonomen nachweislich für eine der Theorien Stellung
    bezogen haben. Im Abschnitt 3 präsentiere ich eine empirischen Überprüfung, die die Frage, ob Banken
    einzigartig sind und ob sie einzeln Geld „aus dem Nichts“ schaffen können. In der Sache geht es um die
    Durchführung einer „echten“ Kreditvergabe an den Forscher bei einer Bank, die bereit war, alle
    relevanten Vorgänge überwachen zu lassen und die Aufzeichnungen des Buchhaltungssystemes
    zugänglich zu machen. Die Ergebnisse und einige Implikationen werden in Abschnitt 4 diskutiert.
  2. Literatur zur Frage, ob Banken Geld schöpfen
    Über die Rolle der Banken in der Wirtschaft ist im vergangenen Jahrhundert und darüber hinaus viel
    geschrieben worden. Oft haben sich die Autoren mit der Frage, ob die Banken Geld schöpfen, nicht
    beschäftigt, da sie einfach davon ausgehen, dass ihre bevorzugte Theorie wahr ist, ohne diese zu
    hinterfragen, geschweige denn, dass sie verschiedene Theorien verglichen hätten. Diese Literaturübersicht
    beschränkt sich auf Autoren, die sich direkt und explizit mit der Frage beschäftigt haben, ob Banken
    Kredit und Geld schöpfen können. Während Zeiten, in denen in Ländern der Autoren Banken
    Schuldscheine (Banknoten) herausgegeben haben, die als Papiergeld in Umlauf kamen, haben die Autoren
    selbstverständlich erwähnt, wenn auch nur nebenbei, dass die Banken Geld schaffen. In England und
    Wales, verbot der Bank Charter Act von 1844 den Banken „jedwede Verpflichtungen zu Geldzahlungen
    auf Forderung von Inhabern (von Bankpapieren) einzugehen“. Damit endete Banknotenausgabe für die
    meisten Banken in England und Wales zugunsten der (bis 1946 offiziell in Privatbesitz befindlichen)
    Bank of England mit einem Monopol auf Banknotenausgabe. Währenddessen hat sich diese Praxis in den
    Vereinigten Staaten bis ins 20. Jahrhundert hinein gehalten (und sie wurde mit dem New York Free
    Banking Act von 1838 sogar ausgeweitet), sodass US-Autoren aus dieser Zeit die Banknotenausgabe als
    Beweis für die Geldschöpfungsfunktion der Banken sehen, was sich erst viel später ändert.{8} Zur
    Klarstellung: das Hauptziel dieser Studie ist, die Frage zu klären, ob Banken, die keine Banknoten
    herausgeben in der Lage sind, Geld und Kredit aus dem Nichts zu schaffen. Folglich werden frühere
    Autoren, die hauptsächlich über die Ausgabe von Papiergeld schreiben, hier nur am Rande erwähnt, auch
    wenn man sagen könnte, dass ihre Argumente auch für Banken gelten könnten, die keine Banknoten
    herausgeben. Dazu gehören unter anderem John Law (1705), James Steuart (1767), Adam Smith (1776),
    Henry Thornton (1802), Thomas Tooke (1838) und Adam Müller (1816), die entweder direkt oder
    indirekt sagen, dass einzelne Banken Kredit schöpfen (im Einklang mit der Kreditschöpfungstheorie).{9}
    2.1 Die Kreditschöpfungstheorie
    Einflussreiche frühe Autoren, die behaupten, dass einzelne Banken, die keine Banknoten herausgeben,
    Geld und Kredit aus dem Nichts schöpfen, schrieben vor allem in englischer oder deutscher Sprache,
    nämlich Wicksell (1898) und Wicksell (1907), Withers (1909), Schumpeter (1912), Moeller (1925) und
    Hahn (1920).
    {10} Die Überprüfung der Befürworter der Kreditschöpfungstheorie muss beginnen mit Henry
    Dunning Macleod vom Trinity College, Cambridge und Barrister at Law am Inner Temple.{11} Macleod
    verfasste ein einflussreiches zweibändiges Werk über das Bankwesen, es trägt den Titel The Theory and
    Practice of Banking. Es wurde in zahlreichen Auflagen bis weit ins 20. Jahrhundert publiziert (Macleod,
    1855/56; die Zitate hier stammen aus der 6. Auflage 1905). In Bezug auf die Kreditschöpfung von
    einzelnen Banken, erklärt Macleod unmissverständlich, dass einzelne Banken Kredit und Geld aus dem
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    Nichts schöpfen, wann immer sie etwas tun, was „verleihen“ genannt wird:
    »In der heutigen Zeit haben Privatbankiers aufgehört, Noten herauszugeben. Sie schaffen
    lediglich Kredit zu Gunsten ihrer Kunden, welcher durch Schecks beansprucht wird. Diese
    Kredite werden in der Bankersprache als Einlagen bezeichnet. Nun sind viele Menschen, die
    eine physische Banknote, die nur ein auf Papier aufgezeichnetes Recht ist, bereit, eine
    Banknote als Bargeld zu akzeptieren. Aber weil darüber wenig reflektiert wird, ist es
    schwierig für sie zu begreifen, was Einlagen sind. Sie akzeptieren, dass eine Banknote eine
    „Währung“ ist, aber sie begreifen nicht, dass ein Bankkredit ist genau in demselben Sinne
    gleichermaßen eine „Währung“ ist.«
    Macleod (1905, Band 2, S. 310)
    »… Sir Robert Peel liegt ganz falsch mit seiner Annahme, dass Banker nur Darlehen aus bona
    fide Kapital geben. Dies wird vollständig in dem Kapitel über Banktheorie beschrieben,
    sodass wir unsere Leser nur daran erinnern müssen, dass alle Darlehen von Banken in erster
    Linie durch die Schaffung von Kredit gegeben werden.« (S. 370, Hervorhebung im Original)
    In seinem Werk Theory of Credit Macleod (1891) formulierte Macleod es so:
    »Eine Bank ist daher nicht ein Büro zum „Verleihen“ von Geld, sondern sie ist ein Hersteller
    von Kredit.«
    Macleod (1891: II / 2, 594)
    Denn nach der Kreditschöpfungstheorie, schaffen Banken Kredit in Form von dem, was Banker
    „Einlagen“ nennen und dieser Kredit ist Geld. Aber wie viel Kredit können sie zu schaffen? Wicksell
    (1907) beschrieb im Economic Journal eine kreditbasierte Wirtschaft. Er erklärt, dass
    »Banken in ihrem Kreditgeschäft nicht nur nicht durch ihr eigenes Kapital begrenzt sind; sie
    sind nicht, zumindest nicht sofort, durch irgendein Kapital eineschränkt; durch die
    Konzentration beinahe allen Zahlungsverkehrs in ihren Händen, schaffen sie selbst das
    erforderliche Geld …«
    »In einem reinen Kreditsystem, in dem alle Zahlungen durch Eintragung in die Bank-Bücher
    gemacht wird, wären Banken in der Lage, zu jedem Zeitpunkt jede Menge an Kredit zu einem
    jedenfalls minimalen Zinssatz zu vergeben.«{12}
    Wicksell (1907, 214)
    Withers (1909), von 1916 bis 1921 Herausgeber des Economist, sah ebenfalls nur wenig Einschränkungen
    der Menge an Geld, die Banken aus dem Nichts schaffen könnten:
    »… wenn man erfährt, dass die Banken des Vereinigten Königreichs mehr als 900 Millionen
    an Einlagen halten, ist es ein weitverbreiteter Irrtum, dabei erstaunt an diese riesige Menge an
    Bargeld zu denken, die von der ganzen Gemeinschaft gespart und in die Hände seiner Banker
    gegeben wurde, und dies als einen beeindruckenden Beweis von Reichtum zu sehen. Doch
    das ist nicht die korrekte Sicht. Das meiste Geld der Gemeinschaft bei den Banken liegt in
    Form von Buchgeldkrediten vor, die der Gemeinschaft von Bankern gewährt wurden.«
    Withers (1909, S. 57 ff.)
    »… Der größte Teil der Bankeinlagen besteht daher nicht aus eingezahltem Bargeld, sondern
    aus gewährten Krediten. Jeder Kredit ist eine Einlage …«
    Withers (1909, S. 63)
    »Als Banknoten die Handelswährung waren, gab die Bank für Darlehen oder zur
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    Diskontierung eines Wechsels eigene Banknoten an den Kunden aus und schuf damit eine
    Verbindlichkeit für sich selbst. Heute vergibt eine Bank Darlehen oder diskontiert einen
    Wechsel, indem sie eine entsprechende Verbindlichkeit für sich selbst bucht.«
    Withers (1909, S. 66)
    »… Es läuft darauf hinaus: Wann immer eine Bank ein Darlehen vergibt oder ein Wertpapier
    kauft, gibt sie jemandem das Recht, einen Scheck darauf zu ziehen, welcher bei ihr selbst oder
    einer anderen Bank in Zahlung genommen wird – und so wird das Gesamtvolumen der
    Bankeinlagen erhöht und der gesamte Bargeldbestand der Banken bleibt unverändert.«
    Withers (1916, S. 45)
    »Wenn einmal diese Tatsache anerkannt wird, dass Banken, neben anderen Dingen, nach wie
    vor die Hersteller von Währung sind, genau so, wie sie es in den Zeiten waren, als sie
    Banknoten herausgaben, sehen wir, welche wichtige Funktion Banken in der Wirtschaft
    ausüben, denn es wird jetzt allgemein akzeptiert, dass die geschaffene Geldmenge einen
    direkten und wichtigen Einfluss auf die Preise hat. Dies ergibt sich aus der sogenannten
    „Quantitätstheorie“ des Geldes …«
    Withers (1916, S. 47)
    »Wenn, so wie ich glaube, die Quantitätstheorie im Großen und Ganzen richtig ist, erkennen
    wir, wie groß ist die Verantwortung der Banker als Hersteller von Währung ist. So erkennen
    wir, dass sie durch ihr Handeln nicht nur das Wohlergehen ihrer Kunden und die Gewinne
    ihrer Aktionäre beeinflussen, sondern auch das allgemeine Preisniveau. Wenn Banken
    schneller Währung schöpfen als Waren produziert werden, wird das einen Anstieg der Preise
    verursachen, was vielleicht eine verheerende Wirkung haben wird.«{13}
    Withers (1916, S. 54 ff.)
    »Und so wird evident, so wie zuvor gesagt, dass die Einlagen der Banken, auf welche
    Handelsgemeinschaft Schecks darauf zu ziehen darf, hauptsächlich durch Handlungen der
    Banken selbst geschaffen werden: bei der Kreditvergabe, beim Diskontieren von Wechseln
    und bei Investitionen« (S. 71 ff.)
    »… so scheint es dann, dass der Kredit die Maschine ist, durch die ein sehr wichtiger Teil der
    modernen Währung geschaffen wird …« (S. 72)
    Withers erklärt, dass das souveräne Vorrecht des Staates zur Herstellung von Währung im Endeffekt
    privatisiert und den Geschäftsbanken übergeben wurde:
    »Durch diese interessante Entwicklung ist die Herstellung von Währung, die seit
    Jahrhunderten in den Händen der Regierung war, nun zu einem sehr wesentlichen Teil in die
    Hände von Unternehmen gelegt wurde, die dem Wohlergehen der Kunden und der Gewinne
    ihrer Aktionäre verpflichtet sind.«
    Withers (1916, S. 40)
    Obwohl Withers ein Finanzjournalist war, hatten seinen Schriften einen hohen Verbreitungsgrad und
    dürften zur Verbreitung der Kreditschöpfungstheorie in der von Macleod (1855/56) propagierten Form
    beigetragen haben. Diese Sichtweise verbreitete sich auch in Deutschland mit der Veröffentlichung des
    einflussreichen Buchs Die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Schumpeter (1912, Englisch 1934),
    in welchem Schumpeter eindeutig der Ansicht ist, dass jede einzelne Bank hat die Fähigkeit hat, Geld aus
    dem Nichts zu schaffen.
    »Etwas Ähnliches wie eine Bescheinigung künftiger Produkte oder wie die Verleihung von
    Zahlkraft an die Versprechungen des Unternehmers gibt es nun wirklich. Das ist der Dienst,
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    den der Bankier dem Unternehmer erweist und um den sich der Unternehmer an den Bankier
    wendet. … so wäre er nicht Zwischenhändler, sondern Produzent von Kredit, d.h. er würde die
    Kaufkraft, die er dem Unternehmer leiht, selbst schaffen … Man könnte ohne große Sünde
    sagen, daß der Bankier Geld schaffe.«{14}
    Schumpeter (1912, S. 197, Hervorhebung im Original)
    »Kredit ist im Wesentlichen die Schaffung von Kaufkraft für den Zweck der Weitergabe an
    die Unternehmer, aber nicht nur einfach die Übertragung von bestehender Kaufkraft. …
    Durch Kredit wird dem Unternehmer Zugang zum sozialen Warenstrom gegeben, bevor er
    den normalen Anspruch darauf erworben hat. Und diese Funktion bildet den Grundpfeiler der
    modernen Kreditstruktur.«
    Schumpeter (1954, S. 107)
    »Die fiktive Bescheinigung von Produkten, die die Kreditzahlungsmittel sozusagen
    ursprünglich darstellten, ist zur Wahrheit geworden.«{15}
    Schumpeter (1912, S. 223)
    Diese Ansicht wurde auch auf der anderen Seite des Atlantik gut vertreten, wie die Schriften von
    Davenport (1913) oder Robert H. Howe (1915) zeigen. Hawtrey (1919), ein weiterer führender britischer
    Ökonom, der wie Keynes, einen Hintergrund als Finanzbeamter hatte und sich der Wissenschaft
    zuwandte, bezog klar Stellung zu Gunsten der Kreditschöpfungstheorie:
    »… für die Hersteller und andere, die Geld zu zahlen haben, entstehen Kredite immer noch
    durch den Austausch von Verpflichtungen, die sofortige Verpflichtung des Bankiers, die er
    seinem Kunden gibt im Austausch für die Verpflichtung des Kunden, zu einem späteren
    Zeitpunkt Rückzahlung zu leisten. Wir bezeichnen diese duale Operation als Schaffung von
    Kredit. Damit schafft der Banker Zahlungsmittel aus dem Nichts, während der Bankkredit nur
    durch einen anderen ersetzt wird, nämlich einer gleich großen Bargeldmenge – wenn der
    Banker von seinem Kunden eine Tasche voll Geld als Zahlung erhält.« (S. 20)
    Abgesehen von Schumpeter, erklären auch eine Reihe von anderen deutschsprachigen Autoren, dass
    einzelne Banken bei der Kreditvergabe Geld schöpfen.{16} Sowohl im akademischen Diskurs als auch in
    der öffentlichen Debatte war Dr. Albert L. Hahn (1920) sehr einflussreich. Er war Spross einer
    Frankfurter Bankiersdynastie (ähnlich wie Thornton, der Bankier gewesen war) und seit 1919 Direktor
    des großen Familienunternehmens, der Effecten- und Wechsel-Bank Frankfurt. Wie Macleod
    ausgebilderter Jurist, wurde er 1928 Honorarprofessor an der Goethe-Universität Frankfurt. Offensichtlich
    nicht nur in Kenntnis der Werke von Macleod, die er zitiert, sondern wahrscheinlich auch aus dem Wissen
    um die tatsächliche Bankenpraxis aus seinem Familienunternehmen, erklärte Hahn, dass die Banken in
    der Tat „Geld aus dem Nichts“ schaffen:
    »Die fiktive Bescheinigung von Produkten, dieJeder Kredit der gegebenwird, erzeugt
    seinerseits ein Deposit und damit dieMittel zu seiner Unterbringung. … Die Folgerung aus
    dem skizzierten Vorgang kann man auch umgekehrt ausrücken, indem man sagt – und dieser
    Schluß ist ebenso zwingend – , daß jedes irgendwie und irgendwo in der Volkswirtschaft
    vorhandene Scheck- oder Überweisungsguthaben sein Entstehen einer vorausgegangenen
    Kreditgewährung, einem zuvor eingeräumten Kredit zu verdanken hat.«{17}
    Hahn (1920, S. 28)
    »Wir behaupten also im Gegensatz zu der gesamten, in dieser Beziehung so gut wie einigen
    Bank- und Kreditliteratur, daß nicht das Passivgeschäft der Banken, insbesondere das
    Depositengeschäft das Primäre ist, sondern daß allgemein und in jedem einzelnen Falle ein
    Aktivgeschäft einer Bank vorangegangen sein muß, um erst das Passivgeschäft einer Bank
    möglich zu machen und es hervorzurufen: Das Passivgeschäft der Banken ist nichts anderes
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    als ein Reflex vorangegangener Kreditgewährung. Die entgegengesetzte Ansicht beruht auf
    einer Art optischer Täuschung …«{18}
    Hahn (1920, S. 29)
    Insgesamt betrachtet, hat Hahn wahrscheinlich mehr als jeder andere getan, um die
    Kreditschöpfungstheorie in Deutschland zu populär zu machen. Sein Buch wurde zu einem Bestseller und
    hat zur einer breiten Kontroverse und neuen Forschungen unter den Ökonomen in Deutschland angeregt.
    Es hat auch unter Journalisten und in der allgemeinen Öffentlichkeit zu einem höheren Bewusstsein bei
    diesem Thema geführt. Die Breitenwirkung seines Buches war wahrscheinlich einer der Gründe, warum
    diese Theorie in Deutschland noch bis in die Nachkriegszeit verwurzelt blieb, während sie in
    Großbritannien oder den USA schon lange verworfen worden war. Hahns Buch war aber nicht nur eine
    populäre Erklärung ohne akademische Glaubwürdigkeit. Schumpeter zitiert es positiv in der zweiten
    (deutschen) Ausgabe seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (Schumpeter, 1926), der es als
    Weiterentwicklung lobte, die im Einklang mit seinem Buch stand, aber auch darüber hinaus. Die
    englische Übersetzung von Schumpeters einflussreichen Buch Schumpeter (1912 ) zitiert ebenfalls
    bevorzugt Hahn.
    Man kann sagen, dass die Kreditschöpfungstheorie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in deutschund englischsprachigen wissenschaftlichen Publikationen allem Anschein nach ziemlich weitverbreitet
    Befürworter hatte. Bis 1920 hatte sich die Kreditschöpfungstheorie so weit verbreitet, dass sie von
    späteren Kritikern als die „aktuelle Ansicht“, die „traditionelle Theorie“ oder die „althergebrachte Theorie
    des Bankkredits“ bezeichnet wurde.{19}
    Die frühe Keynes schien auch ein Befürworter dieser vorherrschenden Sichtweise gewesen zu sein. In
    seinem Tract on Monetary Reform (Keynes, 1924) behauptet er, scheinbar ohne das Gefühl für eine
    Notwendigkeit, dies weiter zu ausführen zu müssen, dass Banken Kredit und Geld schaffen, zumindest in
    ihrer Gesamtheit:
    »Das innere Preisniveau wird in der Hauptsache durch den Betrag des von den Banken,
    insbesondere der „Big Five“ eingeräumten Kredits bestimmt; …« Keynes (1997, S. 182)
    »Der so geschaffene Kreditbetrag läßt sich seinerseits wiederum an der Höhe der
    Bankdepositen ungefähr messen; denn Veränderungen in deren Gesamtmenge müssen den
    Veränderungen in der Gesamtheit an Wertpapier- und Wechselbeständen und an Vorschüssen
    entsprechen.« Keynes (1997, S. 182)
    Wir wissen aus Keynes Beitrag für das Macmillan Committee (1931), dass Keynes damit meinte, dass
    jede einzelne Bank fähig war Kredit zu schaffen:
    »Es ist nicht unnatürlich, die Einlagen bei einer Bank als vom Publikum durch die
    Hinterlegung von Bargeld geschaffen zu sehen, entweder als Ersparnisse oder als Beträge, die
    zur Zeit gerade nicht für Ausgaben erforderlich sind. Aber der Großteil der Einlagen ergeben
    sich aus der Tätigkeit der Banken selbst, weil durch die Gewährung von Darlehen oder
    Überziehungsrahmen oder den Kauf von Wertpapieren in ihren Büchern Geld geschaffen
    wird, welches das Äquivalent einer Einlage ist.« (S. 34)
    In Bezug auf das Bankensystem als Ganzes, wurde von dieser Schöpfung von Bankkredit und Einlagen
    angenommen, dass diese die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und die Preisbildung beeinflussen, so wie
    Schumpeter (1912) das erklärt:
    »Die Menge des Bankkredits ist elastisch und daher auch die Masse der Kaufkraft … Das
    Bankensystem bildet somit die zentrale Verbindung zwischen den beiden Aspekten der
    komplexen Struktur, mit der wir es zu tun haben. Denn es verbindet die Probleme des
    Preisniveaus mit den Problemen der Finanzierung, da das Preisniveau ohne Zweifel durch die
    Masse der Kaufkraft beeinflusst wird, welche das Bankensystem erschafft und kontrolliert …
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    Daher finden Fragen betreffend der Menge an Kaufkraft und Fragen betreffend der Verteilung
    der Kaufkraft einen gemeinsamen Fokus im Bankensystem.« (Macmillan Committee, 1931,
    S. 12 ff.)
    »… wenn schließlich Banken eine lockere Kreditpolitik verfolgen und leichter Kredite an
    Unternehmen vergeben, werden Kräfte in Richtung steigender Gewinne und Löhne
    angestoßen und damit die Möglichkeit zu zusätzlichen Ausgaben eröffnet.« (S. 13)
    In Bezug auf die Frage, ob die Kreditnachfrage oder Kreditversorgung wichtiger ist, erklärt der Bericht,
    dass die eigentliche Ursache die Veränderung der Kreditversorgung ist:
    »Die Expansion oder Kontraktion der Kreditmenge die das Bankensystem zur Verfügung
    stellt wird durch eine Vielzahl von Kanälen das Tätigen von neuen Investitionen beeinflussen.
    Dies wiederum wird sich auf das Volumen und die Rentabilität des Geschäftes und somit zu
    gegebener Zeit auch auf die Höhe der Versorgung auswirken, die die Industrie vom
    Bankensystem benötigt. … Was als eine Veränderung des Kreditangebots begann, endet in
    Form einer Veränderung der Kreditnachfrage.« (S. 99){20}
    Während Geld in Bezug auf Kredit als endogen gesehen wird, wenn ein sogenannter „Bankkredit“
    vergeben wird, erklärt der Ausschuss, dass Bankkredit exogen ist, soweit es den Kreditnehmer betrifft:
    »Es gibt keinen Zweifel an der Fähigkeit des Bankensystems … die Menge an Buchgeld zu
    erhöhen oder zu verringern.« (S. 102)
    »Im normalen Bedingungen sehen wir keinen Grund, daran zu zweifeln, dass das
    Bankensystem die Fähigkeit hat, das Volumen an Investitionen durch die Senkung der Kosten
    für Bankkredite zu beeinflussen. … So gehen wir davon aus, dass in gewöhnlichen Zeiten die
    Fähigkeit des Bankensystems die aktive Verwendung von Geldmitteln in Unternehmen und
    für Investitionen zu erhöhen oder zu verringern … unbestritten ist.« (S. 102)
    Das Macmillan Committee erklärt auch, dass Bankkredite von der Bank of England beeinflusst werden
    können und somit in diesem Sinne auch als exogen betrachtet werden können.
    Die Kreditschöpfungstheorie blieb bis in die frühen Nachkriegsjahren einflussreich. Die Verbindung der
    Kreditschöpfung mit Variablen der Makroökonomie und der Finanzwirtschaft wurde später in der
    Quantitätstheorie des Kredits (Werner, 1992, Werner, 1997, Werner, 2005 und Werner, 2012) formalisiert,
    in welcher erklärt wird, dass Kredite (a) für produktive Investitionen für die Produktion von Waren und
    Dienstleistungen ist ein nachhaltig und nichtinflationär wirken, sowie weniger wahrscheinlich notleidend
    werden, (b) bei unproduktiver Verwendung für den Konsum zu Verbraucherpreisinflation führen und (c)
    bei unproduktiver Verwendung für Geldvermögenstransaktionen zu einer Vermögenspreisinflation führen
    und, wenn sie groß genug sind, sogar zu Bankenkrisen. Jedenfalls sind seit den 1920er Jahren ernsthafte
    Zweifel an der Richtigkeit der Kreditschöpfungstheorie aufgekommen. Diese Zweifel wurden zunächst
    von Ökonomen geäussert, die die Theorie im Prinzip unterstützten, aber spielten ihre Bedeutung herunter.
    Es ist diese Gruppe von Verfassern, die die Basis für die Formulierung der modernen Teilreserve-Theorie
    lieferten, die in ihrer am weitesten verbreiteten (und späteren) Version jedoch erklärt, dass Banken einzeln
    nicht Kredit schaffen, sondern nur das Bankensystem in Gesamtverbund. Dieser Theorie wenden wir uns
    nun zu.
    2.2 Die Teilreserve-Theorie
    Früher Befürworter der Teilreserve-Theorie war Alfred Marshall (1888). Er sagte vor einer
    Regierungskommission über die Rolle der Banken wie folgt aus:
    »Ich sollte darlegen, welchen Anteil von Einlagen eine Bank verleihen kann und dann sollte
    8/37
    ich darlegen, welcher Anteil seiner Kredite wiederum bei ihr oder anderen Banken zu
    Einlagen werden und umgekehrt, welcher Anteil der Kredite von anderen Banken zu Einlagen
    werden. Hierbei ergibt sich eine geometrische Progression; der Endeffekt ist dieser: wenn jede
    Bank zwei Drittel ihrer Einlagen als Kredit vergibt, würde das dazu führen, dass die Banken
    die Fähigkeit haben, das gesamte Kreditvolumen um den Faktor drei zu erhöhen.«
    Marshall (1888), zitiert von Yohe (1995, S. 530)
    Damit widersprach er den Argumenten von Macleod. Allerdings war Marshalls Ansicht zu seiner Zeit
    immer noch in der Minderheit. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, erklärten eine Reihe von
    einflussreichen Ökonomen, dass die „alte Theorie“ (Phillips, 1920: 72) der Kreditschöpfung durch
    einzelne Banken falsch war. Ihre Ansicht wurde allmählich einflussreicher. „Die Theorie der Ausweitung
    der Einlagen erreichte mit der Veröffentlichung von CA Phillips‘ Bank Credit ihren Höhepunkt …“
    (Goodfriend, 1991, zitiert von Yohe, 1995, S. 532)
    Phillips (1920) erklärte, dass es wichtig sei, einerseits zwischen der theoretischen Möglichkeit einer
    einzelnen Bank durch die Kreditvergabe aus überschüssigem Bargeld und Reserven „Geld herzustellen“
    und andererseits der Fähigkeit des Bankensystems als Ganzes eben das zu tun, zu unterscheiden. Er
    erklärte, die „alte Theorie“ (die Kreditschöpfungstheorie)
    »basierte auf der Behauptung, dass eine Bank in der Lage wäre, Kredite in vielfacher Höhe
    des zum Zeitpunkt der Kreditvergabe neu erworbenen und gehaltenen Bargeldes zu gewähren.
    Tatsächlich jedoch kann eine repräsentative Bank in einem System normalerweise
    Kredite gewähren, die in etwa der Höhe dieses Bargeldbetrages entsprechen.« (S. 72){21}
    Nach Phillips (1920), können die einzelnen Banken nicht Kredit oder Geld schöpfen, sondern das
    Bankensystem im Kollektiv, wenn Reserven „in kleine Fragmente zerteilt werden und im Bankensystem
    verteilt werden. Durch den Prozess der Verteilung, entsteht erst die Grundlage de Kreditexpansion um ein
    Vielfaches.“ (S. 40) Jede Bank für sich ist hautpsächlich als ein Finanzintermediär zu betrachten: „… der
    Bankier … handelt vorwiegend mit den Mitteln anderer“ (S. 4-5). Phillips erklärt, dass jede einzelne
    Bank im Endeffekt als Vermittler arbeitet, also so viel Geld verleiht, wie sie an Bargeld hat, weil Banken
    ein bestimmtes Verhältnis von Bargeld zu Einlagen bzw. Reserven zu Einlagen (wie beim
    Multiplikatormodell ausgeführt) anstreben, welches sie einzuhalten wünschen. Durch den Prozess der
    Verteilung und Wiederholung erwächst aus dem Verbund einzelner Banken, die nur Finanzintermediäre
    sind und nicht die Fähigkeit haben, Kredit zu schöpfen, die Fähigkeit zur Ausweitung der Geldmenge.{22}
    Crick (1927) stimmt dieser Schlussfolgerung (mit einigen kleinen Einschränkungen) zu. So erklärte er:
    »Der wichtige Punkt, welcher für einen Großteil der Kontroverse und die meisten
    Missverständnisse verantwortlich ist, liegt darin: Während eine Bank, die zusätzliches
    Bargeld empfängt, nicht unmittelbar eine vollständiges Vielfaches zu ihren Einlagen addieren
    kann, erzeugt der kumulative Effekt des zusätzlichen Bargeldes jedoch ein vollständiges
    Vielfaches zu den Einlagen aller Banken insgesamt.« (S. 196)
    »Zusammengefasst ist festzustellen, … dass Banken, so lange sie ein feststehendes Verhältnis
    von Bargeld zu Einlagen beibehalten, lediglich passive Handlanger der Politik der Bank of
    England sind, so weit es die Geldmenge in Form von Krediten betrifft. … Die Banken …
    haben sehr wenig Spielraum für eine eigene Politik was eine Expansion oder Kontraktion von
    Einlagen betrifft, sehr wohl aber in der Frage der Disposition von Mitteln zwischen Krediten,
    Investitionen und anderen Vermögenswerten. Aber das heißt nicht, dass die Banken auf Basis
    der Ausweitung oder der Reduzierung des Bargeldbestandes keine vielfache Zunahme oder
    Abnahme von allen Einlagen insgesamt bewirken können und auch bewirken.« (S. 201).
    Die Rolle der Banken blieb in den 1920er und 1930er Jahren umstritten, da mehrere Verfasser die
    Kreditschöpfungstheorie kritisierten. Nicht nur, dass die Ansichten auseinander liefen, sie waren vielmehr
    im freien Fluß, denn einige Experten änderten offenbar ihre Sichtweise nach und nach – insgesamt immer
    9/37
    mehr weg von der Kreditschöpfungstheorie und hin in Richtung der Teilreserve-Theorie.
    Sir Josiah C. Stamp, ein ehemaliger Direktor der Bank of England, fasste den Stand der Debatte in seiner
    Besprechung von einem Artikel von Pigou (1927):
    »Die öffentliche Meinung ist bzgl. der scheinbar einfachen Frage: „Können die Banken Kredit
    schaffen und wenn ja, wie und wie viel?“ gegenwärtig sehr gespalten zwischen den Lehren
    von Dr. Leaf und Herrn McKenna, den Herren Keynes, Hawtrey, Cassel, Cannan und
    Gregory. Die Menschen haben noch keine klare Antwort gefunden.«
    Stamp (1927, S. 424)
    Beiträge zu dieser Debatte wurden auch von Dennis Robertson (1926) geliefert, der von Keynes
    beeinflusst war.{23} Keynes (1930) erklärt die Bedeutung der Teilreserve und die Mechanismen zur
    Bestimmung des Agierens einer Bank auf der Grundlage ihrer Präferenz, Barmittel und Reserven zu
    halten. Er erklärt in Verbindung mit der Höhe der Zentralbankreserven die ziemlich vorgegebenen
    Mechanismen, die der Geldmultiplikator in einem Teilreserve-Modell postuliert:
    »So sind wir in Ländern, in denen das Verhältnis von Reserven zu Einlagen aufgrund von
    Gesetzen oder aus oder Gewohnheit etwas starr ist, bei endgültige Bestimmung von M, der
    Menge von Buchgeld, auf die Faktoren angewiesen, die die Höhe dieser Reserven
    bestimmen.« (S. 77)
    Keynes (1930) unterstützt auch ein Schlüsselkonzept der Teilreserve-Theorie, nämlich, dass die Banken
    Einlagen sammeln und Teile davon bei der Zentralbank hinterlegen, oder alternativ Teile ihrer Reserven
    bei der Zentralbank beheben, um diese an andere Wirtschaftsteilnehmer, die kene Banken sind, zu
    verleihen:
    »Wenn eine Bank, bezogen auf ihre normalen Anforderungen, überschüssiges Guthaben bei
    der Bank of England hat, kann sie zusätzliche Kredite an Handels- und
    Produktionsunternehmen vergeben und dieser zusätzliche Kredit verschafft zusätzliche
    Einlagen (für den Kreditnehmers oder denjenigen an den der Kreditnehmer überweist) auf der
    anderen Seite der Bilanz dieser oder einer anderen Bank.«
    Keynes (1930, Band 2, S. 218)
    Keynes führt hier aus, dass neue Einlagen auf der Grundlage neuer Kredite, abhängig sind vom
    Reserveguthaben, die jeweilige Bank bei der Zentralbank hält. Diese Sichtweise wird manchmal auch von
    heutigen Zentralbankern geteilt, so wie bspw. in dem Vorschlag von Paul Tucker oder der der EZB,
    negative Zinsen für Banken einzuführen, um diese zu motivieren, ihre Geld bei der Zentralbank liegen zu
    lassen und die Kreditvergabe auszudehnen.{24} Nichtsdestotrotz scheint ein Teil von Keynes (1930) und
    noch viel mehr sein einflussreichstes Werk, seine General Theory (1936), mehr in Richtung der
    Finanzintermediär-Theorie zu tendieren, die im nachfolgenden Abschnitt diskutiert werden wird.
    Ein repräsentatives Beispiel für die Teilreserve-Theorie, die gleichzeitig in Richtung der
    Finanzintermediär-Theorie deutet, ist das Werk von Lutz (1939), der in Economica publizierte, einem
    Forum für einige dieser Debatten zu der Zeit:
    »Die Expansion des Wirtschaftssystems führt zu einer Erhöhung der Einlagen auf einen Wert,
    der weit über der Menge des in Gebrauch befindlichen Bargelds liegt, einfach weil dasselbe
    Bargeld im Bankensystem immer wieder eingezahlt wird. … Die Tatsache, dass
    Bankenstatistiken eine Summe von Einlagen ausweisen, die weit über der Menge des
    Bargelds im Bankensystem liegt, ist daher für sich selbst genommen kein Zeichen dafür, dass
    Banken diese ganze Differenz geschaffen haben. Diese Schlussfolgerung liegt klarerweise
    irgendwie implizit in der Theorie der „multiple Expansion“ der Schaffung von Bankeinlagen
    (in der Art von Phillips oder Crick) begründet. Diese Theorie erklärt Schaffung von Einlagen
    durch die Tatsache, dass dasselbe Bargeld (in abnehmender Menge) nacheinander bei
    10/37
    verschiedenen Banken eingezahlt wird. Sie betrachtet diese Bargeld-Bewegung jedoch als
    rein technische Angelegenheit zwischen den Banken … welche verschwinden würde, wenn
    die einzelnen Banken zu einer einzigen ein zusammengelegt würden. In diesem Fall müssten
    Einlagen so betrachtet werden, als ob sie tatsächlich geschaffen worden wären. In unserem
    Beispiel gehen wir im Folgenden davon aus, es gäbe nur eine Bank. Trotzdem würde die
    Einlagen steigen, weil das gleiche Geld vom Publikum immer und immer wieder eingezahlt
    werden. … Die wirkliche Ursache, die die Expansion bewirkt, ist der Handelskredit, die die
    Produzenten einander geben. … Die Bank spielt die Rolle eines einfachen Vermittlers.«
    »… Dies scheint nicht zu einer neuen, sondern zu einer sehr alten Theorie zur Funktion der
    Banken zu führen: die Funktion eines einfachen Vermittlers …« (S. 166 ff)
    »Die moderne Idee, dass Banken fähig sind, Einlagen zu schaffen, schien eine überraschende
    Abkehr von der Ansicht von den meisten Ökonomen im neunzehnten Jahrhundert. Wenn wir
    uns dieser modernen Idee entsprechend dem vorhin Ausgeführten nähern, bemerken wir, dass
    sich die Sache auflöst und großteils zu denselben Elementen führt, die die früheren Autoren
    als den Kern des Bankwesens bezeichnet haben: die Bereitstellung von Vertrauen, welches die
    Wirtschaftsteilnehmer veranlasst, einander Kredite zu geben und dabei die Bank als Vermittler
    zu benutzen.« (S. 169)
    Phillips‘ Einfluss war in der Tat signifikant. Auch im Jahr 1995 behauptet Goodfriend immer noch, dass
    »… Phillips zeigte, dass die Betrachtung der Summe der Kredit- und Einlagenschaffung über
    alle einzelnen Banken hinweg, die Expansionsformel für das System als Ganzes ergibt.
    Phillips‘ definitive Darstellung bestimmt im wesentlichen ein für alle Mal die Therie in der
    Form, wie sie in den heutigen Wirtschaftslehrbüchern steht.«
    Nachdruck in Yohe (1995, S. 535)
    Aussagen wie diese wurden in den 1950er- und 1960er-Jahren zum Mainstream.{25} Die TeilreserveTheorie wurde im Laufe der Zeit in den Lehrbücher zur vorherrschenden Beschreibungen der
    Funktionsweise des Geld- und Bankensystems. Es gibt kein repräsentativeres und einflussreicheres
    Nachkriegslehrbuch als das von Samuelson (1948). Das ursprüngliche erste Auflage enthält eine klare
    Beschreibung der Teilreserve-Theorie: Unter dem Titel „Können Banken wirklich Geld zu schaffen?“
    verwirft Samuelson zuerst „noch immer weit verbreitete, falsche Erklärungen“ (S. 324.):
    „Nach diesen falschen Erklärungen, können Manager einer gewöhnlichen Bank durch
    Benutzung ihrer Füllfedern, für jeden Dollar ihrer Einlagen mehrere Dollar verleihen. Kein
    Wunder, dass praktische Banker rot sehen, wenn Ihnen solche Handlungsweisen
    zugeschrieben werden. Sie wünschten, sie könnten das tun. Wie jeder Banker weiß, kann er
    nicht Geld investieren, das er nicht hat; und dass jedwedes Geld, das er investiert indem er ein
    Wertpapier kauft oder einen Kredit vergibt, sehr bald seine Bank verlässt.“ (S. 324)
    Samuelson führt also aus, dass eine Bank zuerst Mittel benötigt, bevor sie Bankkredite vergeben kann.
    Das stimmt nicht mit der Kreditschöpfungtheorie überein. Allerdings erklärt Samuelson, dass das
    Bankensystem Geld im Gesamten betrachtet, Geld schöpft. Er veranschaulicht seine Erklärung anhand
    eines Beispiels einer „kleinen Bank“, mit der Anforderung einer 20%igen Mindestreserve und unter
    Berücksichtigung der Konten der Bank (B / S). Wenn diese Bank neue Bareinlagen von $ 1000 erhält,
    fragt Samuelson (S. 325) „Was kann die Bank jetzt tun?“.
    »Kann sie ihre Kreditvergabe und Investitionen um $ 4000 erweitern …?«
    »Die Antwort ist eindeutig „nein“. Warum nicht? Weil sich in der Bilanz sich Aktiva und
    Passiva entsprechen. Barreserven erfüllen nicht die gesetzlich geforderten 20%
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    Mindestreserve der gesamten Einlagen. Korrekt. Aber wie bezahlt die Bank Investitionen oder
    Vermögenswerte, die sie erwirbt? Wie jeder andere stellt sie einen Scheck aus – an
    denjenigen, der die Anleihe oder das Wertpapier verkauft. … Der Kreditnehmer gibt das Geld
    Arbeit und Material aus oder vielleicht für ein Auto. Das Geld wird daher sehr bald von der
    Bank ausbezahlt werden müssen. … Eine Bank kann nicht beides haben. Die Tabelle 4b
    zeichnet daher ein völlig falsches Bild von dem, was eine einzelne Bank tun kann.« (S. 325
    ff.)
    Stattdessen erklärt Samuelson, dass eine einzelne Bank nicht Kredit aus dem Nichts schöpfen kann, weil
    das ganze verliehene Geld die Bank verlassen wird:
    »Soweit es die erste Bank betrifft, sind wir fertig. Ihre gesetzlich vorgeschriebenen Reserven
    entsprechen gerade ausreichend ihren Einlagen. Es gibt nichts, was sie noch tun könnte, bis
    sich das Publikum entscheidet, mehr Geld einzuzahlen.« (S. 326)
    Andererseits betont Samuelson
    »Das Bankensystem als Ganzes tut das, was jede einzelne kleine Bank nicht kann!« (S. 324),
    nämlich Geld schaffen. Dies erklärt Samuelson durch den iterativen Prozess der Vergabe von Krediten
    einer Bank (basierend auf vorherigen Einlagen), die zu Einlagen einer anderen Bank werden usw. Er
    zeigt, „diese Reihe der Einlagenschaffung“ in einer Tabelle, dass aufgrund der Mindestreservepflicht von
    20%, was einem „Geldmultiplikator“ von 5 impliziert (vorausgesetzt, es geht kein Bargeld verloren), im
    Bankensystem Einlagen in der Höhe von insgesamt $ 5000 (aus den $ 1000) enstehen.
    Was Samuelson die „multiple Einlagenausweitung“ nennt, wird ein halbes Jahrhundert später in der
    gleichen Weise und mit bemerkenswerte Ähnlichkeit in der fünfzehnten Auflage seines Buches
    (Samuelson und Nordhaus, 1995) beschrieben, nur dass die im Beispiel angeführte Mindestreserve auf
    10% gesenkt wurde: „Alle Banken zusammen können, was eine einzelne nicht kann.“ (S. 493) Es gibt
    subtile aber wichtige Unterschiede. Der diesem Thema gewidmete Abschnitt ist 1995 viel im Vergleich zu
    1948 viel kürzer. Die moderne Lehrbuch sagt, dass die von Zentralbanken geschaffenen Reserven den
    Banken als „Ausgangsbasis“ dienen und dass diese in eine „viel größere Menge von Buchgeld“
    „transformiert“ werden (S. 490) Es ist wird kaum versucht, auf die Kreditschöpfungstheorie einzugehen.
    Stattdessen wird jede Bank unzweideutig als reiner Finanzvermittler dargestellt, der Einlagen sammeln
    Einlagen und diese (abzüglich der Mindestreserven) verleiht.{26} Die Teilreserve-Theorie ist Mainstream
    geworden:
    »Jedes einzelne kleine Bank ist in ihren Möglichkeiten, Kredite zu vergeben und Investitionen
    zu tätigen eingeschränkt. Sie kann nicht mehr verleihen oder zu investieren, als sie von den
    Einlegern erhalten hat.« (S. 496)
    In der Zwischenzeit werden Bankeinlagen vom „Finanzsystem“ durch einen abstrakter Prozess
    „bereitgestellt“, über den jede einzelne Bank wenig Kontrolle hat (S. 494). Die unzweideutige
    Teilreserve-Theorie, scheint aus den Jahren nach 1950 zu kommen. Sie wird in Bild 1 beschrieben.
    12/37
    Bild 1
    Die Teilreserve-Theorie, wie sie in vielen Lehrbüchern dargestellt wird.
    In dieser Darstellung bewegen sich die Mittel zwischen dem Publikum, den Banken und der Zentralbank
    ohne Barrieren. Jede Bank ist ein Finanzvermittler, aber insgesamt wird, aufgrund des TeilreserveSystems, im Bankensystem Geld geschaffen (multipliziert). Genauer gesagt, kann jede einzelne Bank nur
    Kredite vergeben, wenn sie vorher neue Reserven erhalten hat, von denen ein Teil immer bei der
    Zentralbank hinterlegt sein muss. Die einzelne Bank ist nur in der Lage, Kredite entsprechend ihrer
    Überschussreserven zu vergeben, wie das in wichtigen Lehrbüchern dargestellt ist. In den Worten von
    Stiglitz (1997):
    »Es sollte klar sein, dass keine einzelne Bank ihre Einlagen vervielfachen kann, wenn es viele
    Banken gibt. Einzelne Banken sind sich möglicherweise gar nicht bewusst, welche Rolle sie
    beim Prozess der Schaffung von multiplen Einlagen spielen. Alles, was sie sehen, ist, dass
    sich ihre Einlagen erhöht haben und sie damit in der Lage sind mehr Kredite zu vergeben.«
    (S. 737)
    In einem anderen Lehrbuch über die Geld und Banken:
    »In diesem Beispiel zahlt eine Person $ 100 000 bei Bank 1 ein, indem sie einen Scheck von
    einer anderen Bank zieht. Diese $ 100 000 werden ein Teil der Reserven von Bank 1. Weil
    diese Einlage sofort Überschussreserven erzeugt, wird es für Bank 1 möglich weitere Kredite
    zu vergeben. Bank 1 verleiht die Überschussreserven, um Zinsen zu verdienen. Eine Bank
    wird nicht mehr als seine Überschussreserven verleihen, weil sie eine gewisse gesetzliche
    Mindestreserve halten muss.«
    Miller und VanHoose (1993, S. 331)
    Die Hinterlegung eines Schecks von einer anderen Bank führt jedoch nicht zur Erhöhung der
    „Gesamtsumme von Einlagen und Geld“:
    »Denken Sie jedoch daran, dass die Einlage ein von einer anderen Bank ausgestellter Scheck
    war. Daher bedeutet für die andere Bank eine Reduktion ihrer Einlagen und Reserven.
    Während sich für Bank 1 Aktiva und Passiva insgesamt um $ 100 000 erhöht haben, sind
    diese bei der anderen Bank um $ 100 000 zurückgegangen. So bleibt die Gesamtmenge an
    Geld und Kredit in der Wirtschaft bei der Übertragung von Mitteln von einem Kreditinstitut
    zum anderen unverändert. Jedes Kreditinstitut kann Kredit (und Einlagen) nur im Umfang
    ihrer Überschussreserven schaffen. Es ist zu bedenken, dass keine neue Reserven geschaffen
    werden, wenn eine Bank einen Scheck ausstellt und dieser bei einer anderen Bank hinterlegt
    wird. Das Federal Reserve System kann jedoch neue Reserven schaffen.« (S. 331)
    13/37
    Das Lehrbuch von Heffernan (1996) sagt:
    »Um es zusammenzufassen: alle modernen Banken agieren als Vermittler zwischen
    Kreditnehmer und Kreditgeber, aber sie können das auf eine vielfältig verschiedene Weise
    tun, vom traditionellen Sammeln von Einlagen und dem Verleihen eines Teils davon, bis hin
    zum Anbieten kostenpflichtiger Finanzdienstleistungen.« (S. 18)
    »Für die Bank, die diese überschüssigen Mittel einsammelt, gibt es eine Möglichkeit zum
    Profit durch die Kreditvergabe nach dem Prinzip der Teilreserve, d.h. sie verleihen Geld zu
    einem Zinssatz der höher ist als der Einlagenzins und außerdem die Risiko- und die
    Vermittlungskosten abdeckt.« (S. 20)
    Auch wenn die Teilreserve-Theorie erfolgreich viele Anhänger gewonnen hat, wodurch sie bis heute als
    wichtige und einflussreiche Theorie gilt, ist sie nicht gerade berühmt für ihre Klarheit:
    »Das Problem der Art und Weise, wie das Bankensystem das Gesamtvolumen der
    zirkulierenden Mittel erhöht, während gleichzeitig die Möglichkeiten der Kreditvergabe von
    einzelnen Banken stark eingeschränkt sind, hat sich für Autoren, die über die Theorie des
    Bankwesens geschrieben haben, als eines der rätselhaftesten erwiesen.«
    Mints (1945, S. 39)
    Es wurden mehrere Versuche unternommen, diese Schwierigkeiten innerhalb der Teilreserve-Theorie zu
    lösen, so wie von Saving (1977), der die Menge der Bankeinlagen als eine Funktion des Sparerverhaltens
    formulierte – mit Argument, dass die Geldmenge endogen sei. Im Endeffekt verschob das die
    Vermittlerfunktion von der einzelnen Bank auf die Ebene der Wirtschaft als Ganzes, was den Weg zur
    Formulierung der Finanzintermediär-Theorie ebnete, der wir uns jetzt zuwenden.
    2.3 Die Finanzintermediär-Theorie
    Während die Teilreserve-Theorie von den 1930er bis in die 1960er-Jahre sehr einflussreich war, hat wohl
    Keynes wesentlich den Samen des Zweifels gesät. Bereits in seinem Treatise on Money Keynes (1930)
    nutzt er Anführungszeichen, um sich suggestiv auf „Die ‚Schaffung‘ des Bankgeldes“ (eine
    Kapitelüberschrift) zu beziehen. Dieses rhetorisches Mittel, durch den Experten, der als führender
    Wirtschaftswissenschaftler der Welt gepriesen wurde, impliziert Mißbilligung sowie Spott für die Idee,
    dass die Banken Geld aus dem Nichts schaffen könnten. Dieses Mittel wurde von vielen anderen Autoren
    nach Keynes kopiert, der ebenfalls die Rolle der Banken als „Finanzmittler“ betonte. In Keynes‘ Worten:
    »Ein Bankier ist in der Lage, einen großen Teil der Mittel (nahezu 90%), die seinen Kunden in
    Form von Depositen gutgeschrieben sind, auszuleihen oder zu investieren. Soweit seine
    Depositen Spardepositen sind, handelt er nur als Vermittler bei der Übertragung von
    Anleihekapital. Soweit es sich um Kassendepositen handelt, beschafft er sowohl seinen
    Einlegern Geld als auch seinen Kreditnehmern Mittel. Somit erfüllt eine moderne Bank zwei
    getrennte Arten von Diensten. Sie liefert einen Ersatz für das Staatsgeld, indem sie als
    Abrechnungsstelle tätig wird und laufende Zahlungen zwischen ihren verschiedenen Kunden
    mittels Buchungen auf der Soll- und Habenseite ausführt. Aber sie wird auch in bezug auf
    eine besondere Art des Kreditgeschäfts als Vermittler tätig, indem sie von dem Publikum
    Depositen entgegennimmt, die sie zum Ankauf von Effekten oder zur Kreditgewährung an
    Industrie und Handel hauptsächlich zur Befriedigung des Betriebskapitalbedarfs verwendet.
    Dieser Dualismus der Funktionen ist der Schlüssel für manche Schwierigkeiten der modernen
    Geld- und Kredittheorie und die Quelle einiger schwerer Denkfehler.«
    Keynes (1932, S. 470)
    14/37
    Der Keynes des Treatise scheint zu sagen, was die beiden Funktionen von Banken sind: entweder das
    Agieren als Finanzintermediär um für den Handel Abrechnungen zu machen oder das Agieren als
    Finanzintermediär der Einlagen sammelt und den Großteil von diesen verleiht. Geldschöpfung scheint
    keine im Spiel zu sein, schon gar nicht auf der Ebene einer einzelnen Bank. Keynes‘ einflussreichstes
    Werk, die General Theory (Keynes, 1936) stellte seinen früheren Treatise of Money schnell in den
    Schatten, vor allem im Hinblick auf den Einfluss auf die öffentliche Debatte. In der General Theory, hat
    Keynes keine Betonung auf Banken gelegt, von denen er jetzt behauptet, sie wären Finanzintermediäre,
    die zu Einlagen sammeln müssen, bevor sie Kredite vergeben können:
    »Die Vorstellung, daß die Schöpfung von Kredit durch das Banksystem die Vornahme von
    Investitionen zuläßt, denen „keine echte Ersparnis“ gegenübersteht, kann nur davon herrühren
    daß eine der Folgen des vermehrten Bankkredites unter Ausschluß der übrigen herausgehoben
    wird. … und es ist unmöglich, daß sich die Absicht des Unternehmers, der geborgt hat, um
    seine Investitionen zu vergrößern (wenn es sich nicht um eine Investition handelt, die sonst
    durch andere Unternehmer vorgenommen wäre), rascher verwirklicht, als sich das Publikum
    entschließt, seine Ersparnisse zu vermehren. … Niemand kann gezwungen werden, das
    zusätzliche Geld zu halten, das dem neuen Bankkredit entspricht, sofern er nicht absichtlich
    das Halten von mehr Geld dem Halten irgendeiner anderen Vermögensform vorzieht. … Die
    altmodische Anschauung, daß Ersparnis immer Investition bedingt, ist somit, obschon
    unvollständig und irreführend, im Kern gesünder als die neumodische Anschauung, daß es
    Ersparnis ohne Investition oder Investition ohne „echte“ Ersparnis geben kann.«
    Keynes (2009, S. 71 ff.)
    Schumpeter (1954) kommentierte diese Veränderung in Keynes‘ Sichtweise:
    Der »Einlagen schaffende Bankkredit und seine Rolle bei der Finanzierung von Investitionen
    ohne vorheriges Sparen der Kreditsumme ist praktisch aus der analytischen Darstellung der
    General Theory verschwunden, anstatt dessen erscheint das sparende Publikum auf der
    Bühne. Der orthodoxe Keynesianismus hat sich in der Tat wieder an der alte Ansicht
    zugewandt … Ob dieser Zauber Fortschritt oder Rückschritt ist, muss jeder Ökonom für sich
    selbst entscheiden« (S. 1115, Kursivschrift im Original).
    In der frühen Nachkriegszeit sahen wir einen beispiellosen Einfluss von Keynes‘ General Theory und
    eine keynesianische Schule des Denkens, die es schaffte, Keynes‘ frühere Werke über die
    Kreditschöpfung der Banken zu ignorieren, wurde in der Wissenschaft dominant. Dadurch, dass ein
    ehemaliger Hauptbefürworter sowohl der Kreditschöpfungstheorie als auch der Teilreserve-Theorie seine
    Sichtweise in Richtung der neuen Finanzintermediär-Theorie geändert hat, war es keine Überraschung,
    dass andere folgten.
    Eine einflussreiche Herausforderung für die Teilreserve-Theorie wurde von Gurley und Shaw, 1955 und
    Gurley und Shaw, 1960 vorgebracht. Sie lehnten die Auffassung ab, dass „Banken sich mit ihrer
    Fähigkeit, selbst Kreditmitteln zu schaffen, von den anderen Vermittlern unterscheiden, die im Gegensatz
    zu Banken damit beschäftigt sind, eine bescheidenen Maklerfunktion ausfüllen, um Kreditmitteln zu
    übertragen, die anderswo irgendwie erzeugt werden.“ (1955, S. 521) Abgesehen von den üblichen
    rhetorischen Mitteln, um alternative Theorien zu verunglimpfen, war das eigentliche Argument von
    Gurley und Shaw, dass Banken nicht als „besonders“ betrachtet werden dürfen, da ihre Funktion als
    Finanzvermittler identisch mit der anderer Finanzintermediäre ist:
    »Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen dem Geldsystem und nicht-monetären Vermittlern und
    die Ähnlichkeiten sind wichtiger als die Unterschiede. Beide Arten von Finanzinstituten
    schaffen finanzielle Forderungen; und beide können in Bezug auf eine beliebige Art der
    Vermögenswerte, die sie halten, mehrfach spezielle Verbindlichkeiten schaffen.«
    Gurley und Shaw (1960, S. 202)
    15/37
    Banken und das Bankensystem, wird uns gesagt, sind wie andere Finanzinstitute, sie müssen zuerst
    Einlagen sammeln und sind dann in der Lage, diese verleihen. Nach dieser Sichtweise ist die besondere
    Rolle von Banken nur ein Überbleibsel von veralteten Vorschriften, welche Banken besonders behandeln.
    Deshalb, so argumentieren sie, sollte die Federal Reserve ihre Aufsichtsfunktion auch auf die wachsende
    Gruppe von Finanzinstitutionen, die keine Banken sind, ausdehnen und damit gleich wie Kreditinstitute
    behandeln.
    Anfängliche Herausforderungen von den Befürwortern der Teilreserve-Theorie (siehe Guttentag &
    Lindsay, 1968) wurden in den 1960er-Jahren, hinweg gefegt, als James Tobin, ein aufsteigender Star in
    den Wirtschaftswissenschaften, einen klaren Standpunkt bezogen und eine andere „neue Sichtweise“ zu
    Banken verkündet und so die moderne Version der Finanzintermediär-Theorie formuliert hat.
    »Tobin (1963), 1963 auf den Trümmern stehend, um die „neue Sichtweise“ zu
    Geschäftsbanken darzulegen, ganz mit Gurley und Shaw gegen die traditionelle Sichtweise.«
    Guttentag und Lindsay (1968, S. 993)
    Wie Keynes, Alhadreff und andere vor ihm, hat sich Tobin ausschließlich in Anführungszeichen auf die
    Bankkreditschöpfung bezogen und rhetorische Mittel verwendet, um die Idee, dass die Banken, einzeln
    oder gemeinsam, Geld und Kredit schaffen könnten, lächerlich zu machen. Tobin (1963) erklärt:
    »Weder einzeln noch kollektiv betrachtet, besitzen Geschäftsbanken einen Zauberhut .« (S. 412)
    »Die Unterscheidung zwischen Geschäftsbanken und anderen Finanzintermediären ist zu
    stark gezogen. Die Unterschiede sind graduell, aber nicht kategorisch … Insbesondere haben
    die Unterschiede, die es gibt, für sich genommen wenig zu tun mit der monetären Natur von
    Bankverbindlichkeiten … Die Unterschiede beziehen sich im wesentlichen auf die speziellen
    Reserveanforderungen und Zinsobergrenzen, denen Banken unterliegen. Jede andere
    Finanzinstitution, die der gleichen Art von Regelungen unterliegt, würde sich fast gleich
    verhalten.« (S. 418)
    Banken scheinen nur anders zu sein, weil die Regulierer fälschlicherweise beschlossen haben, für sie
    besondere Regeln zu schaffen. Nach der Sicht von Tobin sind „Geschäftsbanken anders, weil sie
    kontrolliert werden und nicht umgekehrt“ (Guttentag & Lindsay, 1968, S. 993). Das Portfoliomodell von
    Tobin und Brainard (1963) machte keinen Unterschied zwischen Banken und anderen
    Finanzintermediäre, die keine Banken sind, mehr noch, es ignoriert die Rolle der Banken vollständig und
    trug viel bei zu der modernen Mainstream-Sichtweise von ökonomischen Modellen ohne Banken.
    Branson (1968) entwickelte Tobins neuen Ansatz weiter, der in den führenden Zeitschriften populär war.
    Guttentag und Lindsay (1968) schrieben, im Journal of Political Economy, dass trotz der
    Herausforderung durch Gurley und Shaw (1955) „dass Problem der Einzigartigkeit ungeklärt bleibt“ (S.
    992). Banken, so argumentierten sie, sind bzgl. ihrer Rolle und ihrem Einfluss anders im Vergleich zu
    Finanzvermittlern, die keine Banken sind, da „Geschäftsbanken umfangreichere Möglichkeiten als
    andere Finanzintermediäre haben, dass Gesamtkreditvolumen zu verändern“ (S. 991). „Diese Punkte
    liefern eine Begründung für die besondere Kontrolle von Geschäftsbanken, die über die Notwendigkeit,
    Finanzpaniken zu verhindern, hinausgeht. Es ist die Begründung, die von Verteidigern der traditionellen
    Sicht, dass die Geschäftsbanken ‚einzigartig‘ sind, seit der Herausforderung von Gurley und Shaw gesucht
    worden ist.“ (S. 991)
    Unerschütterlich bekräftigte Tobin (1969) seine Ansicht in einem Artikel, der seinen Portfolio- BilanzAnsatz für die Finanzmärkte fundieren sollte, in dem argumentiert wird, dass Finanzmärkte komplexe
    Netze aus Vermögenswerten und Preisen sind, in denen Banken eine der vielen Arten von
    Finanzintermediäre ohne eine besondere Rolle sind.{27} Dies war der erste Artikel in der ersten Ausgabe
    der neuen Zeitschrift, das Journal of Money, Credit and Banking. Während der Name Offenheit für
    verschiedene Theorien suggeriert, wurden tatsächlich nur Artikel veröffentlicht, die nicht die
    Kreditschöpfungstheorie unterstützen und im Einklang mit der Finanzintermediär-Theorie stehen. Dies
    16/37
    gilt auch für die meisten anderen Fachzeitschriften, die als „führende Zeitschriften“ der
    Wirtschaftswissenschaften eingestuft werden (zum Beispiel bei der von der UK Association of Business
    Schools bewerteten Liste). Der Portfolio-Bilanz-Ansatz, der alle Finanzinstitute als reine
    Portfoliomanager betrachtet, übernahm die Vorherrschaft. Es bewirkte, dass die FinanzintermediärTheorie weltweit zum vorherrschenden Glaubensbekenntnis unter Ökonomen wurde.
    Zu den modernen Befürwortern der allgegenwärtigen Finanzintermediär-Theorie gehören unter anderem:
    Klein (1971), Monti (1972), Sealey und Lindley (1977), Diamond und Dybvig, 1983, Diamond, 1984,
    Diamond, 1991 und Diamond, 2007 Spring, Eatwell, Milgate und Newman (1989), Gorton und Pennacchi
    (1990), Bencivenga und Smith (1991), Bernanke und Gertler (1995), Rajan (1998), Myers und Rajan
    (1998), Allen und Gale, 2000, Allen und Gale, 2004a und Allen und Gale, 2004b, Allen und Santomero
    (2001), Diamond und Rajan (2001), Kashyap et al., 2002 und Hoshi und Kashyap 2004, Matthews und
    Thompson (2005), Casu und Girardone 2006 und Dewatripont et al., 2010, Gertler und Kiyotaki (2011)
    und Stein (2014). Es gibt viele mehr: Es ist unmöglich sie vollständig aufzulisten, da die überwiegende
    Mehrheit der in den letzten dreißig bis vierzig Jahren in führenden Wirtschafts- und Finanzzeitschriften
    publizierten Artikel die Finanzintermediär-Theorie zur Prämisse hatten.{28}
    Um nur einige Beispiele zu zitieren modellen, Klein (1971), Monti (1972) (später EU-Kommissar und
    Ministerpräsident von Italien) und andere Banken als Finanzintermediäre, die Einlagen sammeln und
    diese Mittel als Kredite vergeben
    »Die Bank hat zwei Hauptfinanzierungsquellen; die ursprünglich investierte Eigenkapital …
    und das Fremdkapital, das durch die Ausgabe von verschiedenen Arten von Einlagen gesichert
    ist …«
    Klein (1971, S. 208)
    »… Es wird gezeigt, wie die Bank die Preise bestimmt, die sie für verschiedene Arten von
    Einlagen bezahlt und wie diese Preise in Verbindung mit den Einlagenmengenfunktionen, mit
    denen sich die Bank konfrontiert sieht, den Umfang und die Zusammensetzung der
    Verbindlichkeiten aus Einlagen, die die Bank aufnimmt, bestimmen.«
    Klein (1971, S. 210)
    Diamond und Dybvig (1983) wird als die bahnbrechende Arbeit auf dem Gebiet des Bankwesens zitiert;
    sie erklären, dass die „Illiquidität von Vermögenswerten die logische Grundlage sowohl für die Existenz
    von Banken als auch für ihre Empfindlichkeit gegenüber einem Ansturm ist“ (S. 403). Aber tatsächlich
    macht ihre Theorie keinen Unterschied zwischen Banken und Nichtbanken. Sie sind daher nicht in der
    Lage, zu erklären, warum wir von Anstürmen auf Banken hören, aber nicht von „Anstürmen auf
    Versicherungen“ oder „Anstürmen auf Finanzunternehmen“, obwohl auch diese illiquide Vermögenswerte
    halten und Kredite vergeben. Diamond und Dybvig schaffen es nicht, herauszuarbeiten, was Banken
    besonders machen könnte, da sie davon ausgehen, dass sie es nicht sind.
    Andere Theorien von Banken als Finanzintermediäre werden von Mayer (1988) und Hellwig, 1977,
    Hellwig, 1991 und Hellwig, 2000, vorgestellt, die ebenfalls glauben auch, dass Banken lediglich
    Finanzintermediäre sind:
    »Die Analyse verwendet das ursprüngliche Modell von Diamond (1984) des finanziellen
    Vertragsabschlusses mit Vermittlung als delegierte Überwachung. … Es wird davon
    ausgegangen, das die Überwachung zu teuer ist, um von den vielen Haushalten verwendet zu
    werden, die nötig sind, um eine Firma oder einen Vermittler zu finanzieren. Allerdings kann
    eine Direktfinanzierung der Unternehmen auf Grundlage von nicht-pekuniären Strafen durch
    vermitteltes Geld mit der Überwachung von Unternehmen durch einen Vermittler bestimmt
    werden, der wiederum das Geld von Haushalten durch Verträge erhält, die nicht-pekuniäre
    Strafen umfassen.«
    Hellwig (2000, S. 721 ff.)
    Bei Bankfachmann Heffernan (1996) heißt es:
    17/37
    »Die Existenz der „traditionellen“ Bank, die zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber
    vermittelt und für ihre Kunden Zahlungsdienstleistungen anbieten, passt gut zur CoaseTheorie.« (S. 21)
    Oder ein führendes Lehrbuch über internationale Wirtschaft und Finanzen, von Krugman und Obstfeld
    (2000):
    »Die Banken verwenden Mittel der Einleger um Kredite zu vergeben und andere
    Vermögenswerte zu kaufen …« (S. 659)
    Eine weit verbreitetes Nachschlagewerk über Banken und Geld – the New Palgrave Money (Eatwell et al.,
    1989) – enthält eine Reihe von Beiträgen von führenden Geldökonomen und Bankexperten. Darin
    befürwortet Baltensperger (1989) klar die Finanzintermediär-Theorie:
    »Die Rolle des Kredits als solcher muss deutlich von der wirtschaftlichen Rolle der
    Kreditinstitute, wie Banken getrennt werden, die auf dem Kreditmarkt durch den Kauf und
    gleichzeitigen Verkauf von Kreditinstrumenten (einer anderen Art und Qualität) die Rolle von
    spezialisierten Vermittlern spielen. Da die letztendlichen Kreditnehmer und Kreditgeber im
    Prinzip Geschäfte direkt miteinander, ohne die Hilfe eines solchen Vermittlers tätigen können,
    muss die Funktion dieser Zwischenhändler als getrennt vom Kredit als solchen betrachtet
    werden. Es können zwei Hauptfunktionen von Institutionen dieser Art unterschieden werden.
    Die erste ist die Funktion des Risikokonsolidierung und -transformation. … Die zweite
    Hauptfunktion dieser Institutionen ist, der eines Maklers an den Kreditmärkten. Als solche
    spezialisieren sie sich auf die Herstellung von intertemporalen Termingeschäften und
    verdanken ihre Existenz ihrer Fähigkeit, zur Zusammenarbeit von Gläubiger und Schuldner
    zu geringeren Kosten zustande zu bringen, als letztere dies durch direkte Transaktionen
    könnten.« (S. 100 ff.)
    In der Tat bezeichnen fast alle Autoren in diesem Nachschlagewerk Banken als reine Finanzvermittler,
    auch Goodhart (1989):
    »„Vermittlung“ bezieht sich im Allgemeinen auf die Zwischenschaltung von einem
    Finanzinstitut in den Prozess der Übertragung von Mitteln zwischen dem eigentlichen Sparer
    und dem Endkreditnehmer. … Nichtvermittlung wird dann auftreten, wenn es zu
    Interventionen kommt – in der Regel von staatlichen Behörden zum Zwecke der Kontrolle
    oder Regelung des Wachstums von Finanzintermediären. Das verringert deren Vorteile bei der
    Bereitstellung von Finanzdienstleistungen und treibt Finanztransfers und Geschäfte in andere
    Kanäle. … Ein Beispiel wäre, dass belastende Mindestreserve-Anforderungen für Banken
    dazu führen, dass sie die Marge (die Spanne) zwischen Einlagen- und Kreditzinsen erhöhen,
    um ihre Rentabilität sicherzustellen, und dies so sehr, dass kreditwürdigere Kreditnehmer
    dazu motiviert sind, sich kurzfristige Gelder direkt von Sparern zu holen, bspw. auf dem
    Wertpapiermarkt.« (S. 144)
    Myers und Rajan (1998) schreiben:
    »Wir modellieren den Vermittler als eine Bank, die sich aus einer Reihe von einzelnen
    Investoren etwas für das eigene Kerngeschäft leiht und um für Projekte weiter zu verleihen.
    … Auch wenn die Bank mehr aus dem Endkreditnehmer herausholen könnte, muss die Bank
    diese Kredite durch Kreditaufnahme bei einzelnen Investoren finanzieren.« (S. 755)
    Allen und Santomero (2001) schreiben in ihrer Arbeit mit dem Titel „Was machen Finanzintermediäre?“:
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    »In dieser Arbeit verwenden wir diese Beobachtungen als Ausgangspunkt für die Überlegung,
    was Finanzintermediäre machen. Zentral ist natürlich, dass Finanzsysteme die Funktion der
    Umschichtung von Mitteln durchführen und zwar von Wirtschaftsteilnehmern mit
    überschüssigen Mitteln (den Sparern) zu Wirtschaftsteilnehmern mit Finanzierungsbedarf
    (den Kreditnehmern).« (S. 272)
    Kashyap (2002) glaubt auch, dass die Banken reine Finanzvermittler sind, die sich nicht wesentlich von
    anderen Finanzinstitutionen unterscheiden, die keine Banken sind.{29}
    Bei Stein (2014) heißt es, wenn auch mit einigem Zögern:
    »… zumindest in einigen Fällen scheint es, dass die Größe einer Bank durch ihre Einlagen
    bestimmt wird und wenn diese Einlagen gegeben sind, es ihr Problem ist, wie sie diese am
    besten investiert.« (S. 5)
    »Insgesamt ist unsere Synthese dieser stilisierten Fakten, dass es das Geschäft der Banken ist,
    Einlagen entgegenzunehmen und diese zu investieren – in festverzinsliche Vermögenswerte,
    die bestimmte, genau definierte Risiko- und Liquiditätsanforderungen erfüllen und entweder
    Kredite oder Wertpapiere werden können.« (S. 7)
    Die Finanzintermediär-Theorie beinhaltet die „Kreditsicht“ in der Makroökonomie, welche einen
    „Bankkreditkanal“ der Geldübertragung vorschlägt (Bernanke und Blinder, 1989 und Bernanke und
    Gertler, 1995), ebenso wie die neoklassischen und neuen klassischen makroökonomischen Modelle
    (sofern sie Banken überhaupt berücksichtigen). Für diese Modelle und die meisten zeitgenössischen
    Autoren auf dem Gebiet Wirtschaft und Finanzen sind Banken sind Finanzintermediäre wie andere
    Unternehmen der Finanzbranche, die ihren Fokus auf die „Transformation“ der Verbindlichkeiten mit
    besonderen Merkmalen in Vermögenswerte mit anderen Merkmalen (z.B. im Hinblick auf Laufzeit,
    Liquidität und Umfang) oder auf die „Kontrolle“ anderer (Sheard, 1989, ein weiterer Anhänger der
    Finanzintermediär-Theorie) legen, aber weder einzeln noch kollektiv Kredit schöpfen. Das gilt für viele
    „Post-Keynesianer“, die erklären, dass die Geldmenge durch die Nachfrage nach Geld bestimmt ist. Es
    gilt auch für beliebte Beschreibungen, so wie die von Koo und Fujita (1997), die ausführen, dass die
    Banken lediglich Finanzintermediäre sind:
    »Aber diese Finanzinstitute, die die Gegenstücke der Bank of Japan sind, erhalten ihre Mittel
    primär aus dem Geld, dass die Einleger bei ihnen eingezahlt haben. Dieses Geld können sie
    nicht für den Konsum und Investitionen weitergeben, weil sie es gegen Zinsen verleihen
    müssen, um Geld zu verdienen. Mit anderen Worten: Damit dieses Geld die Wirtschaft
    fördert, müssen diese Finanzinstitute es Unternehmen und Einzelpersonen verleihen. Die
    Kreditnehmer müssen es dann verwenden, um Vermögenswerte wie Maschinen, Häuser oder
    Dienstleistungen zu kaufen.« (S. 31)
    Eine aktuelle Arbeit von Allen, Carletti und Gale (2014) bezieht Geld ein – wenn auch nur Bargeld, das
    durch die Notenbank geschöpft wurde, während die Banken reine Finanzinstitute sind, die nicht Geld
    oder Kredit schöpfen können.
    Als Folge davon beinhalten die führenden Prognosemodelle, die von politischen Entscheidungsträgern
    verwendet werden, keine Banken (Bank of England, 2014a). Auch scheint die ursprüngliche Bedeutung
    der Kreditschöpfung in der modernen Literatur vergessen worden zu sein: Bernanke (1993) verwendet
    den Begriff „Kreditschöpfung“ oft in seinem Artikel, aber er erklärt, dass dieses Konzept definiert ist als
    der „Prozess, mit dem Spareinlagen für alternative Verwendungen kanalisiert werden“, z.B. die
    Vermittlung von Spareinlagen als Kredite:
    »Die zufällige Verbindung von Ereignissen und Ideen hat bei den meisten Ökonomen und
    Politikern zu einem verbesserten Verständnis der Rolle des Kredits in der Makroökonomie
    beigetragen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, die makroökonomische Rolle des Kredits, genauer:
    19/37
    die den Prozess der Kreditschöpfung, zu überprüfen und einige aktuelle Entwicklungen nach
    unserem Verständnis zu interpretieren. Mit Kreditentstehungsprozess, meine ich den Prozess,
    durch den, im Austausch für die Ansprüche in Form von Wertpapieren, die Spareinlagen von
    bestimmten Personen oder Unternehmen für die Verwendung von anderen Personen oder
    Firmen verfügbar gemacht werden (zum Beispiel, um Investitionen zu tätigen oder einfach
    nur zu konsumieren). Beachten Sie, dass ich streng unterscheide zwischen der
    Kreditschöpfung, also dem Prozess, mit dem Spareinlagen für alternative Verwendungen
    kanalisiert werden und den Akt des Sparens selbst … In meiner weitläufigen Konzeption des
    Kreditentstehungsprozesses inkludiere ich die Wertschöpfung der Finanzbranche,
    einschließlich der Informationsbeschaffung, Aufzeichnung und und Kontrollaktivitäten, die
    erforderlich sind, gute Kredite zu vergeben oder gute Investitionen zu tätigen, sowie einen
    Großteil der Risikoverteilung, der Fristentransformation und der Bereistellung von Liquidität,
    die Sparer anzieht so die grundlegenden Kredit- und Investitionsfunktionen fördert. Ebenso
    möchte ich in meiner Definition des Kreditentstehungsprozesses die Aktivitäten potentieller
    Kreditnehmer einbeziehen, durch die sie Informationen über sich selbst an die Kreditgeber
    übermitteln: für Unternehmen sind das zum Beispiel die Bereitstellung von Daten an die
    Öffentlichkeit, interne oder externe Rechnungsprüfung, Kapitalstrukturentscheidungen und
    einige Aspekte der Unternehmensführung. Die Effizienz des Kreditentstehungsprozesses
    drückt sich aus in seiner Fähigkeit, die direkten Kosten der Kreditvergabe zu minimieren (z.B.
    der Gesamtlohnsumme der Finanzindustrie) und in dem Ausmaß, in dem er fähig ist, die
    Spareinlagen einer Volkswirtschaft den produktivsten Einsatzmöglichkeiten zuzuführen. Es ist
    die Annahme der traditionellen makroökonomischen Analyse, dass dieser
    Kreditentstehungsprozess, durch den die Mittel der letzendlichen Sparer an die Kreditnehmer
    übertragen werden, recht reibungslos funktioniert und daher in der Regel vernachlässigt
    werden kann.«
    Bernanke (1993, S. 50 ff.)
    Wie Bernanke ausdrückt, ignorieren Werke, die für Banken annehmen, dass sie eine solche
    Finanzvermittlerrolle spielen, Banken oft gänzlich, weil sie in der Wirtschaft nicht besonders wichtig oder
    relevant sein können. Viele gingen so sogar so weit, jede Art von Geld auszublenden (es gibt keine
    Geldmengenaggregate in Kiyotaki und Moore, 1997 und Woodford, 2003). Das am weitesten verbreitete
    Lehrbuch für den fortgeschrittene Master-Level der Wirtschaftswissenschaften an führenden britischen
    Universitäten im Jahr 2010 war Romer (2006). Auf Seite 3 sagt uns Romer:
    »Geld in Modelle von Wachstum einzubinden, würde nur die Analyse
    undurchsichtig machen.« (S. 3)
    2.4 Konklusio zur Überprüfung der Literatur
    Seit den 1960er-Jahren ist es zur gängigen Sichtweise geworden, Banken wie folgt zu betrachten: Sie sind
    nicht als einzigartig und und nicht fähig, Geld zu schöpfen. Im Einklang mit der FinanzintermediärTheorie sind sie reine Finanzintermediäre wie andere Finanzunternehmen. Banken wurden demnach in
    Wirtschafts- und Finanzmodellen fallengelassen und Finanzmodelle unterstellen, dass das Agieren von
    Banken keine wesentlichen makroökonomischen Auswirkungen haben. Die Fragen, wo Geld herkommt,
    wie die Geldmenge geschaffen und verteilt wird, blieben unberücksichtigt.
    Die Literaturrecherche hat ein allmähliches Fortschreiten der Sichtweisen von der
    Kreditschöpfungstheorie über die Teilreserve-Theorie zur heute allgegenwärtigen FinanzintermediärTheorie ausgemacht. Die Entwicklung verlief nicht ganz glatt; mehrere einflussreiche Verfasser haben
    entweder ihre Ansichten (gelegentlich mehrmals) geändert oder zwischen den Theorien gewechselt.
    Keynes, als einflussreiche Ökonom, tat wenig, um die Klarheit in dieser Debatte zu erhöhen, so ist es
    möglich, ihm die Befürwortung jeder der drei Hypothesen nachzusagen, die er scheinbar nacheinander
    durchwandert hat.{30} Einige Institutionen, wie beispielsweise die Bank of England, schaffen es,
    Erklärungen abzugeben, die alle drei Theorien unterstützen.
    20/37
    Wir schließen aus dieser Untersuchung der Literatur, dass alle drei Theorien im Laufe des 20.
    Jahrhunderts auch von führenden Köpfen ihrer Zeit vertreten wurden. Doch die Feststellung von Sir
    Josiah Stamp (1927), Direktor bei der Bank von England, scheint auch heute noch zu gelten, nämlich,
    dass „die öffentliche Meinung bzgl. der scheinbar einfachen Frage: ‚Können die Banken Kredit schaffen
    und wenn ja, wie und wie viel?‘ gegenwärtig sehr gespalten“ ist. Trotz eines Jahrhunderts des
    Theoretisierens in dieser Sache hat es wenig Fortschritt dabei gegeben, die Tatsachen eindeutig
    festzustellen. So gilt nach wie vor die Feststellung aus dem Jahr 1968, nämlich, dass dieses Thema nicht
    als geklärt betrachtet werden kann. Es ist möglich, dass das Pendel im Begriff ist, von der
    Finanzintermediär-Theorie weg, hin zu einer der beiden anderen Theorien zu schwingen. Aber wie
    können wir verhindern, dass sich die Geschichte nur wiederholt und die Zunft der Ökonomen ein weiteres
    Jahrhundert in Debatten ohne sichere Feststellung gefangen bleibt?
    Wie kann das Problem gelöst und die „Verwirrung“ aufgeklärt werden? Eine Ursache für diesen Zustand
    der Verwirrung ist wahrscheinlich die Methode, die in der Wirtschaftswissenschaft des 20. Jahrhunderts
    vorherrscht, nämlich die hypothetisch-deduktive Methode. Unbewiesene „Axiome“ werden „postuliert“,
    unrealistische Annahmen hinzugefügt und daraus wird dann ein theoretisches Modell gebaut. Dies kann
    für alle drei Theorien gemacht werden und wir würden in der Frage, welche Theorie denn nun tatsächlich
    korrekt ist, kein Bisschen klüger. Wie können wir die Angelegenheit klären? Der einzige Weg, wie die
    Tatsachen festgestellt werden können, ist: die Welt der deduktiven theoretischen Modelle zu verlassen
    und die empirische Realität als Schiedsrichter über die Wahrheit fungieren zu lassen – im Einklang mit
    der induktiven Methode. Mit anderen Worten: Nur empirische Beweise werden die Angelegenheit
    aufklären.
  3. Die empirische Überprüfung
    Die einfachste Möglichkeit für die Gestaltung einer Überprüfung ist es, die interne Buchhaltung einer
    Bank während des Prozesses einer Kreditvergabe zu untersuchen. Wenn alle notwendigen Prozeduren zur
    Kreditvergabe durchgeführt (von der „kenne deinen Kunden“ Legitimationsprüfung, den AntiGeldwäsche-Vorschriften über die Kreditanalyse, Risikobewertung und die Verhandlungen über die
    Einzelheiten des Kreditvertrages) und die Unterschriften für den Kredit ausgetauscht wurden, wird auf
    dem Konto des Kreditnehmers der Kreditbetrag gutgeschrieben. Die Schlüsselfrage ist, ob als
    Voraussetzung für diese Buchhaltungsoperation der gutgeschriebene Betrag nun von einem anderen
    Konto abgezogen wird, was zur Reduktion anderer Größen in der Bilanz – entweder Reserven (wie die
    Teilreserve-Theorie behauptet) oder anderer Mittel führt (wie die Finanzintermediär-Theorie behauptet).
    Sollte festgestellt werden, dass die Bank in der Lage ist, die Kreditsumme des Kreditnehmers zu buchen,
    ohne Geld von einem anderen internen oder externen Konto abzubuchen, würde das einen
    Anscheinsbeweis dafür darstellen, dass die Bank in der Lage war, die Kreditsumme aus dem Nichts zu
    schaffen. Dieser Fall würde die Kreditschöpfungstheorie stützen und demnach müsste die Theorie, dass
    die einzelne Bank ein Vermittler ist, der zuerst Einlagen oder andere Mittel sammeln muss, bevor er
    Kredite gewähren kann (in Übereinstimmung mit der Teilreserve-Theorie oder der FinanzintermediärTheorie), verworfen werden.
    3.1 Erwartete Ergebnisse
    Durch den vom Forscher genommenen Kredit über € 200 000, werden a priori, entsprechend der
    jeweiligen Theorie, folgende Änderungen in den Aufzeichnungen der Bankbuchhaltung erwartet:
    (a) Buchungssätze der Bank entsprechend der Kreditschöpfungstheorie
    Nach dieser Theorie verhalten sich Banken ganz anders als Finanzintermediäre wie Finanzmakler,
    weil sie Kundengelder und Eigenmittel nicht trennen. „Eingelegtes“ Geld wird rechtliches Eigentum
    der Bank und der „Einleger“ ist eigentlich ein Kreditgeber der Bank, zusammen mit den
    allgemeinen Gläubigern. Bei der Kreditvergabe, schafft die Bank eine imaginäre Einlage, indem sie
    die Kreditsumme auf dem Konto des Kreditnehmers gutschreibt, obwohl keine neue Einlage
    21/37
    stattgefunden hat (Kreditschöpfung aus dem Nichts). Die Bilanz der Bank verlängert sich. Bargeld,
    Zentralbankreserven oder Guthaben bei anderen Banken sind unmittelbar nicht notwendig, da
    Reserven und Eigenkapitalanforderungen nur über bestimmte Beobachtungszeiträume eingehalten
    werden müssen. Die Buchungssätze sind in Tabelle 1 dargestellt.
    Tabelle 1. Buchungssätze durch einen Bankkredit (entsprechend der Kreditschöpfungstheorie)
    (b) Buchungssätze der Bank entsprechend der Teilreserve-Theorie
    Das Herausstellungsmerkmal dieser Theorie ist, dass eine einzelne Bank nicht Kredit aus dem
    Nichts schaffen kann. Die Bank ist ein Finanzvermittler, nicht unterscheidbar von anderen
    Finanzintermediären, wie Finanzmakler oder Wertpapierfirmen. Allerdings sagt man von Banken,
    dass sie in einem Punkt anders sind, nämlich darin, wie sie reguliert sind: Aufsichtsbehörden haben
    belastende Vorschriften für sie erlassen. Diese betreffen Reserven, die bei der Zentralbank nur von
    Banken gehalten werden müssen, aber nicht von sonstigen Finanzinstituten. Eine Bank kann nur
    Kredite vergeben, wenn sie vorher die gleiche Menge an Überschussreserven erhalten hat, entweder
    von einer anderen Bank, deren Reserven dadurch abgenommen haben, oder von der Zentralbank
    (Tabelle 2).
    »Eine Bank kann nicht mehr als ihre Überschussreserven verleihen, denn nach dem
    Gesetz muss sie eine gewisse Mindestreserve halten. … Jedes Kreditinstitut kann nur im
    Umfang ihrer Überschussreserven Kredite (und Einlagen) schaffen.«
    Miller und VanHoose (1993, S. 331)
    Tabelle 2. Buchungssätze durch einen Bankkredit (entsprechend der Teilreserve-Theorie)
    Folgt man den Ausführungen von Miller und VanHoose (1993, S. 330-331), ergibt sich im Falle eine
    € 200 000 Kredits eine Bilanzentwicklung wie sie in Tabelle 2 dargestellt ist.
    Mit anderen Worten, muss die Bank zuerst ihre Überschussreserven prüfen, um Kredit vergeben zu
    können, weil das, nach dieser Theorie, eine streng verbindlich vorgeschriebene Anforderung und
    Einschränkung, sowie das Herausstellungsmerkmal für diese Theorie ist. Die Bank kann nicht
    jederzeit mehr Geld als ihre Überschussreserven verleihen und sie muss für eine Kreditvergabe ihre
    Reserven reduzieren. (Wie gesagt ist es ein weiteres Herausstellungsmerkmal, dass die
    Bilanzverlängerung dadurch bewirkt wird, dass vorher die Einlagen zunehmen, welche die
    Überschussreserven erhöht, und nicht durch die Kreditvergabe.)
    Es muss bei der Umsetzung der empirischen Überprüfung darauf geachtet werden, ob die Bank vor
    Ausstellung des Kreditvertrags oder der Auszahlung des Kreditbetrags sichergestellt hat, dass der
    exakte Betrag ihrer Überschussreserven nicht überschritten wird. Wenn herausgefunden wird, dass
    die Bank das nicht getan hat oder den Stand ihrer Reserven nicht reduziert hat, spricht das gegen die
    Teilreserve-Theorie.
    (c) Buchungssätze der Bank entsprechend der Finanzintermediär-Theorie
    Nach dieser Theorie sind Banken, soweit Zahlungen und Konten betrifft, nicht anders als ander
    Finanzinstitutionen, die keine Banken sind. Die Mindestreservepflicht spielt keine Rolle – eine
    Behauptung, die durch die empirische Beobachtung gestützt wird, dass eine Reihe von größeren
    22/37
    Volkswirtschaften wie Großbritannien und Schweden diese Reserveanforderungen vor vielen Jahren
    abgeschafft haben. Allerdings sind Finanzintermediäre in Großbritannien durch Vorschriften für
    Kundengelder der FSA / FCA verpflichtet, für Kunden Depots zu führen (eine Form der
    Verwahrung, rechtlich sind es Hinterlegungen). Kundengelder von Finanzintermediären, wie
    Wertpapierfirmen, Finanzmaklern und dergleichen, sind daher immer noch Eigentum der Einleger
    und sind von den Eigenmitteln der Finanzinstitute getrennt zu halten, sodass die Kundeneinlagen in
    der Bilanz nicht als Verbindlichkeiten ausgewiesen sind. Wenn Banken lediglich Finanzintermediäre
    sind, ununterscheidbar von anderen Vermittlern, dann sind alle Mittel der Bank Zentralbankgeld, das
    bei der Zentralbank in Reserve gehalten wird oder bei anderen Banken deponiert ist. Die
    Auswirkungen auf die Bilanz sind nachstehend in Tabelle 3 dargestellt.
    Tabelle 3. Buchungssätze durch einen Bankkredit (entsprechend der Finanzintermediär-Theorie)
    Nach dieser Theorie wird durch die Kreditvergabe die Bilanz nicht verlängert: Die Mittel für die
    Kreditvergabe werden vom Zentralbank-Reservekonto der Bank gebucht.
    3.2 Die praktische Durchführung der empirischen Überprüfung
    Die Gestaltung der empirischen Prüfung erfolgt in Form des Abschlusses eines echten Kreditvertrages
    durch den Forscher. Die Bank gewährt den Kredit und legt alle relevanten Aufzeichnungen der internen
    Buchhaltung offen. Mehrere Banken in Großbritannien und Deutschland wurden angesprochen und
    gebeten, an einer wissenschaftlichen Studie über die Kreditvergabe von Banken mitzuarbeiten.
    Die großen Banken haben eine Mitarbeit abgelehnt. Als Begründung wurde in der Regel zweierlei
    angegeben: die erforderliche Offenlegung der internen Buchhaltung würde das Bankgeheimnis oder die
    IT-Sicherheitsregeln verletzen; zweitens wären die Transaktionsvolumen der Bank so groß, dass die
    geplante Überprüfung sehr schwierig durchzuführen wäre, wenn es um angemessene Geldbeträge geht,
    die nicht mit den internen Risikomanagementregeln der Bank in Konflikt stehen. Denn in diesem Fall
    wäre eine einzelne Transaktion im IT-System der Bank sehr schwer zu isolieren. Trotz verschiedener
    Diskussionen mit einer Reihe von Banken, haben die Banken am Ende die Bitte wegen der angeführten
    Gründe abgewiesen und außerdem ausgeführt, dass die Kosten für den Betrieb ihrer Systeme und die
    Kontrolle anderer möglicher Transaktionen nicht tragbar wären.
    Es wurde daher beschlossen, sich an kleinere Banken zu wenden, von denen es in Deutschland viele gibt
    (es gibt etwa 1700 lokale, meist kleine Banken in Deutschland). Jede besitzt eine Vollbanklizenz und ist
    als Universalbank tätig, sie bieten für die breite Öffentlichkeit alle wesentlichen Bankdienstleistungen,
    einschließlich dem Handel mit Aktien und Währungen. Es wurde bei einer lokalen Bank mit einer
    Bilanzsumme von rund € 3 Milliarden angefragt, ebenso bei einer Bank mit einer Bilanzsumme von
    ungefähr € 700 Millionen. Beide haben aus denselben Gründen wie die größeren Banken abgelehnt, aber
    es wurde eingebracht, dass eine viel kleinere Bank sich bereit erklären könnte, mit Hinweis auf den
    Vorteil, dass es dort weniger Transaktionen während eines Tages geben würde, sodass eine klare
    Identifizierung der Transaktion im Rahmen der empirischen Überprüfung leichter möglich sein würde.
    Gleichzeitig würde der Wert der empirischen Informationen nicht geschmälert, weil alle Banken in der
    EU nach den gleichen europäischen Vorschriften arbeiten.
    So wurde man bei der Raiffeisenbank Wildenberg e.G. vorstellig, ansässig in einer kleinen Stadt in
    Niederbayern. Die Bank hat acht Vollzeit-Mitarbeiter und ist eine Genossenschaftsbank im Rahmen von
    Raiffeisen und des genossenschaftlichen Bankenverbands. Die beiden Direktoren der Geschäftsführung,
    Herr Michael Betzenbichler und Herr Marco Rebl stimmten beide der Untersuchung zu, ebenso wie die
    verfügbaren internen Aufzeichungen der Buchhaltung und Dokumentationen der Abläufe weiterzugeben.
    Es wurde eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnet, die bestätigt, dass die geplanten Transaktionen
    Teil einer wissenschaftlichen empirischen Untersuchung sind und dass sich der Forscher nicht mit den
    Mitteln davonmacht, wenn diese auf sein persönliches Konto überwiesen werden und dass der Kredit
    unmittelbar nach Abschluss der Untersuchung wieder getilgt wird (Beilage 1 im Online-Anhang 3). Eine
    23/37
    Einschränkung zu den Aufzeichnungen der Buchhaltung, welche bei Banken recht üblich ist, ist die
    Auslagerung der IT an ein spezialisiertes Banken-IT-Unternehmen, welche ihre eigenen Regeln betreffend
    Vertraulichkeit und Sicherheit von Daten hat.
    Das IT-Unternehmen bedient die Mehrheit der 1100 Genossenschaftsbanken in Deutschland, sie
    verwendet die gleiche Software und interne Systeme und Buchhaltungsvorschriften, sodass die
    Untersuchung repräsentativ ist für mehr als 15% der Bankeinlagen in Deutschland.
    Es wurde vereinbart, dass der Forscher persönlich einen Kredit über € 200 000 bei der Bank nimmt. Die
    Transaktion wurde am 7. August 2013 in den Geschäftsräumen der Bank in Wildenberg in Bayern
    durchgeführt. Abgesehen von den beiden (einzigen) Direktoren der Geschäftsführung war auch der Leiter
    (und einziger Mitarbeiter) der Kreditabteilung Herr Ludwig Keil anwesend. Die Direktoren waren
    unbeteiligte Zuschauer. Herr Keil war der einzige Vertreter der Bank, der in den Ablauf der Kreditvergabe
    involviert war: am Anfang, bei der Kundendokumentation, beim Unterzeichnen des Kreditvertrages und
    der Buchung des Kreditbetrages auf das Konto des Kreditnehmers am Schluss. Die gesamte Transaktion,
    einschließlich der manuellen Eingaben von Herrn Keil, wurden gefilmt. Es wurden auch die Bildschirme
    des bankinternen IT-Terminals fotografiert. Darüber hinaus war ein Team von der BBC (Reporter Alistair
    Fee und ein Kameramann) vor Ort und filmte den Hauptteil des empirischen Bankkredit-Experiments.
    Die Bank legte den internen Standardablauf ihres Kreditvergabeverfahrens offen. Die Reihenfolge der
    wesentlichsten Schritte ist in Beilage 1 dargestellt. Wie man sehen kann, sind die letzten beiden Schritte
    die Unterzeichnung der „Kreditunterlagen“ durch den Kreditnehmer (den Forscher) und schließlich die
    Buchung des Kreditbetrages zum Valutatag.{31}
    Die vereinbarten Kreditbedingungen: der Forscher würde einen Kredit über € 200 000 zum Bestzins (der
    Zinssatz für die besten Kunden) nehmen. Zur Unterstützung des wissenschaftlichen Forschungsprojekts
    verzichtete die Bank in diesem Fall auf die tatsächlichen Zinserträge.
    Als der Kreditvertrag sowohl von der Bank als auch dem Kreditnehmer am 7. August 2013 unterzeichnet
    wurde, ist der Kreditbetrag unverzüglich auf das Kreditkonto bei der Bank gebucht worden, so wie das im
    Kreditvertrag vereinbart wurde. Beilage 2 im Online-Anhang 2 zeigt den ursprünglichen
    Kreditkontostand bei der Raiffeisenbank Wildenberg. Die wesentlichen Informationen aus dem
    Kontoübersichtstabelle werden in Tabelle 4 wiederholt.
    Tabelle 4. Neues Bankkonto des empirischen Forschers.
    Bank: Raiffeisenbank Wilden e.G.
    Kunde: Richard Werner
    Datum: 7. August 2013
    24/37
    Die Bank erstellte auch nachfolgende Übersicht, welche ein Standard T-Konto der Transaktion aus der
    Sicht des Kreditnehmers zeigt (Tabelle 5).
    Tabelle 5. Neues Bankkonto des empirischen Forschers.
    Der Kreditnehmer bestätigt, dass sein neues Girokonto bei der Bank nun einen Saldo von € 200 000 zeigt,
    der für Ausgaben verfügbar waren. (Eine Erweiterung des Experiments, über die gesondert berichtet
    werde soll, verwendete den Kreditbetrag für eine bestimmte Transaktion außerhalb des Bankinstituts.
    Dabei wurde der Betrag auf ein anderes Konto des Forschers, das er bei einer anderen Bank hatte,
    überwiesen; die Überweisung wurde ordnungsgemäß durchgeführt, womit gezeigt wurde, dass die
    Geldmittel für echte Transaktionen verwendet werden konnten.)
    Wir kommen nun auf die empirische Überprüfung der Theorien. Die entscheidende Frage ist: Woher hat
    die Raiffeisenbank Wildenberg e.G. die Mittel erhalten, die dem Kreditnehmer (dem Forscher)
    gutgeschrieben (und am nächsten Tag ordnungsgemäß aus der Bank wegüberwiesen) wurden? Als der
    Forscher entsprechend der Teilreserve-Theorie nach Reserveguthaben der Bank fragte, erklärte Direktor
    Marco Rebl, dass die Bank ihre Reserven bei der zentralen Organisation der Genossenschaftsbanken hält,
    welche wiederum ein Konto bei der Zentralbank hält. Diese Reserven beliefen sich auf einen Betrag von
    € 350 000, welcher sich während des Beobachtungszeitraums nicht verändert hat. In Bezug auf das
    Kreditvergabeverfahren versuchte der Forscher die Herkunft der als Kredit zur Verfügung gestellen Mittel
    zu verifizieren.
    Erstens bestätigte der Forscher, dass die in dieser Untersuchung involvierten Bankangestellten
    gegenwärtig waren, wobei zwei von ihnen (die Direktoren) nur beobachteten und weder Zugang zu
    Computer-Terminals hatten noch irgendwelche Anweisungen gaben. Der Kundenbetreuer (Leiter der
    Kreditabteilung, Herr Keil) war der einzige Akteur, der bei der Kreditvergabe aktiv involviert war. Seine
    Handlungen wurden gefilmt. Es wurde festgestellt und bestätigt, dass keiner der Bankmitarbeiter
    zusätzliche Aktivitäten durchführte, wie zum Beispiel die Ermittlung der verfügbaren Einlagen oder
    Gelder innerhalb der Bank – oder Anweisungen zu geben, Mittel aus anderweitigen Quellen auf das
    Konto des Kreditnehmers zu überweisen (beispielsweise durch das Kontaktieren der bankinternen
    Finanzierungsabteilung um bankexterne Interbankenfinanzierungsquellen zu kontaktieren). Es wurden
    auch keine Anweisungen gegeben, Reserven zu reduzieren oder sich Reserven leihen, weder bei der
    Zentralbank, noch bei der Zentrale der Genossenschaftsbanken oder bei einer anderen Bank oder
    Organisation. Mit anderen Worten: Es war offensichtlich, dass nach der Unterzeichnung des
    Kreditvertrags durch beide Parteien sofort die Mittel auf das Kreditkonto gebucht wurden, ohne weitere
    Kontrolle oder Anweisungen, um Mittel zu transferieren. Es gab keine Verzögerungen oder Beratungen
    oder andere Buchungen. Der Kreditnehmer sah im Moment der Kreditvergabe die Erhöhung seines
    Kreditkontostandes. Die gesamte Prozedur der Kreditvergabe, von Anfang bis Ende, bis die Mittel auf
    dem Kreditkonto verfügbar waren, dauerte ungefähr 35 Minuten (und wurde durch das Filmen und die
    häufigen Fragen des Forschers deutlich gebremst).
    Zweitens befragte der Forscher fragte die drei anwesenden Mitarbeiter der Bank, ob sie vor oder nach der
    Unterzeichnung des Kreditvertrags und vor der Buchung auf das Kreditnehmerkonto Auskünfte von
    irgendwelchen Dritten innerhalb oder außerhalb der Bank eingeholt hätten; weiters ob sie den Stand der
    verfügbaren Einlagen geprüft hätten oder in Verbindung mit dem Kreditvertrag Buchungen irgendeiner
    Art oder Überweisungen durchgeführt haben. Sie alle bestätigten, dass sie keine solche Tätigkeiten
    25/37
    durchgeführt haben. Sie bestätigten auch, dass nach der Unterzeichnung des Kreditvertrags sofort auf das
    Konto des Kreditnehmers gebucht wurde, ohne irgendwelche der genannten Schritte.
    Drittens erhielt der Forscher die internen Tagesbilanzen der Bank. Diese werden nur einmal täglich nach
    Geschäftsschluss erstellt. Da die Bank klein ist, wurde gehofft, dass es möglich sein würde, die
    Auswirkungen der Kredittransaktion über € 200 000 und eine Gestalt der Bilanz entsprechend einer der
    drei Hypothesen erkennen zu können.
  4. Ergebnisse
    Beilage 3 im Online-Anhang 3 zeigt den Scan der Tagesbilanz der Bank am Ende des 6. August 2013,
    dem Tag bevor die Transaktion für die empirische Untersuchung durchgeführt wurde. Beilage 4 in
    Online-Anhang 3 zeigt die Tagesbilanz des folgenden Tages. In Tabelle 6 sind die wichtigsten
    Vermögenspositionen zusammengefasst, jeweils am Ende des Tages vor dem Kreditvergabe-Experiment
    und nach Ende des Tages, an dem der Forscher Kredit genommen hat. Tabelle 7 zeigt die wichtigsten
    Passivpositionen für die gleichen Zeiträume:
    Tabelle 6. Raiffeisenbank Wildenberg e.G.: Tagesbilanz Vermögenswerte.
  5. August 2013, 22:46 im Vergleich zu 7. August 2013, 22:56.
    Aktiva Tagesbilanz
  6. Aug. 2013
    Tagesbilanz
  7. Aug. 2013 Differenz
  8. Kassenbestand 181,703.03 340,032.89 158,329.86
  9. Schatzwechsel, U-Schätze und ähnl. Schuldtitel
  10. Forderungen an Kreditinstitute 5,298,713.76 5,079,709.21 − 219,004.55
  11. Forderungen an Kunden 23,712,558.13 23,947,729.92 235,171.79
    – tägliche fällig 932,695.44 967,767.32 35,071.88
    – mit Laufzeit bis unter 4 Jahre 1,689,619.97 1,889,619.97 200,000.00
    – mit Laufzeit von 4 Jahren und länger 21,090,242.72 21,090,342.72 100.00
  12. Geldmarktpapiere 19,178,065.00 19,178,065.00
  13. Aktien und nicht fest verzinsliche Wertpapiere
  14. Beteiligungen 397,768.68 397,768.68
  15. Anteil an verbundenen Unternehmen
  16. Treuhandvermögen 5262.69 5262.69
  17. Ausleichsforderungen gegen die öffentliche
    Hand einschließlich Schuldverschreibungen
  18. Immaterielle Anlagewerte 102.00 102.00
  19. Sachanlagen 221,549.46 221,549.46
  20. Eingefordertes noch nicht eingez. Kapital
  21. Sonstige Vemögensgegenstände 707,569.26 711,288.64 3719.38
  22. Rechnungsabgrenzungsposten 2844.32 2844.32
    Summe der Aktiva 49,706,136.33 49,884,352.81 178,216.48
    Tabelle 7. Raiffeisenbank Wildenberg e.G.: Tagesbilanz Verbindlichkeiten.
  23. August 2013, 22:46 im Vergleich zu 7. August 2013, 22:56.
    Passiva Tagesbilanz
  24. Aug. 2013
    Tagesbilanz
  25. Aug. 2013 Differenz
  26. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 5,621,456.60 5,621,879.66 423.06
  27. Verbindlichkeiten gegenüber Kunden 39,589,177.09 39,759,156.42 169,979.33
    2A. Spareinlagen 10,234,806.01 10,237,118.24 2312.23
    2B. Andere Verbindlichkeiten 29,354,371.08 29,522,038.18 167,667.10
    26/37
    – BA täglich fällig 13,773,925.93 13,963,899.89 189,973.96
    – BB mit Laufzeit/KündFrist bis unter 4 Jahre 13,296,042.92 13,273,736.06 − 22,306.86
    – BC mit Laufzeit/KündFrist 4 Jahre und länger 2,284,402.23 2,284,402.23
  28. Treuhandverbindlichkeiten 5262.70 5262.70
  29. Sonstige Verbindlichkeiten 12,378.81 12,599.44 220.63
  30. Rechnungsabgrenzungsposten 16,996.04 16,996.04
  31. Rückstellungen 1,138,497.64 1,138,497.64
  32. Fonds für allgemeine Bankrisiken 250,000.00 250,000.00
  33. Eigenkapital 3,057,248.57 3,057,248.57
    Summe der Passiva 49,706,136.33 49,884,352.81 178,216.48
    Ausgehend von der Analyse der Informationen über die Passiva (Tabelle 7), erkennen wir, dass die
    Kundeneinlagen Teil der Bilanz des Kreditinstituts sind. Dies widerspricht der FinanzintermediärTheorie, die davon ausgeht, dass Banken gegenüber anderen Finanzinstituten, die keine Banken sind,
    nicht besonders sind und dass Banken eigentlich nicht von diesen Finanzinstituten, die ihre
    Kundeneinlagen außerhalb der Bilanz halten müssen, unterscheidbar sind. Tatsächlich behandelt eine
    Bank ihre Kundeneinlagen deutlich anders als Finanzinstitutionen, die keine Banken sind, welche ihre
    Kundeneinlagen außerhalb der Bilanz aufzeichnen. Stattdessen erkennen wir, dass die Bank
    Kundeneinlagen wie Kredite an die Bank behandelt, aufgezeichnet unter der Kategorie
    „Verbindlichkeiten gegenüber Kunden“, die Kunden wiederum erhalten von der Bank die Buchung ihrer
    Kredite („Einlagen“ genannt) auf das, was man „Kontoauszug“ nennt. Dies kann nur mit der
    Kreditschöpfungstheorie oder der Teilreserve-Theorie in Einklang gebracht werden.
    Wir sehen, dass ein Betrag, nicht viel unter dem Kreditsaldo (ca. € 190 000) bei der Bank eingelegt
    wurde. Das entspricht beinahe der Erhöhung der Gesamtverbindlichkeiten (und Forderungen). Da die
    Teilreserve-Hypothese eine solche Erhöhung der Einlagen als Voraussetzung für die Möglichkeit einer
    Kreditvergabe fordert, d.h. dass diese Einlagenerhöhung der Kreditvergabe vorangehen muss, ist es
    schwierig, diese Beobachtung mit der Teilreserve-Theorie in Einklang zu bringen. Darüber hinaus
    bestätigte der Forscher, dass auf seinem eigenen Bankkonto der Kreditsaldo von € 200 000 am gleichen
    Tag ausgewiesen wurde. Das bedeutet, dass der Anstieg der Verbindlichkeiten durch die Zunahme der
    täglichen Verbindlichkeiten um € 200 000 (Position 2B BA in Tabelle 7) verursacht wurde. So kann die
    gesamte Zunahme der Verbindlichkeiten ihre Ursache nicht in einem zufälligen Anstieg der
    Kundeneinlagen am Tag der Kreditvergabe haben. Die Passivseite der Bilanz scheint nur mit der
    Kreditschöpfungstheorie im vollkommenen Einklang zu stehen.
    Wenn wir uns der Aktiva-Seite zuwenden, bemerken wir, dass wir die Kategorie, unter der wir unseren
    Kredit finden, die Position 4 (Forderungen an Kunden) ist – zum Glück die einzige Positionen an dem
    Tag mit einer Fälligkeit von unter 4 Jahren und daher in der Bilanz klar zu identifizieren. Scheinbar haben
    Kunden auch Kurzzeitkredite (sehr wahrscheinlich Überziehungen) in der Höhe von € 35 071.88, was
    einen Gesamtkreditsaldo von € 235 071.88 ergibt. Um die Analyse so einfach wie möglich zu halten,
    lassen Sie uns hier davon ausgehen, dass unser Test-Kredit sich auf diesen Gesamtkreditbetrag
    (€ 235 071.88) belief. So interessiert uns auf der Aktiva-Seite die Bilanzposition ΔA4, der Anstieg der
    Kredite (Forderungen an Kunden) in der Höhe von € 235 071.88.
    Wir möchten nun die Bilanz analysieren, um zu sehen, ob dieser neue Kredit in der Höhe von
    € 235 071.88 von anderen Konten der Bank abgezogen oder ob der Kredit sonst irgendwie finanziert
    wurde. Zuerst beginnen wir mit der Betrachtung der Aktivität auf der Aktiva-Seite. Die Beträge jeweils in
    Tausend angegeben, können wir die Veränderung in der Bilanz im Beobachtungszeitraum im Rahmen der
    Bilanzvorschriften wie folgt zusammenfassen:
    ΔAktiva = ΔA1(Kassenbestand) + ΔA3(Forderungen an Kreditinstitute)
  • ΔA4(Forderungen an Kunden) + ΔA14(sonstige Vermögensgegenstände) (1)
    Zahlenmäßig sind das, gerundet auf tausend Euro:
    27/37
    178 = 158 – 219 + 235 + 4 (2)
    Die Teilreserve-Theorie besagt, dass der Kreditbetrag von den Reserven bezahlt werden muss. Diese
    können entweder Barguthaben oder Reserven bei anderen Banken (einschließlich der Zentralbank) sein.
    Die Einlagen (Forderungen) bei anderen Finanzinstituten (die auch die Reserven der Bank bei der
    Zentralbank umfasst) sind deutlich zurückgegangen, nämlich um € 219 000. Zur gleichen Zeit haben sich
    die Bargeldreserven deutlich erhöht. Es kann sein, dass die Bank gesetzliche Zahlungsmittel von der
    Genossenschaftsbank abgezogen hat, was die Erhöhung der Bargeldreserven und die Abnahme der
    Guthaben bei anderen Finanzinstituten erklärt. Da die Theorien nicht zwischen diesen Kategorien
    unterscheiden, können wir A1 und A3, die Bankguthaben und die Reserven aggregieren. Um zu
    vereinfachen, aggregieren wir auch A14 (sonstige Vemögensgegenstände) mit A4 (Forderungen an
    Kunden) und erhalten:
    178 (ΔAktiva) = −61 (ΔReserven) + 239 (ΔForderungen an Kunden , sonstige Vemögensgegenstände) (3)
    Wir beobachten, dass die Reserven weniger wurden, während die Forderungen an Kunden deutlich
    stiegen. Darüber hinaus stieg auch die Bilanzsumme um einen Betrag, nicht unähnlich dem unseres
    Kreditsaldos. Kann diese Informationen mit einer der drei Theorien vereinbart werden?
    Entsprechend der Finanzintermediär-Hypothese würden wir einen Rückgang der Reserven (Guthaben bei
    anderen Finanzinstituten und Barmittel) erwarten – um denselben Betrag wie der Betrag an
    Kundenkrediten gestiegen ist. Die Reserven haben aber um weit weniger abgenommen. Zur gleichen Zeit
    wurde die Bilanz durch eine deutliche Zunahme der Forderungen an Kunden verlängert. Wenn die Bank
    sich, entsprechend der Finanzintermediär-Theorie, Geld von anderen Banken geliehen hätte, um den
    Kredit zu finanzieren (was den Gesamtbetrag der Forderungen an andere Banken reduziert), sollte sich
    weder der Kassenbestand erhöht, noch die Bilanz verlängert haben. Wir beobachten jedoch einen
    signifikanten Anstieg des Bargeldbestandes und eine Verlängerung der Gesamtbilanz (gesamte Aktiva und
    gesamte Passiva) zusammen um € 178 000. Dies kann nicht mit der Finanzintermediär-Theorie in
    Einklang gebracht werden, weswegen wir diese Theorie verwerfen müssen.
    Wenn wir die Teilreserve-Theorie betrachten, wissen wir durch die Befragung von Herrn Keil von der
    Kreditabteilung als auch der Direktoren, dass keiner von ihnen vor der Unterzeichnung des Kreditvertrags
    die Höhe der Reserven oder Guthaben bei anderen Banken überprüft hat, um für den Kreditnehmer Mittel
    verfügbar zu machen (siehe Original-Brief in der Beilage). Darüber hinaus scheint es keine Beweise dafür
    zu geben, dass die Reserven (Bargeld und Forderungen gegenüber anderen Finanzinstituten) in einem der
    Kreditvergabe entsprechenden Maß zurückgegangen wären. Schließlich kann die beobachtete Ausweitung
    der Bilanz auch nicht mit der Standardbeschreibung der Teilreserve-Theorie in Einklang gebracht werden.
    Daher müssen wir auch diese verwerfen.
    Damit verbleibt nur mehr die Kreditschöpfungstheorie. Können wir die beobachtete Aktiva-Seite der
    Bilanz mit ihr in Einklang bringen?
    Die Transaktionen sind miteinander über den Buchhaltungsidentitäten der Bilanz verknüpft (Gleichungen
    (1), (2) und (3)). Wir können also die Frage stellen, was mit der Gesamtsumme der Aktiva geschehen
    wäre, wenn wir für einen Moment annehmen, dass keine andere Transaktion neben der Kreditvergabe
    (235) stattgefunden hat. Wir können die Veränderungen der einzelnen Aktiva-Positionen auf Null setzen
    (außer ΔA4, unseren Kredit), wenn wir denselben Betrag der von Gesamtsumme der Aktiva-Änderungen
    subtrahieren. Die neue Gesamtbetrag der Aktiva in diesem hypothetischen Szenario wäre:
    235 = 178 – 158 + 219 – 4 (4)
    oder allgemein:
    ΔA4(Forderungen an Kunden) = ΔAktiva − ΔA1(Kassenbestand) − ΔA3(Forderungen an Kreditinstitute)
    − ΔA14(Sonstige Vemögensgegenstände) (5)
    28/37
    Mit anderen Worten: Wenn die anderen Transaktionen nicht stattgefunden hätten, hätte sich die Bilanz der
    Bank um den gleichen Betrag verlängert, wie Kredite vergeben wurden. Diese Feststellung stimmt nur
    mit der Kreditschöpfungstheorie überein.
    Der Beweis ist nicht so leicht erbringbar, wie man sich das wünschen würde, da es in der Praxis nicht
    möglich ist, alle anderen Transaktionen der Bank auszuschalten, die von Bankkunden (die heute via
    Internet-Banking auch an Feiertagen Transaktionen tätigen können) initiiert werden. Aber die
    vorliegenden Buchhaltungsdaten können nicht mit der Teilreserve- oder der FinanzintermediärHypothese in Einklang gebracht werden.
  1. Fazit
    Diese Studie sollte zwei Aufgaben erfüllen. Zunächst wurde die Geschichte des ökonomischen Denkens
    zur Frage, wie Banken funktionieren, untersucht. Es wurde festgestellt, dass eine langjährige Kontroverse
    besteht und dass diese nicht empirisch beigelegt wurde. Zweitens wurden empirische Untersuchungen
    durchgeführt, um die bestehende und fortgesetzte Kontroverse beizulegen und herauszufinden, welche der
    drei Theorien im Einklang mit den empirischen Beobachtungen steht.
    5.1 Drei Theorien, aber keine empirische Überprüfung
    In Bezug auf die erste Aufgabe, haben wir in dieser Arbeit drei verschiedene Hypothesen über die Rolle
    der Banken identifiziert, nämlich die Kreditschöpfungstheorie, die Teilreserve-Theorie und die
    Finanzintermediär-Theorie. Es wurde festgestellt, dass die erste Theorie bis etwa Mitte/Ende der 1920er
    Jahre vorherrschend war, mit führenden Befürwortern wie Macleod und Schumpeter. Dann wurde unter
    dem Einfluss von Ökonomen wie Keynes, Crick, Phillips und Samuelson, bis in die frühen 1960er Jahren
    die zweite Theorie dominant.
    In den frühen 1960er Jahren wurde zunächst unter dem Einfluss von Keynes und Tobin und dem Journal
    of Money, Credit and Banking die Finanzintermediär-Theorie vorherrschend. Trotz dieser erkennbaren
    Epochen der Vorherrschaft blieben Zweifel an jeder der Theorien. In jüngster Zeit hat die
    Kreditschöpfungstheorie ein Revival erlebt, nachdem sie in der Zeit nach der japanischen Bankenkrise in
    den frühen 1990er Jahren (Werner, 1992 und Werner, 1997) und im Vorfeld und in der Zeit nach der
    europäischen und US-Finanzkrise seit 2007 (siehe Bank of England, 2014a, Bank of England, 2014b,
    Benes und Kumhof 2012 und Ryan-Collins et al., 2011, Ryan-Collins et al., 2012, Werner, 2003b, Werner,
    2005, und Werner, 2012) wieder vertreten wurde. Jedenfalls haben diese Arbeiten bis jetzt keinen Einfluss
    auf die Mehrheit der Modelle und Theorien der Makroökonomie oder des Bankwesens genommen. So
    musste der Schluss gezogen werden, dass die Kontroverse weitergeht, ohne einen wissenschaftlichen
    Versuch, diesen durch empirische Beweise beizulegen.
    5.2 Der empirische Beweis stützt Kreditschöpfungstheorie
    Die zweite Aufgabe dieser Arbeit war es, über die erste empirische Studie zu berichten, welche die drei
    Hypothesen überprüft. Diese wurden erfolgreich in der realen Welt unter realen Bedingungen überprüft:
    durch eine Kreditaufnahme bei einer Bank und der Untersuchung der tatsächlichen internen
    Bankbuchhaltung in einer unkontrollierten realen Umgebung.
    Es wurde untersucht, ob in dem Prozess, dem Kreditnehmer Geld zur Verfügung zu stellen, die Bank
    diese Mittel von anderen Konten (innerhalb oder außerhalb der Bank) überweist. Es wurde festgestellt,
    dass in dem Prozess, durch den das Geld auf dem Konto des Kreditnehmers verfügbar gemacht wird, die
    Bank dieses Geld nicht von anderen internen oder externen Konten überwiesen hat, was dazu geführt hat,
    dass sowohl die Teilreserve-Theorie als auch die Finanzintermediär-Theorie verworfen werden musste.
    Statt dessen wurde festgestellt, dass die Bank diese Mittel neu „erfunden“ hat, indem sie diese als Einlage
    auf das Konto des Kreditnehmers gebucht hat, obwohl eine solche Einlage nicht stattgefunden hat. Dies
    steht im Einklang mit den Behauptungen der Kreditschöpfungstheorie.
    Damit kann es jetzt – möglicherweise in den 5000 Jahren der Geschichte des Bankwesens – mit
    Zuversicht gesagt werden, dass es ist empirisch nachgewiesen ist, dass jede einzelne Bank Kredit und
    29/37
    Geld aus dem Nichts schafft, wenn sie das vergibt, was man „Bankkredit“ nennt. Die Bank verleiht kein
    bereits existierendes Geld, sondern erzeugt stattdessen neues Geld. Die Geldmenge wird „wie durch
    Zauberei“ von den Banken aus dem Nichts erschaffen.{32} Die Auswirkungen sind weitreichend.
    5.3 Das Besondere an Banken
    Von nun an müssen sich die Ökonomen betreffend Banken nicht mehr auf Behauptungen verlassen.
    Aufgrund des empirischen Beweises wissen wir jetzt, dass Banken besonders, ja sogar einzigartig sind –
    womit das langjähre Rätsel, das von Fama (1985) und anderen formuliert wurde, gelöst ist. Banken sind
    anders als Unternehmen und Finanzinstitute, die keine Banken sind, weil sie einzeln Geld aus dem Nichts
    schaffen können.
    5.4 Auswirkungen
    5.4.1 Auswirkungen auf die Wirtschaftstheorie
    Die empirische Beweis zeigt, dass von den drei Theorien jene, die heute den geringsten Einfluss hat und
    über die in der Literatur herabsetzend geurteilt wurde, durch den empirischen Beweis unterstützt wird.
    Darüber hinaus ist es die Theorie, die am Ende des 19. bis in die ersten drei Dekaden des 20. Jahrhunderts
    weit verbreitet war. Es ist ernüchternd festzustellen, dass die Ökonomen sich seit den 1930er Jahren
    immer weiter von der Wahrheit entfernt haben, anstatt sich ihr zu nähern. Dies passierte zunächst durch
    die Halbwahrheit der Teilreserve-Theorie und führte zu der völlig falschen und irreführenden
    Finanzintermediär-Theorie, die heute so vorherrschend ist. So hat diese Arbeit Beweise dafür gefunden,
    dass es bei den Kenntnissen der Wissenschaft in Sachen Ökonomie, Finanzen und Bankwesen im 20.
    Jahrhundert betreffend eine der wichtigsten und grundlegendsten Fakten keine Fortschritte gegeben hat.
    Stattdessen gab es eine regressive Entwicklung. Die bekannten Fakten wurden verlernt und unbekannt.
    Dieses Phänomen verdient weitere Untersuchung. Jetzt kann gesagt werden, dass dieser Prozess des
    Verlernens der Fakten im Bankwesen unmöglich gewesen wäre, wenn nicht die führenden Ökonomen
    ihrer Zeit eine bedeutende Rolle darin gespielt hätten. Der einflussreichste und berühmteste aller
    Ökonomen des 20. Jahrhunderts, war, wie wir gesehen haben, nacheinander Anhänger aller drei Theorien,
    was ein überraschendes Phänomen ist. Mehr noch: Keynes benutzte seinen beträchtlichen Einfluss, um
    die wissenschaftliche Analyse der Frage, ob Banken Geld zu schaffen können, zu bremsen, statt dessen
    engagierte er sich bei ad hominem Angriffen auf Anhänger der Kreditschöpfungstheorie. Trotz seiner
    begeisterten frühen Unterstützung der Kreditschöpfungstheorie (Keynes, 1924), äußerte er sich nur sechs
    Jahre später herablassend, wenn nicht ablehnend zu dieser Theorie, indem er sich auf die Kreditschöpfung
    nur mehr in Anführungszeichen bezog. Er war vielleicht noch herablassender gegenüber Anhängern der
    Kreditschöpfungstheorie, die er als Teil der „Armee von Ketzern und Spinnern, deren Zahl und
    Begeisterung außergewöhnlich ist“ bezeichnete, welche an „Zauberei“ und eine Art „Utopia“ zu glauben
    scheinen (Keynes, 1930, Band 2, S. 215).{33}
    Unnötig zu erwähnen, dass eine solche Rhetorik der wissenschaftlichen Argumentation nicht förderlich
    ist. Aber diese Methode wurde von anderen Ökonomen bei der Förderung der Teilreserve- und später der
    Finanzintermediär-Theorien verwendet. US-Notenbank-Mitarbeiter Alhadeff (1954) argumentierte in
    ähnlicher Weise während der Zeit, als Ökonomen daran arbeiteten, die Teilreserve-Theorie zu etablieren:
    »Eine Komplikation, die der Rede wert ist, betrifft die angebliche „Schöpfung“ von Geld
    durch Banker. Früher wurde behauptet, dass Banker Geld einfach durch Einrichtung von
    Konten für ihre Geschäftskreditnehmer schaffen könnten. Es wurde seitdem deutlich gezeigt,
    dass in einem Teiltreserve-System nur die Gesamtheit der Banken Einlagen im Umfang des
    vollen Kehrwerts des Mindestreservesatzes erweitern kann. Die einzelne Bank kann diese in der Regel auf einen Betrag erweitern,
    der etwa gleich ihren Primäreinlagen ist.«“ (S. 7)
    30/37
    Die Schaffung von Kredit durch Banken wurde im Stil von Keynes (1930), eine „angebliche
    ‚Schöpfung’“, wobei rhetorisch vorgeschlagen wurde, dass solches Denken allzu simpel war und daher
    nicht wahr sein könnte. Tobin verwendet die rhetorische Methode abduction ad absurdum um die
    Kreditschöpfungstheorie zu verunglimpfen, indem er völlig unpassend andeutete, die Theorie postuliere
    einen „Zauberhut“ , ein wunderbares Gefäß, welches
    unbegrenzte Mengen wertvoller Güter produzierte, womit die Anhänger der Theorie an Wunder und
    Utopien glauben würden.
    Die gleiche Art von rhetorischer Verunglimpfung und Distanzierung von der Kreditschöpfungstheorie ist
    auch in der jüngsten Zeit sichtbar. So wie zum Beispiel das New Palgrave Money (Eatwell et al., 1989),
    ein einflussreiches 340-seitiges Nachschlagewerk, welches für sich beansprucht, eine „ausgewogene
    Perspektive zu jedem Thema“ (Eatwell et al., 1989, S. VIII) zu haben. Doch es dominiert die
    Finanzintermediär-Theorie, es gibt eine kleinere Darstellung der Teilreserve-Theorie. Die
    Kreditschöpfungstheorie wird überhaupt nicht vorgestellt, nicht einmal als Möglichkeit. Aber das Buch
    hat ein Kapitel mit dem Titel „Geldspinner“. In diesem kurzen Kapitel wird Keynes‘ (1930) abwertende
    Behandlung von Anhängern der Kreditschöpfungstheorie für die Verwendung in den 1990er Jahren
    aktualisiert und verschärft: mehrere Autoren, die durchdachte Analysen zu Wirtschaft, Währungssystem
    und der Rolle der Banken geliefert haben, werden mit Spott und Beleidigungen überhäuft, so wie der
    Nobelpreisträger Sir Frederick Soddy (1934) und C.H. Douglas (1924). Auch die bahnbrechende und
    einflussreiche Arbeit von Georg Friedrich Knapp (1905), von Keynes (1936) noch positiv zitiert, wird
    identifiziert als von einem „Spinner“ geschrieben. Was diese scheinbar bemitleidenswerten Autoren
    gemeinsam haben und ihr Hauptfehler zu sein scheint, sodass sie in diesem unheilträchtigen Kapitel
    aufgeführt sind, ist, dass sie Anhänger der Kreditschöpfungstheorie sind. Aber es ist sehr entlarvend, dass
    die Beiträge heruntergemacht, aber nirgendwo ausgeführt werden – was ihre Hauptgrundsätze sind und
    dass ihre Analysen sich auf die Kreditschöpfungstheorie konzentrieren, welche unbenannt bleibt und nie
    ausgeschrieben wird. Dies ist keine geringe Leistung und es drängt sich der Gedanke an die Möglichkeit
    auf, dass die Eatwell et al. (1989) Schwarte absichtlich so gestaltet wurde, um von der reichhaltigen
    Literatur, die die Kreditschöpfungstheorie unterstützt, abzulenken bzw. diese zu ignorieren. Dadurch sei
    nichts verloren, so meinen die Autoren, die zu der Entwicklung applaudieren, dass aufgrund der
    »stärkeren Betonung auf Geldtheorie durch die Wirtschaftswissenschaftler in den letzten
    Jahrzehnten die Geldspinner weitgehend aus der öffentlichen Debatte verschwunden sind …«
    (S. 214)
    Und so ist die Kreditschöpfungstheorie aus der öffentlichen Debatte verschwunden. Da die Grundsätze
    dieser Theorie in Eatwell et al. (1989) nie angegeben werden, endet das Kapitel über „Spinner“ mit einer
    Litanei an ad hominem Verunglimpfungen, Verleumdungen und Rufmorden, indem großzügig
    Bezeichnungen wie „Spinner“, „Phrasendrescher“, „Agitatoren“, „Populisten“ und sogar
    „Verschwörungstheoretiker“ vergeben werden. Allesam würden diese an „Wunder“ glauben und sich
    Wunschdenken hingeben und schließlich ihre Leser in die Irre führen, indem sie versuchen, „ihre
    Altersgenossen durch ihr scheinbares Verständnis von Wirtschaft zu beeindrucken, auch wenn sie keine
    formale Ausbildung in der Disziplin hätten.“ (S. 214) . Alles was wir über die tatsächlichen Theorien
    dieser unglückseligen Autoren lernen, ist, dass diese sich irgendwie „den privaten Banken und der
    ‚Geldmacht‘ widersetzen, ohne dass dieser Widerstand zu einer anspruchsvolleren politischen Analyse
    führen würde.“ (S. 215). Liest man den sehr anspruchsvollen Soddy (1934), werden solche
    Bezeichnungen schnell als unbegründete Verleumdungen entlarvt.
    Im Unterschied dazu zeigt der in dieser Arbeit präsentierte empirische Beweis, dass die vielen Anhänger
    der Finanzintermediär-Theorie und auch die Anhänger der Teilreserve-Theorie Scheibenweltbewohner
    sind, die glauben, dass das, was empirisch bewiesen ist, falsch sei und als unmöglich erkennbar sein
    müsste, wenn man genauer über die Buchhaltungsvorschriften nachdenkt. Ob die Autoren von Eatwell et
    al. (1989) es tatsächlich besser gewusst hätten, ist eine offene Frage, die die Aufmerksamkeit zukünftiger
    Untersuchungen verdient. Sicherlich sollte aufgrund der unwissenschaftliche Behandlung der
    Kreditschöpfungstheorie und ihrer Unterstützer durch Autoren wie Keynes, der die Theorie nur ein paar
    Jahre zu vor sehr unterstützte, bevor er Tiraden gegen ihre Anhänger verfasste, oder durch die Autoren
    31/37
    von Eatwell et al. (1989), diese Möglichkeit erwogen werden.
    5.4.2 Auswirkungen auf die Politik der Regierung
    Es gibt noch andere, weitreichenden Auswirkungen der Feststellung, dass die einzelne Banken Kredit und
    Geld erschaffen, wenn sie das tun, was man „Geld verleihen“ nennt. Es ist leicht einzusehen, dass diese
    Tatsache nicht nur für die Geldpolitik wichtig ist, sondern auch für die Fiskalpolitik, und in den
    ökonomischen Theorien reflektiert werden muss. Richtlinien zur Vermeidung von Bankenkrisen oder der
    Umgang mit den Folgen von Krisen erfordern eine andere Form, wenn man die Realität der
    Kreditschöpfungstheorie erkannt hat. Sie erfordern ein ganz neues Paradigma in der Geldtheorie, der
    Makroökonomie und dem Finanz- und Bankwesen (für Details siehe zum Beispiel Werner, 1997, Werner,
    2005, Werner 2012, Werner, 2013a und Werner, 2013b), das auf der Realität basiert, dass Banken die
    Schöpfer der Geldmenge sind. Es hat möglicherweise erhebliche Auswirkungen auf andere Disziplinen,
    wie Rechnungswesen, Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte, Wirtschaftsgeographie, Politik,
    Soziologie und Rechtswissenschaften.
    5.4.3 Auswirkungen auf die Bankenregulierung
    Die Auswirkungen für die Bankenregulierung und die Gestaltung der offiziellen Politik sind weitreichend.
    Wie in der Einleitung erwähnt, geht die moderne nationale und internationale Bankenregulierung von der
    Annahme aus, dass die Finanzintermediär-Theorie korrekt ist. Da Banken aber tatsächlich in der Lage
    sind, Geld aus dem Nichts zu schaffen, werden höhere Eigenkapitalanforderungen an Kreditinstitute nicht
    unbedingt die Vermeidung von Bankenkrisen und Boom- und Bust-Zyklen bewirken, denn auch mit
    höheren Eigenkapitalanforderungen könnten Banken die Geldmenge weiter ausdehnen und so die
    Vermögenspreise hochtreiben, wobei ein Teil des neugeschöpften Geldes für Bankkapital erhöhen kann.
    Auf Basis der Anerkennung dessen haben einige Ökonomen für mehr direkte Intervention der
    Zentralbank auf dem Kreditmarkt plädiert, zum Beispiel durch quantitative Kreditlenkung (Werner, 2002,
    Werner, 2003b und Werner, 2005).
    5.4.4 Währungsreform
    Das jüngste Eingreifen der Bank of England, 2014a und Bank of England, 2014b hat eine öffentliche
    Debatte darüber ausgelöst, ob das Privileg der Banken, Geld zu schaffen, widerrufen werden sollte (Wolf,
    2014). Die Realität der Banken als Schöpfer der Geldmenge wirft die Frage nach dem Idealtypus eines
    Geldsystems auf. In dieser Sache ist deshalb viel Forschung notwendig. Unter den vielen verschiedenen
    Ausgestaltungen von Geldsystemen, die in den letzten 5000 Jahren ausprobiert wurden, haben nur sehr
    wenige die Forderung nach fairer, effizienter, zurechenbarer, stabiler, nachhaltiger und demokratischer
    Schaffung und Zuteilung von Geld erfüllt. Es ist die Ansicht des Autors, welcher sich mehr als 23 Jahre
    der Forschung zu diesem Thema gewidmet hat, dass es der beste Weg ist, sicherzustellen, dass die
    Geldschöpfung dorthin zurückgegeben wird, wo sie hingehört: zu den einfachen Menschen – nicht zu den
    Technokraten. Dies kann durch die Einführung eines Netzwerks von kleinen, nicht profitorientierten
    lokalen Banken im ganzen Land gewährleistet werden. Die meisten Länder besitzen derzeit kein solches
    System. Allerdings ist ein solches System das Herz der deutschen Wirtschaftserfolge in den vergangenen
    200 Jahren. Es sind genau die Sparkassen, Raiffeisen- und Volksbanken – je kleiner, desto besser, die bei
    der Durchführung dieser empirischen Studie hilfreich waren und für die zukünftige Politik betreffend
    unser Geldsystem als Vorbild dienen sollten. Weiters können ergänzend zur öffentlichen Währung auch
    Währungen von lokalen Behörden ausgeben werden, die als Zahlungsmittel für Gemeindesteuern
    akzeptiert werden, konkret lokale Währungen, die nicht als Schuld, sondern für Dienstleistungen von
    lokalen Behörden oder der Gemeinschaft geschöpft werden. Beide Formen der lokalen Geldschöpfung
    zusammen würden ein dezentrales und zurechenbares Geldsystem bilden, das (auf der Grundlage der
    empirischen Daten aus Deutschland) besser funktioniert als die unheilige Allianz von Zentralbanken und
    Großbanken, die viel dazu beigetragen haben, um nicht nachhaltige Vermögensblasen und Bankenkrisen
    zu erzeugen (Werner, 2013a und Werner, 2013b).
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    http://eprints.soton.ac.uk/342277/1/Werner‚Soton‚Towards‚ Stable,BankingJO101 1.pdf.
    Werner, Richard A (2012). Towards a new research programme on „Banking and the economy“ —
    Implications of the quantity theory of credit for the prevention and resolution of banking and debt crises.
    International Review of Financial Analysis, 25, 94-105, http://dxdoi.org/1 0.1016/j.irfa2012.06.002.
    Werner, Richard A (2013a). Towards a more stable and sustainable financial architecture — A discussion
    and application of the quantity theory of credit; Kredit und Kapital, 46(3), 353-389.
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    Wicksell, Knut (1898). Geldzins und Güterpreise.
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    Wicksell, Knut (1928). Geld und Kredit / Band 2. Jena: Verlag von Gustav Fischer
    Wicksell, Knut (1935). Lectures on Political Economy. London: Routledge.
    Withers, Hartley (1909). The Meaning of Money.
    Withers, Hartley (1916). The Business of Finance.
    Wolf, Martin (2014, Apr. 24). Strip private banks of their power to create money. Financial Times.
    Wolfe, Simon (1997). An Economic Analysis ofFinancial Institutions‘ Accounting Practice. (Dissertation
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    Woodford, Michael (2003). Interest and Prices. Princeton: Princeton University.
    Yohe, William P. (1995). Interactive Money and Banking. Oxford: Blackwell.
    37/37
    Beilage 1
    Abfolge der Schritte für die Vergabe eines Kredits durch die Raiffeisenbank Wildenberg e.G.
  2. Verhandlungen über die Einzelheiten des Kredits.
  3. Erhalt der „kenne deinen Kunden“ Informationen und Eröffnung einer neuen Kundendatei
    (Neukunde).
  4. Eröffnung eines Girokontos (Neukunde).
  5. Berechnung des Kredits und des Tilgungsplans; Modellrechnung, erforderliche europäische
    Kundeninformationen, Aufzeichnung der Kundenberatung.
  6. Eingabe des Kreditantrag in das IT-System der Bank.
  7. Überprüfung der Fähigkeit, den Kredit zu bedienen und zu tilgen / Durchführung von
    Liquiditätsberechnungen im Kreditantrag.
  8. Bewertung der Kreditwürdigkeit des Kunden, Eintrag in die Kundendatei.
  9. Suchen von Kundendaten in der zentralen Datenbank für singuläre wirtschaftliche Abhängigkeiten
    und Eingabe der Ergebnisse in die IT der Bank.
  10. Empfehlung des Vorstands zum Kreditantrag mit Begründung (2 Direktoren).
  11. Ausdruck von Kreditvertrag, allgemeinen Kreditbedingungen, Übergabe vom Kunden quittiert.
  12. Ausdrucken des Protokolls des Kreditvergabeprozesses.
  13. Genehmigung des Kredits von Bankdirektoren durch die Unterzeichnung des Protokolls und des
    Kreditvertrags.
  14. Erstellung des Kreditkontos im IT-System.
  15. Einrichtung des Kreditlimits und der Verfügbarkeit des Kredits.
  16. Termin mit dem Kunden.
  17. Kunde unterzeichnet die Kreditunterlagen.
  18. Buchung des Kredits zum Valutatag im Austausch gegen den Nachweis der Verwendung des Kredits
    im Einklang mit der erklärten Verwendung in der Kreditantrag.

Von Manuel Cornelius Mittas

Freier Journalist, Video-Reporter, Mediengestalter, DJ & Musiker,

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